Anatomie einer angekündigten Katastrophe (Teil 3): Amerika ist reif für die nächste Rezession (Anleiherätsel 2.0)

Voriges Wochenende versuchte der Chefökonom einer amerikanischen Großbank, eine Nuss zu knacken. In seinem Wochenausblick fragte er sich, warum die Verzinsung von Staatsanleihen aus den USA und Deutschland seit Anfang des Jahres so stark gesunken sei. Erst wenige Tage zuvor hatte sich die deutsche Bundesregierung ein paar Milliarden für rekordniedrige 1,2 Prozent für zehn Jahre von Investoren geliehen. Schnell wurden Erinnerungen wach an das Jahr 2005. Auch damals suchte US-Notenbankchef Alan Greenspan nach einer Erklärung: Die Anleihenverzinsung wollte einfach nicht steigen, obwohl die US-Notenbanker längst den Leitzins mehrmals erhöht hatten. Doch nichts passierte bei den langfristigen Zinsen am Markt, also den Anleihenrenditen. Auch heute noch versuchen Ökonomen das damalige „Bond Yield Conundrum“ („Anleihe-Rendite-Rätsel“) aufzuklären. Und heute also das „Bond Conundrum 2.0“? Geopolitische Risiken konnten dem Chefökonomen immer nur kurzfristig die Marktentwicklung erklären, auch aus den Inflationserwartungen ließe sich nichts ablesen, was die niedrigen Zinsen erkläre. Am Ende blieb dem Mann…

Read More

Anatomie einer angekündigten Katastrophe (Teil 2): Die nächste Krise kommt immer!

Im vorigen Teil dieser kleinen Serie haben wir gesehen, was in Euroland derzeit einzig und alleine wächst. Es ist unsere Kreditvergabe an das Ausland. Fremde Volkswirtschaften finanzieren damit einen Teil ihrer Investitionen und des Konsums – vor allem die Amerikaner könnten sich dafür bedanken, weil es dort auch mit deutscher Hilfe jetzt mühsam aber immerhin noch aufwärtsgeht. Bei uns im Euroland aber wird immer weniger unseres Einkommens ausgegeben für neue Arbeitsplätze, Maschinen, Gebäude und Geräte. Selbst abgenutztes Kapital wird mittlerweile weniger ersetzt – im Vergleich zum Einkommen vernichten wir damit Kapitalstock. (Man beachte bitte das Update zur Grafik im vorigen Beitrag, wo die Abschreibung zunächst falsch eingezeichnet waren). Damit könnten wir natürlich gerade die Grundlage legen für einen gewaltigen Investitionsboom in Europa – aber der kommt erst nach der absehbaren Katastrophe. Was dann zu vergleichen wäre mit dem Wiederaufbau nach einem Krieg. Zunächst gilt es aber, diese Katastrophe zu verhindern….

Read More

Meine Stimme aus Wien: Das Imperium schlägt zurück

Ein Leitartikel aus dem Wirtschaftsblatt vom 18. Juli 2014 Wer gehofft hatte, nach der Präsidentenwahl würde in der Ukraine endlich Ruhe einkehren, wurde enttäuscht. Jeden Tag sterben noch immer Menschen in den Kämpfen – tragisch ist jeder Tote, egal, welche Sprache er gesprochen hat. Und für Geschäftsleute aus Österreich wird es immer schwieriger zu erkennen, wie die Großmächte im Hintergrund die Fäden ziehen. Dies gilt auch für Journalisten, die sich aus nah und fern ein Bild machen wollen. Ein Leitartikel aus dem Wirtschaftsblatt vom 18. Juli 2014 Wer gehofft hatte, nach der Präsidentenwahl würde in der Ukraine endlich Ruhe einkehren, wurde enttäuscht. Jeden Tag sterben noch immer Menschen…

Read More

Anatomie einer angekündigten Katastrophe (Teil 1): Alles läuft in die falsche Richtung

Die Minierholung in Europa steht auf der Kippe. Für Heiner Flassbeck ist klar, die jüngsten Konjunkturdaten sind, „ohne jede Übertreibung, eine Katastrophe“. Liest man dagegen die neuesten Reports der Bankvolkswirte, herrscht ein anderer Tenor vor. Ja, es schwächt sich gerade ab, heißt es da (auch wenn man alle Sondereinflüsse beachtet, die nur vorübergehend die Industrie nach unten ziehen). Schon bald soll es aber weitergehen mit dem angeblichen Aufschwung. So sagen sie: Die USA, China und die EZB werden Europa schon wieder etwas nach oben pushen. Vielleicht wollen die Ökonomen bei ihren Kunden nur keine Panik schüren, wenn doch irgendwo Hoffnung besteht, dass die Euro-Wirtschaft noch den Dreh finden kann und weiter so dahin dümpeln darf wie bisher. Wie wir aber gleich sehen werden, sind die Hoffnungen doch sehr vage und könnten, wenn sie sich erfüllen sollten, früher oder später ebenfalls in eine Katastrophe münden. Schier unbegreiflich bleibt nur, warum den…

Read More

Die Einschläge kommen näher: Alarmsignale für die Konjunktur – Update („Es ist eine Katastrophe“)

Dieser Beitrag basiert auf einem Leitartikel im WirtschaftsBlatt vom 8. Juli 2014. Und wieder einmal erleben wir das wundersame Phänomen, dass die deutsche Wirtschaftspresse schlechte Konjunkturmeldungen am liebsten ganz weit hinten versteckt. Am besten so, dass sie bloß keinem Leser auffallen. Gerade in dieser Woche war dies sehr schön in der FAZ zu beobachten. (Vielleicht erinnert sich noch jemand an die lachsrosa Ausnahme namens FTD…) Wahrscheinlich fürchten sie in den Redaktionsstuben, dass die Unternehmenslenker sich mehr von der Stimmung in den Gazetten als von der eigenen Auftragslage anstecken lassen – so genau weiß man das ja nicht. Die neuesten Konjunkturmeldungen aus Deutschland sind jedenfalls ein schlechtes Omen für die europäische Wirtschaft. Die deutschen Industriebetriebe bekommen immer weniger Bestellungen herein. Seit März schrumpft die Produktion – insgesamt bereits um zwei Prozent. Pessimistische Volkswirte rechnen damit, dass im Frühjahrsquartal die Wirtschaftsleistung gerade noch so stagniert sei. Sollten sich die Konjunkturdaten im Juni…

Read More

Der perfekte Plan, wie der Bund alle Sparer befriedigen sollte

Foto: Flickr/ manoftaste.de / (CC BY 2.0) Achtung liebe Sparer, der Bund will nächstes Jahr tatsächlich keine Schulden mehr machen. Und das sollte Euch echt nicht freuen. Denn wer keine neuen Schulden macht, der zahlt auch weniger Zinsen. Und wer weniger Zinsen zahlt, lässt die Versicherungen und Banken aushungern, die Euer hart Erspartes einsammeln und die doch so gerne dem deutschen Staat Geld pumpen würden. Dabei könnte unsere Regierung nächstes Jahr einfach mal so, sagen wir, 42 Milliarden Euro neue Schulden machen – ohne dass es weh tun würde. Angenommen der Bund bekommt von Versicherungen und Banken Kredit, den er erst nach zehn Jahren zurückzahlen muss. Jedes Jahr würde der Staat den Versicherungen und Banken Zinsen zahlen, die sie natürlich gerne mit Euch teilen oder so ähnlich. Könnte Berlin sich diese 42 Milliarden Euro heute in einer Summe leihen, würden unsere künftigen Regierungen dafür zum Beispiel nur rund 1,3 Prozent…

Read More

Glosse: Wie Joseph B. die Krim zurückholt

Aus dem WirtschaftsBlatt vom 13. Juni 2014: Foto: Flickr/Abode of Chaos/(CC BY 2.0) Zu Lachen haben die Halbinselbewohner auf der Krim kaum noch etwas. Die neuen Rubel-Löhne sind zwar wie versprochen gestiegen, dafür ziehen längst schon die Preise kräftig an. Lokale Unternehmer beschweren sich auch bitterlich über die Konkurrenten aus dem neuen „Mutterland“. Wir Außenstehende können uns da nur noch wundern, weshalb in der Ostukraine schwer bewaffnete Männer ihr Leben für so ein Schicksal riskieren. Weder „Putin-Versteher“ noch „Putin-Hasser“ auf der ganzen Welt haben bisher aber eine Lösung gefunden, wie sie dem russischen Bären die Krim wieder abluchsen können. Doch pünktlich zum Beginn der Weltmeisterschaft in Brasilien kommt jetzt der Weltfußballverband ins Spiel. Der perfekte Plan Überraschend hat die Fifa den perfekten Hebel gefunden, um Moskau unter Druck zu setzen: Fifa-Chef Joseph Blatter torpediert einfach die Pläne in Moskau, wonach die Klubmannschaften der Krim dem russischen Verband einverleibt werden sollen….

Read More

Washington und Berlin dealen mit Moskau – vielleicht!

Die Lage im Osten der Ukraine bleibt auch nach der Wahl Poroschenkos unübersichtlich. Berichte über Tschetschenen machten vergangene Woche die Runde. Es blieb allerdings unklar, ob sie nun wirklich auf Befehl Ramsan Kadyrows dort waren. Der meinte jedenfalls, er wüsste nur von 14 Männern, die sich freiwillig in die Ukraine begeben hätten. Was man jetzt glauben kann, oder auch nicht. Somit bleibt auch unklar, wie viele frische Kämpfer von russischer Seite der Grenze in den Osten geströmt sind: im Auftrag des Kreml, von russischen Nationalisten oder von Janukwitschs Familie finanziert. Gleichwohl könnte die Führung in Kiew tatsächlich versuchen, bis Mitte Juni ihre „Anti-Terror-Operation“ entscheidend voran zu treiben, wie es Oleg Zarjow behauptet. (Hier das Original auf Facebook und auch die staatliche russische Nachrichtenagentur „Ria Nowosti“ beruft sich einmal mehr auf Quellen in Kiew.) Dann könnte der neue Präsident kommen und seine Hände in Unschuld waschen, so die Interpretation Zarjows. Der…

Read More

Putin fürchtet die Geister, die er im Donbass nicht mehr los wird

Bei der „Süddeutschen Zeitung“ glauben einige Leute, Wladimir Putin habe kurz vor den Wahlen in der Ukraine nur einen taktischen Rückzug angetreten. Die Drohung der EU mit heftigen Wirtschaftssanktionen – sie hätte den russischen Präsidenten wohl beeindruckt. Doch an seiner Strategie werde er weiterhin festhalten. Und die soll besagen, dass sich die Ukraine nie und nimmer an die EU annähern darf. Im FAZ-Leitartikel heißt es heute: „Wenn wieder Frieden einkehren soll, muss der Westen daher den Druck auf Moskau aufrechterhalten.“ Die deutschen Beobachter könnten komplett daneben liegen. Auf der Kreml-kritischen Nachrichtenseite Slon.ru haben sie eine interessante Beobachtung gemacht. Dort schreibt der ehemalige Diplomat und heutige Journalist Alexander Baunow (Baunov): Seit Tagen schon – konkret seit dem Petersburger Forum am Wochenende – redet Putin nicht mehr von Faschisten oder der Junta in Kiew. Auch der Begriff „Новороссия“ („Neurussland“ für die südlichen und östlichen Regionen der Ukraine) oder die Einheit des russischen…

Read More

Meine Stimme aus Wien: Kiew muss auf den Osten eingehen

Mein Leitartikel aus dem Wirtschaftsblatt vom 27. Mai 2014: „Frieden ist nur möglich, wenn die Ukraine niemals der Nato beitritt“ Der voraussichtlich neue Präsident der Ukraine behauptet von sich, er sei kein Oligarch. Petro Poroschenko strebt das höchste Amt im Staat an – aber nicht, damit seine Geschäfte besser laufen, sagte er vor den Wahlen. Nachdem am Sonntag klar wurde, wer das Land die nächsten fünf Jahre führen wird, kündigte er umgehend an: Er werde so schnell wie möglich seine Unternehmungen verkaufen. „Nur“ seinen einflussreichen Fernsehkanal, den will er behalten. Doch kann der Milliardär das Land in eine friedliche Zukunft führen, ohne sich mit den Oligarchen abzustimmen? Schon die jetzige Regierung, deren Chef bis zu vorgezogenen Parlamentswahlen wohl im Amt bleibt, vertraute steinreichen Geschäftsleuten. Was in Dnjepropetrowsk leidlich klappte, ging im Donbass jedoch gründlich schief. Die östlichen Regionen kommen nicht zur Ruhe, und das Land driftet auseinander – maßgeblich gesteuert…

Read More
%d Bloggern gefällt das: