Der Anfang vom (Zyklus-)Ende: Amerika rutscht in die nächste Rezession

Nun ist es also passiert, was ich schon länger erwartet hatte, wofür ich schon öfter auf Twitter leise kritisiert und als bitterböser Schwarzmaler gebrandmarkt wurde. Die Investitionsdynamik in Amerika lässt nach. Konkret: Die Nettoinvestitionsquote der privaten US-Unternehmen lag im Sommer zum ersten Mal seit Anfang 2010 wieder unter dem Niveau ein Jahr zuvor. Das ergaben die ersten und vorläufigen Schätzungen zum Bruttoinlandsprodukt der USA im dritten Quartal. Auf den ersten Blick mag eine Rezessionswarnung dieser Tage und Wochen absurd wirken. Sank doch die US-Arbeitslosenquote zuletzt auf ein Tief in diesem Zyklus (5,0 Prozent). Die Mitglieder des Offenmarktausschuss der US-Notenbank Federal Reserve scheinen die Märkte seit Wochen auf eine Zinserhöhung im Dezember vorzubereiten – wenn auch zuletzt wieder mehr zweifelnde Stimmen erklangen, die die Markterwartungen hin- und herschaukeln lassen. Klar ist aber, dass die Arbeitslosenquote – egal wir akkurat sie die Arbeitslosigkeit misst – nach einem Tief eben wieder anfängt zu…

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Meine Stimme aus Wien: Europas Wirtschaftsmacht wird künftig auch im Nahen Osten verteidigt

Als der ehemalige SPD-Außenpolitiker Egon Bahr sich vor zwei Jahren mit Heidelberger Schülern traf, hat er den jungen Leuten eine klare Botschaft mitgebracht: „In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“ An diese Sätze musste ich denken, als die ersten Analysen zum Terror in Paris erschienen sind. Es gehe um einen Angriff auf unsere Art zu leben, es gehe um unsere Werte, so die einhellige Botschaft. Demokratie und bürgerliche Freiheiten sind allerdings keine Werte, an die man nur fest glauben muss. Es sind gesellschaftliche Organisationsformen, die erst eine materielle Grundlage im Wohlstand der westlichen Gesellschaften der Nachkriegszeit brauchten, um sich zu entfalten. Nur vordergründig sollen die Angriffe uns dort treffen, wo wir unsere Freiheit am liebsten ausleben. Denn hinter dem IS steckt weit mehr als eine archaische Religionsauffassung, die…

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Aus meinem Wochenendhäuschen in der Karl-Marx-Allee: Warum gibt es Wirtschaftskrisen?

Seit dem Sommer 2014 betrachten wir hier im Blog volkswirtschaftliche Bewegungen auf etwas unübliche Art und Weise (zuerst in dieser Serie [eins, zwei, drei] und zuletzt hier). Denn anders als oft gelehrt oder vermutet, erklärt sich das regelmäßige Auf und Ab der Wirtschaft keinesfalls daraus, dass Märkte von angenommenen Gleichgewichtslagen abweichen. Selbst Schocks sind selten die entscheidenden Treiber der Konjunkturschwankungen, wie wir in diesem Beitrag sehen werden. Hier wollen wir uns anschauen, wie diese Schwankungen aus der eigenen Dynamik der Marktwirtschaft entspringen. Schocks verstärken dabei eine nahende Krise, sie bringen sie am klarsten zum Vorschein und sie lösen Rezessionen oft auch erst aus. Aber sie sind niemals die alleinige Triebkraft konjunktureller Entwicklungen. Seien es stark steigende oder fallenden Rohstoffpreise, plötzliche Änderungen im Zinsniveau und der globalen Kapitalflüsse oder aber platzende Kredit- und Aktienkursblasen. Die Grunddynamik lässt sich bereits klar erkennen, wenn wir uns die Investitionsquote eines Landes anschauen – und…

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Deutschland und Österreich spüren die Depression in Teilen Eurolands

Bei deutschen Herstellern von Maschinen und anderen Investitionsgütern lief bis zum Sommer noch alles super. Aus dem Ausland kamen Monat für Monat jede Menge neue Aufträge herein, besonders viele aus dem Euroraum. Die kurze Rezession vor zwei Jahren – ausgelöst durch harsche Sparprogramme der Regierungen – schien endlich vergessen. Die EZB half dabei mit ihren Liquiditätsspritzen, den Euro abwerten zu lassen, der eingebrochene Ölpreis senkte die Produktionskosten. Was zum Konjunkturglück in Deutschland nur noch fehlte: dass der Exportboom endlich auch die Investitionsdynamik im Inland anspringen lässt. Darauf müssen die Deutschen nun aber noch länger warten. Denn die jüngsten Daten legen nahe, dass die Investitionsdynamik im Sommer das dritte Quartal in Folge an Schwung verlor. Sicherlich ist es zu früh, Krisenwarnungen zu verbreiten. Beunruhigend wirkt jedoch das konjunkturelle Auseinanderdriften im Euroraum: In den größeren Volkswirtschaften beschleunigen sich die Neuinvestitionen nur in Spanien und den Niederlanden. In Frankreich sinkt die Nettoinvestitionsquote bereits…

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Meine Stimme aus Wien: Von Rezessionsauguren ohne Jobangst und dem einzigen Sinn einer Zinserhöhung in den USA

Das britische Wochenmagazin „Economist“ zitierte neulich einen Investmentbanker mit bemerkenswerten Sätzen: „Ich sage nie eine Rezession voraus. Wenn ich recht behalte, wird es mir niemand danken; wenn ich falsch liege, werde ich gefeuert.“ Wenig Sorgen um seinen Job macht sich dagegen Willem Buiter, Chefvolkswirt bei der Citigroup. Vielleicht muss man jahrelang im Zentralbankrat der Bank von England verbracht und Kolumnen in der „Financial Times“ geschrieben haben, um die Gepflogenheiten seiner Zunft einfach ignorieren zu können. Jedenfalls sagte Buiter erst vor wenigen Wochen eine moderate globale Rezession (Link zum pdf der Citi via Buiters Webseite) für die zweite Hälfte des Jahres 2016 voraus. (Siehe auch: What Is A (Global) Recession?) Na, so was. Reden wir nicht darüber, dass die US-Wirtschaft so robust wächst, dass sie längst wieder höhere Zinsen verkraften könne. Banken und Versicherungen fiebern ohnehin höheren Zinsen entgegen, die sie endlich wieder mehr Geld verdienen lassen. Das sieht der Ökonom…

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China überholt die USA beim Schuldenmachen

Zur Verschuldung in China gibt es viele Berechnungen und Schätzungen, die mitunter stark voneinander abweichen. Klar ist nur eins, dass außerhalb der Finanzbranche die Schulden der Chinesen explosionsartig seit der Finanzkrise von 2007 bis 2009 gestiegen sind. Wie stark zeigen jetzt neue Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Demnach übertraf die Gesamtkreditvergabe in China im ersten Quartal dieses Jahres erstmals die in den USA, wie meine Recherche für das WirtschaftsBlatts ergab. Haben sich in den USA alle staatlichen und privaten Haushalte sowie die Unternehmen außerhalb der Finanzbranche Gelder im Wert von 234,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausgeliehen, waren es in China 240,4 Prozent. Beide Wirtschaftsräume wurden allerdings vom Euro-Raum übertroffen, wo die Verschuldung bei 259,4 Prozent lag. Diese Zahlen berücksichtigen allerdings nicht die Vermögenswerte der Schuldner. Steigt die Bruttoverschuldung innerhalb weniger Jahren kräftig, kann dies dennoch Hinweise darauf gegeben, dass es sehr schnell zu vermehrten Zahlungsausfällen und Finanzkrisen kommen kann….

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Meine Stimme aus Wien: Globale Wachstumssorge

Auf den Finanzmärkten macht sich extremer Pessimismus breit. Noch hat aber kaum jemand die USA und Europa bei seinen Konjunktursorgen auf dem Radar. Anleger fürchten derzeit, Chinas Wirtschaft könne deutlich weniger wachsen als bislang und damit den Rest Asiens sowie Schwellenländer anstecken, die sehr stark vom Rohstoffexport abhängen. Gut möglich, dass sich diese Sichtweise als völlig übertrieben erweisen wird und sich die Aktienkurse weltweit bald stabilisieren, mit Ausnahme von China vielleicht, wo gerade eine Blase platzt. Als Pekings Notenbank vor zwei Wochen zuließ, dass ihre Währung, Renminbi, rund drei Prozent zum US-Dollar billiger wurde, löste dies heftige Abwärtsbewegungen bei den Devisen von Schwellenländern aus – vor allem im fernen Osten Europas, in Asien und Lateinamerika. Doch wer allein auf die Schwellenländer schaut, kann leicht übersehen, dass sich die Konjunkturaussichten auch in Europa und den USA eintrüben. Sicher, derzeit gibt es keinen Grund zur Panik, doch stimmen einige Signale zumindest nachdenklich….

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Diesen Horrortrip wollte Syriza beenden, bis Dr. Schäuble kam und sagte: Griechenland ist auf einem guten Weg

Was wir Bundesfinanzminister Dr. Schäuble und seinem Chefökononen Ludger Schuknecht zu Gute halten sollten? Beide haben sich bei ihrer Einschätzung der Wirtschaftsentwicklung Griechenlands nicht auf eigene Prognosen verlassen, sondern auf die des Internationalen Währungsfonds (IWF). Und der sagte im Oktober 2014 tatsächlich ein Wachstum von 2,9 Prozent für das Jahr 2015 voraus. Noch heute wundert sich aber Herr Schuknecht genau wie sein Hausherr: „War Griechenland Ende des Jahres 2014 nicht auch auf einem guten Weg, so alle Prognosen verschiedener internationaler Organisationen?“ Vielleicht wäre die Verwunderung nicht so groß gewesen, hätten sich die Herren die Trefferquote des IWF und anderer Organisationen seit 2010 für Griechenland doch etwas genauer angeschaut. Oder aber, den beiden Finanzaufsehern und ihren Mitarbeitern ist Griechenland mittlerweile sowas von egal, dass sie sich schon lange nicht mehr um die Zahlen scheren. Wir wissen das heutzutage ja nicht mehr so genau. Fakt ist, dass mit dem Wissensstand der vergangenen…

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Meine Stimme aus Wien: Geistige Untiefen aus der Welt des Dr. Schäuble

Unter den Topökonomen Deutschlands spielt sich ein Trauerspiel ab. Vorige Woche legte der Sachverständigenrat, bekannt als „die Wirtschaftsweisen“, ein Gutachten vor. Darin setzen vier Professoren darauf, dass Investoren an den Finanzmärkten die Risiken von Staatspleiten richtig einschätzen und so die Euro-Regierungen von einer zu hohen Schuldenaufnahme abbringen sollen. Um den Druck zu erhöhen, müsse schlussendlich ein Euro-Austritt möglich sein. Der Rat liefert damit den Überbau für die Grexit-Fantasien von Finanzminister Dr. Schäuble. Wobei die Phrase „theoretischer Überbau“ einem kaum in den Sinn kommen mag. Ausgerechnet Investoren können zu mehr Stabilität beitragen? Nein, sagt der Berliner Ökonom Marcel Fratzscher: „Gerade die globale Finanzkrise 2008 und die europäische Krise der vergangenen Jahre zeigen, dass Investoren und Finanzmärkte eher die Ursache und nicht die Lösung von Finanzkrisen sind.“ Hinzu kommt, dass ein Austrittsmechanismus dazu einladen würde, erst recht gegen den Euro zu spekulieren. Keine Rezepte, die Griechenlandkrise zu beenden Bei so vielen Untiefen…

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Meine Stimme aus Wien: Fiskalunion ohne Basis

Groß war die Aufregung über den Souveränitätsverlust, den die Athener Regierung vor gut einer Woche hinnehmen musste. „Griechenland unter Protektorat“, so titelte unsere Schwesterzeitung „Die Presse“. Von vollständiger Kapitulation sprachen Beobachter weltweit – zu Recht: Denn das griechische Parlament darf nicht einmal mehr über Gesetze diskutieren, bevor die Gläubigerinstitutionen konsultiert wurden, so haben es alle 19 Regierungs- und Staatschefs beschlossen. Aber geht es nicht genau darum, wenn wir uns in Europa nach einer Fiskalunion sehnen, die endlich das politische Fundament für die gemeinsame Währung legen soll? Bedeutet nicht auch ein Mehr an Vergemeinschaftung öffentlicher Budgetaufgaben, dass Regierungen stärker kontrolliert werden müssen? Soll nicht ein Euro-Finanzminister, so es ihn einmal geben wird, in die nationalen Haushaltspläne eingreifen dürfen? Richtig, genau darum geht es, weil am Ende immer die reicheren Nationen für Risken und Schulden haften müssen. Damit stellt sich die Frage, ob wir in Griechenland nicht gerade den Testlauf für eine…

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