So beginnt nun einmal in der Regel eine Rezession

Für Leser des WirtschaftsBlatts kommt die Diskussion wenig überraschend. In meiner Kolumne (wie auch hier im Blog) warne ich ja schon länger vor der nahenden Rezession in Amerika und den Auswirkungen auf den fragilen Euroraum. Seit wenigen Tagen beherrscht nun das R-Wort auch die Debatte unter Bankökonomen und Investoren. Offen diskutieren sie, ob die Zinserhöhung der US-Notenbank im Dezember 2015 ein Fehler war. Derzeit sind es aber vor allem die Volkswirte in der Finanzbranche, die eher Panik an den Börsen ausmachen, statt Indizien für einen Abwärtstrend in der US-Wirtschaft zu erkennen. Wenn, dann sind es die Schwellenländer, allen voran China, die den Konjunkturausblick trüben. Dabei ignorieren viele beharrlich, dass die chinesische Konjunktur zuletzt zwar schwach geblieben ist, sich in den vergangenen Monaten aber immerhin stabilisierte. Zugleich heißt es dann gern: In Europa wird die Erholung schon noch langsam voranschreiten und der Arbeitsmarkt stützt weiterhin den Privatkonsum der Amerikaner. Dabei leugnet…

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Egal ob Frankfurt-Bockenheim oder Düsseldorf, Hauptsache die private Konsumnachfrage stimmt…

Wer sich dieser Tage die Prognosen für das nächste Jahr anschaut, stößt immer wieder auf schöne Aussagen über die tolle Binnennachfrage, die das Wachstum in Deutschland stützen sollte, womit die Konjunktur weiterhin aufwärtsgerichtet bleibt. So lesen wir bei der Bundesbank aus Frankfurt-Bockenheim folgenden Satz ihres Präsidenten Jens Weidmann: „Treibende Faktoren sind hierbei die günstige Arbeitsmarktlage und die kräftigen Zuwächse der realen verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte.“ Unsere Gewerkschaftsfreunde vom IMK in Düsseldorf schrieben (pdf) bereits rund zwei Monate zuvor: „Dabei wird verstärkt die Binnennachfrage für ein stabiles Wachstum sorgen. Insbesondere werden die privaten Konsumausgaben – bei abermals deutlich steigenden Realeinkommen sowie der weiterhin positiven Arbeitsmarktentwicklung – einen maßgeblichen Beitrag leisten.“ Nun gibt es zur deutschen Konjunktur eigentlich aktuell nicht viel Neues zusagen, solange Eurostat noch nicht die Nettoanlageinvestitionen der Unternehmen veröffentlicht hat. Deswegen schauen wir einfach kommentarlos, was so passiert, wenn die privaten Konsumausgaben tatsächlich zur wichtigsten Stütze der Wirtschaftsentwicklung…

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Meine Stimme aus Wien: Angespannter Optimismus

Wer sich die jüngsten Konjunkturmeldungen durch den Kopf gehen lässt, der kann schon einmal ins Grübeln geraten. Da signalisieren Umfragen unter Einkaufsmanagern sowie die Beschäftigtenzahlen, dass die amerikanische Industrie sich bereits in einer Rezession befindet. Die Profitabilität im Unternehmenssektor sinkt ohnehin schon länger. Zugleich bereiten die US-Notenbanker die Marktteilnehmer auf eine Zinserhöhung in der nächsten Woche vor. So, als würde Amerika tatsächlich kurz vor einer überhitzten Konjunkturphase stehen. In Deutschland weist der Trend bei den Neubestellungen von Investitionsgütern deutlich nach unten – die Nachfrage schwächt sich aus allen Teilen der Welt spürbar ab. Im Sommer sanken die privaten Anlageinvestitionen der Deutschen bereits das zweite Quartal in Folge. Die Warenexporte fielen von August bis Oktober um drei Prozent unter das Niveau im Vierteljahr zuvor. Das alles ist jedoch kein Grund zur Sorge für die Fachleute der Bundesbank: Die deutsche Konjunktur werde in den nächsten beiden Jahren zunehmend an Kraft gewinnen, heißt…

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So sieht ein greiser Konjunkturzyklus aus: Schaut nicht auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis sondern auf das Kurs-Lohn-Verhältnis!

Wer die Tumblr-Notizen dieses Blogs verfolgt, dem ist vielleicht diese eine Grafik aufgefallen, in der ich angeblich ein Deutschland KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) dargestellt habe. Jetzt wo ich darüber im Blog schreiben will, fällt mir allerdings auf, dass ich in der Excel-Tabelle einen typischen Rogoff-Reinhart-Fehler begangen habe: Ich bin einfach in der Spalte verrutscht. Wie es richtig sein sollte, dazu kommen wir gleich. Nur eins vorweg: Der deutsche Aktienmarkt ist tatsächlich in der Realwirtschaft verankert. Allerdings nicht etwa über die Gewinne, wie man meinen könnte, sondern über die Löhne. Und diese interessante Beobachtung deutet wenig überraschend derzeit darauf hin, dass der aktuelle Konjunkturzyklus dem Ende zuneigt. Wir schauen hier also auf empirische Beobachtungen zum Verhältnis der Aktienkurse und der Realwirtschaft. Konkret blicken wir auf die Marktkapitalisierung und das volkswirtschaftliche Einkommen. Beim ersteren geht es einfach darum, dass die Aktienkurse der gelisteten Unternehmen in Deutschland mit der Anzahl der jeweiligen Aktien multipliziert werden….

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Die EZB stößt mit ihrer Euro-Abwertung in Deutschland an ihre Grenzen: Noch steigen die Gewinnmargen, aber die Investitionen erlahmen bereits

Dass der Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie jetzt schrumpfende Geschäfte signalisiert, dürfte wohl niemand überrascht haben, der hier häufiger mitliest. Gewöhnlich dauert es aber etwas, bis eine Rezession auch die Gesamtwirtschaft erfasst. Am Arbeitsmarkt in Amerika zeichnen sich bislang noch keine Jobverluste ab – was ebenfalls nicht weiter erstaunt. Denn eine Rezession spüren zuerst immer die Hersteller von Kapitalgütern, während der Rest der Wirtschaft vielleicht noch die vorhandenen Kapazitäten stärker auslastet (aber bereits zögerlicher erweitert); entsprechend steigen noch die Umsätze mit Konsumprodukten. Auch kann noch viel passieren, was die nächste Rezession aufhält. Wir können aber davon ausgehen, dass die US-Industrie derzeit nicht allein unter dem starken Dollar leidet, wie einige Analysten bereits wieder behaupten. Denn die Profitabilität der amerikanischen Privatwirtschaft sinkt bereits seit Anfang 2014, seitdem steigt die Gewinnsumme prozentual langsamer als die Lohnsumme. Wenngleich die starke amerikanische Währung jetzt natürlich voll durchschlägt, seitdem die entlastende Wirkung des Ölpreisverfalls auf die…

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Amerikas Profitabilität sinkt nicht nur relativ, die Gewinne schrumpfen jetzt auch absolut

Wie ich heute im WirtschaftsBlatt geschrieben habe, bekamen wir heute tatsächlich interessante Daten zur weiteren Konjunkturentwicklung in Amerika vorgelegt. Die Statistiker haben die Gewinne für das dritte Quartal veröffentlicht. Das interessanteste dabei war, dass die operative Gewinnsumme der nicht-finanziellen Unternehmen (nach Abschreibungen, vor Steuern, Zinsen und anderen Vermögensauszahlungen) jetzt auch wieder im Vorjahresvergleich sinkt. Es war das erst Mal seit dem ersten Halbjahr 2014, dass dies wieder passiert ist. Der Sondereffekt der gesunkenen Ölpreise, der die Kosten der Unternehmen entlastet und die Kaufkraft der Verbraucher vorübergehend gebessert hat, dieser Sondereffekt lässt nach. Die Investitionsdynamik aber auch. Dabei dürfte der Rückgang der Gewinne diesmal nicht so schnell aufhören, denn die Profitabilität lässt eh wieder stärker nach, was unweigerlich bald in eine Rezession münden müsste, wie wir hier hergeleitet haben. In dieser Grafik sehen wir jetzt den Trend, also in laufenden Jahressummen. Vergessen wir dabei nicht: Wenn der Kapitalstock schneller wächst als…

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Der Anfang vom (Zyklus-)Ende: Amerika rutscht in die nächste Rezession

Nun ist es also passiert, was ich schon länger erwartet hatte, wofür ich schon öfter auf Twitter leise kritisiert und als bitterböser Schwarzmaler gebrandmarkt wurde. Die Investitionsdynamik in Amerika lässt nach. Konkret: Die Nettoinvestitionsquote der privaten US-Unternehmen lag im Sommer zum ersten Mal seit Anfang 2010 wieder unter dem Niveau ein Jahr zuvor. Das ergaben die ersten und vorläufigen Schätzungen zum Bruttoinlandsprodukt der USA im dritten Quartal. Auf den ersten Blick mag eine Rezessionswarnung dieser Tage und Wochen absurd wirken. Sank doch die US-Arbeitslosenquote zuletzt auf ein Tief in diesem Zyklus (5,0 Prozent). Die Mitglieder des Offenmarktausschuss der US-Notenbank Federal Reserve scheinen die Märkte seit Wochen auf eine Zinserhöhung im Dezember vorzubereiten – wenn auch zuletzt wieder mehr zweifelnde Stimmen erklangen, die die Markterwartungen hin- und herschaukeln lassen. Klar ist aber, dass die Arbeitslosenquote – egal wir akkurat sie die Arbeitslosigkeit misst – nach einem Tief eben wieder anfängt zu…

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Meine Stimme aus Wien: Europas Wirtschaftsmacht wird künftig auch im Nahen Osten verteidigt

Als der ehemalige SPD-Außenpolitiker Egon Bahr sich vor zwei Jahren mit Heidelberger Schülern traf, hat er den jungen Leuten eine klare Botschaft mitgebracht: „In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“ An diese Sätze musste ich denken, als die ersten Analysen zum Terror in Paris erschienen sind. Es gehe um einen Angriff auf unsere Art zu leben, es gehe um unsere Werte, so die einhellige Botschaft. Demokratie und bürgerliche Freiheiten sind allerdings keine Werte, an die man nur fest glauben muss. Es sind gesellschaftliche Organisationsformen, die erst eine materielle Grundlage im Wohlstand der westlichen Gesellschaften der Nachkriegszeit brauchten, um sich zu entfalten. Nur vordergründig sollen die Angriffe uns dort treffen, wo wir unsere Freiheit am liebsten ausleben. Denn hinter dem IS steckt weit mehr als eine archaische Religionsauffassung, die…

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Aus meinem Wochenendhäuschen in der Karl-Marx-Allee: Warum gibt es Wirtschaftskrisen?

Seit dem Sommer 2014 betrachten wir hier im Blog volkswirtschaftliche Bewegungen auf etwas unübliche Art und Weise (zuerst in dieser Serie [eins, zwei, drei] und zuletzt hier). Denn anders als oft gelehrt oder vermutet, erklärt sich das regelmäßige Auf und Ab der Wirtschaft keinesfalls daraus, dass Märkte von angenommenen Gleichgewichtslagen abweichen. Selbst Schocks sind selten die entscheidenden Treiber der Konjunkturschwankungen, wie wir in diesem Beitrag sehen werden. Hier wollen wir uns anschauen, wie diese Schwankungen aus der eigenen Dynamik der Marktwirtschaft entspringen. Schocks verstärken dabei eine nahende Krise, sie bringen sie am klarsten zum Vorschein und sie lösen Rezessionen oft auch erst aus. Aber sie sind niemals die alleinige Triebkraft konjunktureller Entwicklungen. Seien es stark steigende oder fallenden Rohstoffpreise, plötzliche Änderungen im Zinsniveau und der globalen Kapitalflüsse oder aber platzende Kredit- und Aktienkursblasen. Die Grunddynamik lässt sich bereits klar erkennen, wenn wir uns die Investitionsquote eines Landes anschauen – und…

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Deutschland und Österreich spüren die Depression in Teilen Eurolands

Bei deutschen Herstellern von Maschinen und anderen Investitionsgütern lief bis zum Sommer noch alles super. Aus dem Ausland kamen Monat für Monat jede Menge neue Aufträge herein, besonders viele aus dem Euroraum. Die kurze Rezession vor zwei Jahren – ausgelöst durch harsche Sparprogramme der Regierungen – schien endlich vergessen. Die EZB half dabei mit ihren Liquiditätsspritzen, den Euro abwerten zu lassen, der eingebrochene Ölpreis senkte die Produktionskosten. Was zum Konjunkturglück in Deutschland nur noch fehlte: dass der Exportboom endlich auch die Investitionsdynamik im Inland anspringen lässt. Darauf müssen die Deutschen nun aber noch länger warten. Denn die jüngsten Daten legen nahe, dass die Investitionsdynamik im Sommer das dritte Quartal in Folge an Schwung verlor. Sicherlich ist es zu früh, Krisenwarnungen zu verbreiten. Beunruhigend wirkt jedoch das konjunkturelle Auseinanderdriften im Euroraum: In den größeren Volkswirtschaften beschleunigen sich die Neuinvestitionen nur in Spanien und den Niederlanden. In Frankreich sinkt die Nettoinvestitionsquote bereits…

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