Wer wird das nächste Opfer unserer Geldflut? #WWDNOUG

In einem aktuellen Kommentar hat Daniel Gros bereits darauf hingewiesen. Die amerikanischen Sparer können gar nicht für die globale Geldflut der vergangenen Jahre verantwortlich gemacht werden. (Für unser Börsenmilchmädchen Anja Kohl von der ARD wird diese Neuigkeit sicherlich ein Schock sein.) Die US-Notenbank kann soviel Reservegeld schaffen und die US-Banken damit zuschütten, wie sie will. Am Ende haben die Amerikaner – also die gesamte Volkswirtschaft der USA – seit 2009 immer noch Jahr für Jahr mehr Kredit im Ausland aufgenommen. Gemessen an der Leistungsbilanz sind zwischen 2009 und 2013 netto rund 2240 Mrd. Dollar in die USA geflossen. Nächstes Jahr werden es nach IWF-Prognose noch einmal 500 Mrd. Dollar mehr. Die Quelle für die globale Geldflut muss also woanders zu finden sein, sagt Daniel Gros. Sie kann nur in Europa liegen. Italien und Spanien sammeln bereits fleißig Leistungsbilanzüberschüsse – nachdem dort die Binnennachfrage (und somit auch die Importnachfrage) eingebrochen ist….

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Herr Jakobs stellt das Nachdenken ein

Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur des Handelsblatts, hat am Montag einen Essay über Gerechtigkeit in seiner Zeitung veröffentlicht. Nennen wir es ruhig einmal einen interessanten Essay. Er ist nicht deswegen interessant, weil sich der Kollege klar im Wahlkampf positioniert – das ist in diesen Wochen eher normal. Doch lesen wir etwas: „Die Bundesrepublik ist nicht so ungerecht, wie sie Peer Steinbrück machen will, der „rechte“ Sozialdemokrat von einst, der sich vom Wirtschaftsfachmann zum Gerechtigkeitskämpfer mit Lasalle’schem Impetus wandelte. Die Republik ist nicht so fehlgesteuert, wie sie Jürgen Trittin darstellt – mit einem angeblichen Überhang an Reichtum bei ganz wenigen, denen unbedingt per Dreifachangriff bei den Steuern beigekommen werden muss, um die Einnahmen dann an die Armen zu verteilen. Die Republik weist vielmehr – durch die verbesserte Beschäftigungslage – eine gleichmäßigere Einkommensverteilung auf als noch vor fünf Jahren.“ Der letzte Satz macht diesen Text so interessant. Eine verbesserte Beschäftigungslage habe also zu einer…

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Streit ums OMT-Programm – Wollen wir wirklich Chinas Staatskapitalismus kopieren? (Teil III – Planungsphantasien wie aus dem Politbüro)

Im zweiten Teil dieser Serie wurde hoffentlich klar, dass ohne das OMT-Programm die wichtigste Aufgabe der EZB – stabile Preise zu garantieren – keinen Sinn ergibt: Einem Land (und auch den Marktteilnehmern) stellt sich doch die Frage, was es überhaupt noch in dieser Währungsunion soll? Warum soll es im Euro bleiben, wenn ein solventes Land in einem Währungsverbund nicht vor dem Ausbluten geschützt werden kann? Stabile Preise hin oder her, und über die Unabhängigkeit der Notenbank braucht wir erst gar nicht reden. Die EZB muss leider auf Instrumente zurückgreifen, die eher an die Zeit vor der Währungsunion erinnern. Der Grund liegt darin, dass der Euro-Raum als Währungskonstrukt im Vergleich zur USA vorerst noch unterentwickelt bleibt, wie im ersten Teil und zweiten Teil dieser Serie klar wurde. Genau mit dem OMT-Programm schützt die Euro-Notenbank aber solvente Länder vor einer nie enden wollenden Kapitalflucht und schafft somit die Basis dafür, auch dort…

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Streit ums OMT-Programm – Wollen wir wirklich Chinas Staatskapitalismus kopieren? (Teil II – Was kritisieren denn eigentlich die Deutschen?)

Im ersten Teil dieser Serie über die DIW-Konferenz wurde bereits deutlich, wie Anleihekäufe praktisch zum normalen Geschäft von Notenbanken gehören. Nun muss die EZB natürlich nicht all das tun, was bei allen anderen Notenbanken der Welt zum täglichen Geschäft gehört – das ist klar. Dies allein wäre ein sehr schwaches Pro-Argument für das OMT-Programm. Wie wir aber noch sehen werden, ist es im Großen und Ganzen und wie von Bini Smaghi skizziert genau das richtige Programm, um die Euro-Zone in ihrem halbgaren Zustand zusammen zu halten. Doch zunächst bleibt noch die Frage, was sie eigentlich kritisieren – die oftmals eher konservativen Ökonomen in Deutschland, die Bundesbank und Herr Issing? Im ersten Teil dieser Serie über die DIW-Konferenz wurde bereits deutlich, wie Anleihekäufe praktisch zum normalen Geschäft von Notenbanken gehören. Nun muss die EZB natürlich nicht all das tun, was…

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Europa? So wie in Europapokal?

Es scheint, als ob uns Deutschen alles wichtiger ist als die ökonomische Katastrophe im Süden Eurolands: Champions League oder Europameisterschaft im Fußball – alles ist wichtiger als der Absturz Spaniens, Griechenlands oder Zyperns. Ja, das sei schon sehr bedauerlich und auch recht schmerzvoll, heißt es dann oft von unserer Regierung oder unserer Bundesbank. Doch die Krisenländer müssen eben büßen für die Verfehlungen der vergangenen Jahre. Es ginge halt nicht anders. Woran könnte das wohl liegen? Warum bleiben viele unserer Politiker so ungerührt bei der Tragödie, die sich vor unserer Haustür abspielt? Vielleicht sollten wir dorthin schauen, wo einige unserer Großkonzerne mittlerweile sehr viel Geld verdienen: nach China. Vor wenigen Wochen hatte ich es bereits über einen Umweg versucht, der zugegeben eher eine Vermutung war. Doch mittlerweile hat das Handelblatt zusammen mit der Unternehmensberatung EAC International Consulting Anfang August die Umsatzzahlen der 30 DAX-Konzerne in China aus dem vergangenen Jahr veröffentlicht:…

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Streit ums OMT-Programm – Wollen wir wirklich Chinas Staatskapitalismus kopieren? (Teil I – Ein starkes Pro-Argument von Lorenzo Bini Smaghi)

Das beste Argument für unbegrenzte Anleihekäufe (auch bekannt als OMT-Programm) der EZB kam vom Lorenzo Bini Smaghi. Der Italiener saß vom 1. Juni 2005 bis 31. Dezember 2011 im Direktorium der Euro-Notenbank. Am Montag saß er auf dem Podium dieser Konferenz in Berlin. (Hier das Twitter-Protokoll zum Nachlesen) Der Ex-Währungshüter trug in meinen Augen das beste Pro-Argument gegen die Kritiker wie Otmar Issing oder Bundesbank-Chefvolkswirt Jens Ulbrich vor. Bini Smaghis Argumentation ist einfach und doch sehr einleuchtend – sie geht so: Das beste Argument für unbegrenzte Anleihekäufe (auch bekannt als OMT-Programm) der EZB kam vom Lorenzo Bini Smaghi. Der Italiener saß vom 1. Juni 2005 bis 31. Dezember 2011 im Direktorium…

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Die Schwalbe und der Sommer (Teil 1 – Die Binnennachfrage)

Gut, es ist Wahlkampf. Da kann man schon einmal Sachen durcheinanderbringen. Alles nicht weiter schlimm. Morgen haben wir eh schon wieder vergessen, was unser Wirtschaftsminister den lieben langen Tag rumerzählt. So wie das, was er am Mittwoch gesagt hat: „Das Wirtschaftswachstum in Deutschland gewinnt derzeit neuen Schwung. Damit tragen wir dazu bei, dass nun auch der Euroraum insgesamt aus der eineinhalb Jahre dauernden Rezession herauskommt. Das Wachstum der deutschen Wirtschaft wird immer stärker von der Binnennachfrage getragen.“ Wir stoppen hier, aus der Pressemitteilung der Bundesregierung zu zitieren. Wer jetzt schon weiterlesen möchte – hier geht’s lang. Wir kommen gleich noch einmal darauf zurück. Schauen wir uns stattdessen die Zahlen des deutschen Bruttoinlandsprodukts etwas genauer an. Das ist wegen ein paar Sondereffekten im Frühjahr wieder gestiegen, nachdem es im Winter noch stagniert war. Der Winter war aber sehr, sehr, sehr kalt und viele Bauarbeiter mussten ihre Arbeiten deswegen auf das Frühjahr…

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Meine Stimme aus Wien: Es wird sehr viel Blut fließen

Morgen erscheint im WirtschaftsBlatt aus Wien ein Leitartikel – von mir geschrieben – und nach dem Cartoon geht’s los: Cartoon mit freundlicher Genehmigung von OL (http://webseite.ol-cartoon.de) Die kriegerische Eskalation in Syrien kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Nicht genug, dass fast alle wichtigen Schwellenländer mit Kapitalabflüssen und Währungskrisen kämpfen. Die militärischen Drohungen aus Washington verschärfen bereits die Turbulenzen: Die Ölpreise schießen nach oben und die Aktienkurse gehen in den Keller. Auch Europa wird die Schockwellen spüren. Morgen erscheint im WirtschaftsBlatt aus Wien ein Leitartikel – von mir geschrieben – und nach dem Cartoon geht’s los: Cartoon mit freundlicher Genehmigung von OL (http://webseite.ol-cartoon.de) Die kriegerische Eskalation in…

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Es drohen neue Fiskalschocks!

Eine zwiespältige Stimmung ist zuletzt aufgekommen im Euroland – zumindest aus konjunktureller Sicht. In den großen Euro-Ländern schrumpft die Wirtschaftleistung zwar noch. Zugleich scheint es aber so, als würden sich die Krisenländer langsam an eine Wachstumswende heranschleichen: In Italien lag das Minus nur noch bei minus 0,2 Prozent und in Spanien waren es sogar nur noch minus 0,1 Prozent im Frühjahr. Die aufgehellten Krisenzahlen des Frühjahrs zeigen zwar eins: Die Regierungen kürzten ihre Ausgaben weniger rabiat und sie erhöhten weniger harsch ihr Einnahmen. Und schon stellte der moderate „Sparkurs“ die Weichen dafür, dass es bald wieder aufwärts gehen könnte. Doch was auf den ersten Blick erfreulich stimmt, dürfte bald schon wieder verfliegen. Denn im Herbst droht eine neue Austeritätswelle. Wie wir gleich sehen werden, haben sich die Regierungen in Madrid und Rom offensichtlich bewusst über die Vorgaben aus Brüssel hinwegsetzt. Wahrscheinlich nur deswegen konnten überhaupt die ersten vorsichtigen Hoffnungsschimmer aufkommen….

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Wo bleibt nur der spanische Schlendrian, nachdem die EZB und Frau Merkel die Austeritätspolitik beendet haben?

Die Austeritätspolitik war bitter für Spanien, sie war aber nie das größte Problem. Es war schon schlimm als die Regierung in Madrid Mitte 2011 anfing, rabiat Ausgaben zu streichen und Einnahmen zu erhöhen (die Betonung liegt auf „rabiat“ – alles andere ist keine Austerität!): Die Arbeitslosenquote war zuvor von gut 8 Prozent Mitte 2007 – dem Beginn der Finanzkrise – auf 21 Prozent hochgeschnellt. Die geplatzte Immobilienblase hat Privathaushalte, aber vor allem Unternehmen überschuldet zurückgelassen. Ein Desaster, das keinen Deutschen zu Übermut verleiten sollte. Denn wir waren es, die diesen Boom zuvor finanziert haben – auch wir Kleinsparer. Die wenigsten Deutschen waren sich der historischen Verantwortung für die spanische Katastrophe bewusst. Und so haben wir mit dazu beigetragen, dass alles noch viel schlimmer wird. Irgendwann werden Ökonomen die Wirkung der Austerität genauer untersuchen. Wahrscheinlich werden sie dann feststellen, dass genau diese Politik die Arbeitslosigkeit noch einmal um mehr als 5…

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