Wer fürchtet den chinesischen Abschwung?

Wie deutsche Autokonzerne ihr Geld in China verdienen ist klar. Kfz-Ausfuhr aus Deutschland nach China – die würde nicht einmal die NSA und all die anderen Überwachungsfreunde auf Radarschirmen entdecken. Geschweige denn, ob es sie überhaupt interessieren würde. 0,76 Prozent des deutschen Warenexports – soviel waren es im Mai oder 673,624 Mio. Euro. Fast schon Peanuts. Vermutlich ist es deswegen auch so langweillig, dass es 2013 bislang rund 40 Prozent* weniger sind als vor einem Jahr. Viel interessanter ist dann auch eher die Frage, wie deutsche Autokonzerne überhaupt diesen Abschwung in der Volksrepublik gerade miterleben? Und so sieht er aus, der Abschwung Chinas in deutschen Absatzbilanzen: Mit ihren Joint Ventures sind die Wolfsburger größter Autoverkäufer und –produzent in der Volksrepublik, Hongkong und Macao – nach eigenen Angaben. Unter den deutschen Herstellern hatten sie im ersten Halbjahr einen Marktanteil von um die 85 Prozent. Und sie wachsen noch immer – mit…

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Wir verkaufen mehr Autos in China als wir Waren nach Frankreich exportieren

Ein kleines (gewagtes) Gedankenexperiment: Hier hatte ich es schon erwähnt. Die drei großen deutschen Autokonzerne verkaufen Kraftfahrzeuge in China, wovon nach Unternehmensangaben fast 90 Prozent in der Volksrepublik hergestellt werden. Das war im Gesamtjahr 2012 nicht viel anders – obwohl BMW Mitte vergangenes Jahres seine Produktionskapazitäten verdoppelt hatte – auf 200.000 Fahrzeuge. Allerdings produzierte Volkswagen 2012 allein in seinen Joint Ventures 2,6 Mio. Fahrzeuge. (Alle anderen Quellen finden sich hier.) Nun einmal so rein hypothetisch angenommen, dass 10 Prozent der ausgelieferten Fahrzeuge aus Deutschland importiert wurden. Bei Destatis* wiederum können wir herausfinden, dass der deutsche Autoexport nach China 2012 bei 12 Mrd. Euro lag. Dann lässt sich doch ganz unwissenschaftlich und grob schätzen: Dass alle Autos deutscher Konzerne einen Exportwert von rund 120 Mrd. Euro gehabt haben dürften. Und nun vergleichen wir diese 120 Mrd. Euro einmal mit folgender Tabelle von Destatis: Das würde doch bedeuten: Wenn die Autos in…

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Kein Ende in Sicht: Der brutale Abbau europäischer Ungleichgewichte

Vorige Woche waren wir noch etwas verwirrt wegen dieser fehlenden Fußnoten. Es ging um die vorläufigen Zahlen zum Warenhandel mit dem Euroland – und zwar die vom Mai. Am Freitag nun haben die Statistiker von Destatis die richtigen Werte aktualisiert – in ihrer Genesis-Datenbank. Und natürlich haben wir noch Überschuss mit den übrigen Euroländern. Wenngleich er auch deutlich gesunken ist. Mit 2,7 Mrd. Euro hatte Deutschland im Mai so einen geringen monatlichen Überschuss wie seit Dezember 2000 nicht mehr. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres sank er um ein Fünftel von 32 Mrd. Euro auf 26 Mrd. Euro – im Vergleich zum Jahr 2012. Stand Frankreich vor einem Jahr noch für gut die Hälfte des Überschusses, waren es in den drei Monaten bis Mai bereits 61 Prozent. (Nur falls sich noch jemand über die ständigen Attacken aus Berlin und Frankfurt in Richtung des Nachbarn wundert.) Die aussagekräftigen Zwölfmonatssummen (die…

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Siehst Du Deutschland, so wird das gemacht!

Gut 242 Mrd. € will das Land von 2013 bis 2018 in neue Straßen, Schienen, Mobilfunknetze oder Häfen stecken. Diese Summe entspricht knapp 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, das der Internationale Währungsfonds für die Jahre vorhersagt. Die Mittel sollen auch von privaten Investoren kommen. Wer sich jetzt irgendwie an ein Investitionsprogramm erinnert fühlt, das das DIW neulich vorgeschlagen hat, der irrt sich aber leider gewaltig. Nein, die Deutschen sind nicht aufgewacht und wollen plötzlich in ihre Zukunft investieren. Gut 242 Mrd. € will das Land von 2013 bis 2018 in neue Straßen, Schienen, Mobilfunknetze oder Häfen stecken. Diese Summe entspricht knapp 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, das der Internationale…

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Den Chinesen ihr „Likonomics“ – uns mehr von „Marcelonomics“

Der vorherige Beitrag hat sich am Ende eher zu einer Lehrstunde für Statistikliebhaber entwickelt. Hoffen wir einfach, dass Destatis beim nächsten Mal noch Platz findet für so etwas wie Fußnoten. Schauen wir uns jetzt lieber halbwegs verlässliche Daten zum deutschen Außenhandel an – und zwar zum Handel mit China. Hier können wir besonders schön beobachten, was unsere Standortpropheten garantiert nicht so gerne sehen: Deutschlands Exportmodell ist auf Sand gebaut. Nein, damit sind nicht nur die Verluste von 600 Mrd. Euro gemeint, die wir alle in der Finanzkrise verloren haben (also diejenigen, die noch was zu verlieren haben und hatten). Es geht auch darum, wie extrem anfällig unsere Wirtschaft geworden ist gegenüber den aberwitzigen Launen der Weltwirtschaft. Kein Wunder bei einem Exportanteil von 52 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Wobei… Sollen wir es wirklich eine Laune nennen, was gerade in China passiert. Die Führung in Peking versucht doch tatsächlich ihre Binnenwirtschaft zu stärken….

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Uuups, haben wir denn schon Exportdefizit – mit dem Euroland? – 2. Update

Tun wir so, als würden die gleich zu behandelnden Destatis-Zahlen fehlerfrei sein. Denn wir wollen die folgende Grafik nicht einfach so in den Papierkorb werfen. Im Gegenteil, sie könnte sogar sehr aufschlussreich sein… Natürlich haben in Mai saisonale Besonderheiten alle Konjunkturdaten etwas nach unten verzerrt. Es gab immerhin weniger Arbeitstage als sonst in einem Mai. Aber dieses Ereignis ist schon erwähnenswert: So etwas gab es vorher nur in einem Monat seit der deutschen Einheit. Dass wir Deutschen mehr Waren aus der Euro-Zone einführen als wie dorthin ausführen. Jetzt haben wir also Exportdefizit mit dem Euroland. Im Dezember 1992 waren es aber nur minus 0,1 Mrd. Euro. Jetzt, im Mai 2013, sind es  schon minus 2,3 Mrd. Euro. Allerdings nach einem Plus von 4,9 Mrd. Euro einen Monat zuvor. Egal, wir gehen weiterhin davon aus, dass diese Zahlen stimmen könnten. Klar ist auch, dass selbst ohne die saisonalen Sonderfaktoren es nicht…

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Weidmann tanzt den Brüderle-Tango

Es ist nicht das erste Mal, dass Jens Weidmann den Franzosen die Welt erklärt. Die Welt der Reformen und was sie, die Franzosen, alles besser machen sollen. Jetzt ist er nach Frankreich gefahren und hat eine Rede auf der Ökonomenkonferenz des Cercle des économistes in Aix-en-Provence gehalten. Bevor wir uns aber seinen Redetext anschauen, erinnern wir uns kurz an die Kölner Rede des Bundesbankchefs aus dem Jahr 2011. Es ist nicht das erste Mal, dass Jens Weidmann den Franzosen die Welt erklärt. Die Welt der Reformen und was sie, die Franzosen, alles besser machen sollen. Jetzt ist er…

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Das (Kredit)-Zinsdesaster Eurolands wird noch schlimmer

Wenn Mario Draghi heute vor die Presse tritt, wird er keine schönen Nachrichten präsentieren. Die Zinsen für Unternehmen im Euroland (im Kreditneugeschäft) gehen mittlerweile noch stärker auseinander als bereits in den ersten Monaten des Jahres. Das geht aus der neuesten Zinsstatistik der EZB hervor. Dass der Handlungsbedarf akut ist, sollte so langsam jedem klar sein. Egal ob bei Währungshütern oder Politikern… Das sind alles keine guten Vorzeichen für die weitere konjunkturelle Entwicklung des Eurolands und auch Mittel- und Osteuropas. Vielleicht sollte die EZB (und vor allem die Bundesbank) doch über ihren Schatten springen und endlich etwas tun, aber warten wir ab, was Draghi nachher zu sagen hat. Zur Erinnerung: Wie die EZB das Auseinanderdriften der Kreditzinsen misst, dazu siehe hier im Blog. Notenbanker schauen dabei auf etwas, was erst einmal schrecklich technisch klingt: den Variationskoeffizienten (das ist die Standardabweichung der Zinsen dividiert durch deren Mittelwert). Wenn Mario Draghi heute vor…

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Österreichs bittere Bilanzrezession

Schauen wir uns die stagnierende Wirtschaft Österreichs an und sofort kommt uns Richard Koo und seine Bilanzrezession in den Sinn. Ja auch die Alpenrepublik hatte in den Jahren vor der Finanzkrise ihren Kreditboom. Hier waren es Immobilien und viel versprechende Projekte in Osteuropa. Nicht wenige Unternehmen ließen sich deswegen hinreißen. Einen Kredit nach dem anderen nahmen sie auf. Sehr oft und gerne in Yen oder Schweizer Franken. Das war der klassische Carry Trade, bei dem Kreditnehmer sich in niedrig verzinsten Währungen verschulden, um das geliehene Geld in höher verzinsten Regionen der Welt anzulegen. Nun ist es aber so eine Sache mit den Schulden des Privatsektors. Werden sie einmal zu groß, kommt Unternehmen und Haushalte an einen kritischen Punkt. Von da an geht nichts mehr. Wie jetzt bei den Österreichern. Selbst in lukrative Projekte legen sie kein Geld mehr an, weil der Schuldendienst einfach zu hoch ist, erzählte mir ein Forscher…

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Auch Ausländer machen einen Bogen um Deutschland oder Die Schockwellen der Austerität

Der World Investment Report der UN-Welthandels- und Entwicklungskonferenz Unctad zeichnet ein düsteres Bild. Überall auf der Welt sinken die Auslandsinvestitionen von Unternehmen (außer in Afrika). Besonders krass sehen wir das in den Industrieländern und hier vor allem im Euroland. Die Verflechtungen zwischen den Volkswirtschaften im Euro-Raum sind bekanntermaßen sehr stark ausgeprägt. Und so reißt ein Euro-Land das andere auch bei den grenzüberschreitenden Direktinvestitionen mit nach unten. Sehr markant fällt Deutschland auf. Hierher kamen 2012 nur noch 6,6 Mrd. Dollar an Direktinvestitionen aus dem Ausland. Das sind gerade einmal knapp mehr als nach Österreich flossen. Beim Nachbarn waren es nämlich auch nur noch 6,3 Mrd. Dollar. Gemessen an der Wirtschaftsleistung – also dem BIP – brach der Investitionsstrom nach Deutschland allerdings von 7,5 auf 1,1 Prozent ein. (Alles brutto gerechnet.) Das Handelsblatt zitiert den Unctad-Experten Jörg Weber: „So sei ein Großteil des Rückgangs auf Sondereinflüsse zurückzuführen: Zum einen seien viele Tochterfirmen…

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