Glosse: Wie Joseph B. die Krim zurückholt

Aus dem WirtschaftsBlatt vom 13. Juni 2014: Foto: Flickr/Abode of Chaos/(CC BY 2.0) Zu Lachen haben die Halbinselbewohner auf der Krim kaum noch etwas. Die neuen Rubel-Löhne sind zwar wie versprochen gestiegen, dafür ziehen längst schon die Preise kräftig an. Lokale Unternehmer beschweren sich auch bitterlich über die Konkurrenten aus dem neuen „Mutterland“. Wir Außenstehende können uns da nur noch wundern, weshalb in der Ostukraine schwer bewaffnete Männer ihr Leben für so ein Schicksal riskieren. Weder „Putin-Versteher“ noch „Putin-Hasser“ auf der ganzen Welt haben bisher aber eine Lösung gefunden, wie sie dem russischen Bären die Krim wieder abluchsen können. Doch pünktlich zum Beginn der Weltmeisterschaft in Brasilien kommt jetzt der Weltfußballverband ins Spiel. Der perfekte Plan Überraschend hat die Fifa den perfekten Hebel gefunden, um Moskau unter Druck zu setzen: Fifa-Chef Joseph Blatter torpediert einfach die Pläne in Moskau, wonach die Klubmannschaften der Krim dem russischen Verband einverleibt werden sollen. Dann ist es nur noch eine...

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Washington und Berlin dealen mit Moskau – vielleicht!

Die Lage im Osten der Ukraine bleibt auch nach der Wahl Poroschenkos unübersichtlich. Berichte über Tschetschenen machten vergangene Woche die Runde. Es blieb allerdings unklar, ob sie nun wirklich auf Befehl Ramsan Kadyrows dort waren. Der meinte jedenfalls, er wüsste nur von 14 Männern, die sich freiwillig in die Ukraine begeben hätten. Was man jetzt glauben kann, oder auch nicht. Somit bleibt auch unklar, wie viele frische Kämpfer von russischer Seite der Grenze in den Osten geströmt sind: im Auftrag des Kreml, von russischen Nationalisten oder von Janukwitschs Familie finanziert. Gleichwohl könnte die Führung in Kiew tatsächlich versuchen, bis Mitte Juni ihre „Anti-Terror-Operation“ entscheidend voran zu treiben, wie es Oleg Zarjow behauptet. (Hier das Original auf Facebook und auch die staatliche russische Nachrichtenagentur "Ria Nowosti" beruft sich einmal mehr auf Quellen in Kiew.) Dann könnte der neue Präsident kommen und seine Hände in Unschuld waschen, so die Interpretation Zarjows. Der Abgeordnete, ein...

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Putin fürchtet die Geister, die er im Donbass nicht mehr los wird

Bei der „Süddeutschen Zeitung“ glauben einige Leute, Wladimir Putin habe kurz vor den Wahlen in der Ukraine nur einen taktischen Rückzug angetreten. Die Drohung der EU mit heftigen Wirtschaftssanktionen – sie hätte den russischen Präsidenten wohl beeindruckt. Doch an seiner Strategie werde er weiterhin festhalten. Und die soll besagen, dass sich die Ukraine nie und nimmer an die EU annähern darf. Im FAZ-Leitartikel heißt es heute: „Wenn wieder Frieden einkehren soll, muss der Westen daher den Druck auf Moskau aufrechterhalten.“ Die deutschen Beobachter könnten komplett daneben liegen. Auf der Kreml-kritischen Nachrichtenseite Slon.ru haben sie eine interessante Beobachtung gemacht. Dort schreibt der ehemalige Diplomat und heutige Journalist Alexander Baunow (Baunov): Seit Tagen schon – konkret seit dem Petersburger Forum am Wochenende - redet Putin nicht mehr von Faschisten oder der Junta in Kiew. Auch der Begriff „Новороссия“ („Neurussland“ für die südlichen und östlichen Regionen der Ukraine) oder die Einheit des russischen Volkes taucht...

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Meine Stimme aus Wien: Kiew muss auf den Osten eingehen

Mein Leitartikel aus dem Wirtschaftsblatt vom 27. Mai 2014: „Frieden ist nur möglich, wenn die Ukraine niemals der Nato beitritt“ Der voraussichtlich neue Präsident der Ukraine behauptet von sich, er sei kein Oligarch. Petro Poroschenko strebt das höchste Amt im Staat an – aber nicht, damit seine Geschäfte besser laufen, sagte er vor den Wahlen. Nachdem am Sonntag klar wurde, wer das Land die nächsten fünf Jahre führen wird, kündigte er umgehend an: Er werde so schnell wie möglich seine Unternehmungen verkaufen. „Nur“ seinen einflussreichen Fernsehkanal, den will er behalten. Doch kann der Milliardär das Land in eine friedliche Zukunft führen, ohne sich mit den Oligarchen abzustimmen? Schon die jetzige Regierung, deren Chef bis zu vorgezogenen Parlamentswahlen wohl im Amt bleibt, vertraute steinreichen Geschäftsleuten. Was in Dnjepropetrowsk leidlich klappte, ging im Donbass jedoch gründlich schief. Die östlichen Regionen kommen nicht zur Ruhe, und das Land driftet auseinander – maßgeblich gesteuert von der anderen...

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Noch mehr Hoffnung: Ein deutsches Hilfsprogramm für den Donbass – 2. Update

Wie hier seit Wochen beschrieben, wird die Ukraine mit der jetzigen Führung wohl niemals Frieden finden. Schauen wir jedoch auf den aussichtsreichsten Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen am Sonntag, dann könnte doch so etwas wie Hoffnung aufkeimen. Zum Glück. Etwas Zuversicht verbreitet sich zum Beispiel, wenn wir uns das sehr lesenswerte Porträt des Kandidaten Petro Poroschenko durchlesen, das Konrad Schuller für die FAZ am Dienstag aufgeschrieben hat. So richtig spannend wird es fast am Ende des sehr langen Artikels. Bei seinen Wahlkampfauftritten lasse der Mann natürlich keinen Zweifel über die proeuropäische Richtung seines Landes, schreibt Schuller. Auch im Kampf für die Einheit der Ukraine sei kein Kompromiss möglich. Dies sind allerdings Punkte, wo die Ukraine mit Russland höchstwahrscheinlich eine Lösung finden wird - wenn Moskau irgendwann seine Propagandamaschine wieder herunterfahren sollte. (Nennt mich naiv, aber ich kann in der von Moskau vorgelegten Roadmap vom 17. März keine Aggression oder irgendeinen Neoimperialismus Russlands erkennen...

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Der Anfang vom Ende des Ukraine-Konflikts? Achmetow: „For Donbass Without Weapons! For Donbass Without Masks!“

Um hier auch mal wieder die Kurve kriegen, weil ich ja eigentlich vor allem über Wirtschaft schreibe: Seit Ende vergangener Woche hört man von Bankern in London eine hochinteressante Einschätzung. Sie beruht auf Gesprächen von Investoren mit ranghohen US-Diplomaten. Und die geht so: Russland habe der Welt deutlich gezeigt, wozu es in der Lage ist und Putin gibt jetzt endlich langsam nach. Der wahrscheinliche Sieger der Präsidentschaftswahlen, Petro Poroschenko, werde sich schon irgendwie mit Russland einigen können. Obama wiederum komme stärker und als diplomatischer Sieger aus dem Konflikt hervor - wenige Monate vor den Zwischenwahlen im US Kongress. Bestens für ihn, will er doch den Konflikt so schnell wie möglich beenden...

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Kiew und Washington verarschen Berlin – es wird Zeit für Plan B

Es ist noch genau eine Woche bis zu den Präsidentschaftswahlen in der Ukraine. Doch wieweit können wir Russland dafür verantwortlich machen, dass diese Wahlen eigentlich so nicht stattfinden können – nach heutigem Stand? Da gibt es mindestens vier gravierende Probleme, die wir Moskau kein bisschen in die Schuhe schieben können: Das Kiewer Parlament hat noch immer kein Amnestiegesetz beschlossen. Die Kiewer Übergangsregierung setzt weiterhin seine „Anti-Terror-Operation“ fort. Die Kiewer Führung will nicht mit den politischen Vertretern der Separatisten und Föderalisten reden. Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk kämpft mittlerweile gegen den Oligarchen Rinat Achmetow, der seine Position offen gelegt hat. Eins ist auch wahr: Es gab bisher keinen Aufruf aus Moskau an die militanten Gruppen im Osten und Süden, die Waffen niederzulegen. Doch hier kommen wir zu einem sehr interessanten Zitat, dass die staatliche Nachrichtenagentur „Ria Nowosti“ am Samstag vom Runden Tisch in Charkow aufgeschrieben hat: „Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk bekräftigte ein weiteres Mal die Absicht Kiews, alle...

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Klopft die Betonköpfe weich – die mit dem Blut an den Händen und die anderen auch! (Noch sieht alles nach einer ukrainischen Tragödie aus)

Die Reise der Kanzlerin nach Washington vor zwei Wochen hat ein wichtiges Ergebnis gebracht. Frau Merkel sicherte sich bei Barack Obama ab, dass Deutschland die Rolle der OSZE in der Ukraine-Krise stärken darf. So berichten es jedenfalls Stefan Braun und Stefan Kornelius vor kurzem in der „Süddeutschen Zeitung“ -  beide wurden offensichtlich vom Bundeskanzleramt gebrieft. Das mag auch erklären, warum die Kanzlerin in den Tagen vor ihrem Besuch rhetorisch so konfrontativ unterwegs war. Jetzt sitzt immerhin ein deutscher Vermittler am Runden Tisch der Ukraine. Gleichwohl bleibe ich skeptisch, was die Führung in Kiew angeht und welche destruktive Rolle die Amerikaner dabei spielen – und zwar keinesweg aus kruden antiamerikanischen Reflexen (falls mir dies jemand unterstellen mag). Die Krisenstrategie der Bundesregierung weist seit zwei Wochen öffentlich zumindest wieder in die richtige Richtung: Nur wenige Tage nach ihrem Besuch in Washington deutete Frau Merkel an, dass sie die „Anti-Terror-Operation“ Kiews im Osten der Ukraine kaum...

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Meine Stimme aus Wien: Die Mitschuld des Westens am Ukraine-Konflikt

Aus dem WirtschaftsBlatt vom 5. Mai 2014: Für viele Kommentatoren ist eins völlig klar: Das "neoimperialistische" Russland strebt in der Ukraine äußerst aggressiv danach, die Sowjetunion wieder auferstehen zu lassen. Garniert werden die "Annexion der Krim" und die Destabilisierung der Südostukraine mit "völkischem Nationalismus",wie es so oft heißt. Putin müsse daher unbedingt gestoppt werden. Jedoch spricht einiges dafür, dass diese Sichtweise zu kurz greift. Wir dürfen nicht nur Propaganda und Lügen des Kremls benennen. Wir sollten auch nach Fehlern suchen, die der Westen begangen hat. Angesichts der blutigen Verschärfung mit vielen Todesopfern am Wochenende in Odessa müssen wir alle sehr schnell zur Besinnung kommen. Wackliger EU-Pakt. Mag sein, dass die EU einmal ihre Strategie gegenüber Russland überdenken wird. Natürlich war es naiv zu glauben, dass mit den Milliarden auch die Demokratie in Russland einkehrt. Doch bei der Fehlersuche dürfen wir hier nicht haltmachen. Wer nur selbstgerecht Russlands Bruch des Völkerrechts brandmarkt, leistet keinen...

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Drei Flaggen für ein Halleluja – wir brauchen keine Amerikaner in Kiew (ein ernsthafter Friedensvorschlag aus Brüssel)

Barack Obama macht es sich sehr einfach. Die „Anti-Terror-Operation“ in der Südostukraine rechtfertigt er auf der Pressekonferenz mit Angela Merkel so: „Während die ukrainischen Kräfte versuchen, die Ordnung wiederherzustellen, ist ganz klar, dass die von den Russen unterstützen Gruppen nicht einfach nur Bürger sind, sondern es sind stark militarisierte Gruppen, die von Russland unterstützt werden. Die ukrainische Regierung hat das Recht, Recht und Ordnung auf ihrem Territorium wiederherzustellen. Sie können diese Gruppen also entwaffnen und die Gewalt beenden.“ Die mehr oder weniger plausiblen Beweise für die „grünen Männchen“, die Kiew gesammelt hat, legte die Regierung allerdings schon vor dem Gipfel in Genf vor. Auch ohne diese Beweise dürfte doch wohl jedem klar sein, dass Moskau die Aktivisten moralisch und wohl auch verdeckt unterstützt. Und der Punkt dabei ist: Auf dem Gipfel haben sich alle Seiten dazu verpflichtet ausgehend vom damaligen Status Quo die Lage nicht weiter zu eskalieren. Wer die Regierung...

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