Sie läuft, die Katastrophe im Euro-Raum

Gut, die EZB versucht noch alles, um das Euroland vor der Rezession zu retten. Glauben wir den neuesten Zahlen zum Auftragseingang in der deutschen Industrie ist es dafür aber wohl längst zu spät. Notenbanker und Regierungen können die verschärfte Krise nur noch abfedern. Dürfen wir bereits die Wochen zählen, bis auch die Berliner Regierung den Notstand eingesteht? Vorbereitet sind sie ja wohl halbwegs, wie wir diese Woche in der „Zeit“ lesen können – dazu später mehr. Schauen wir uns also die Neubestellungen von deutschen Investitionsgütern an, sinnvollerweise als Jahresraten der laufenden Dreimonatsdurchschnitte und ohne Großaufträge – es geht um den langfristigen Trend. Der eine starke Monat in Juli hat nicht ausgereicht, dass wir auch nur den Hauch einer Trendwende im Euro-Raum spüren. Bei den Neuaufträgen aus dem Rest Eurolands ging es weiter abwärts von minus 0,8 und auf minus 1,2 Prozent im Juli. Noch sind wir zwar von Rückgängen wie…

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Verwirrung um Amerikas Einkaufsmanager

Vielleicht wundert sich jemand, wie man nur so pessimistisch gegen den Strom schwimmen kann und all die klugen Berichte der Analysten in den Banken ignoriert, die derzeit doch nur eins zeigen: Der US-Wirtschaft geht es super, der Aufschwung in Amerika gewinnt an Fahrt – egal was da gerade in Europa passiert oder sonst wo auf der Welt. Der Einkaufsmanagerindex des ISM-Instituts für die US-Industrie ist doch gerade erst auf 59 Punkte gestiegen – größter Wert seit März 2011 und deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Wachstum voraus, so der Ausblick, den wir fast täglich zu hören und lesen bekommen. Morgan Stanley rechnet mit fünf weiteren Jahren Aufschwung – auch wenn der nicht üppig ausfallen soll. Aber 50 Prozent Kurssteigerungen im S&P500 dürften ja wohl noch drin sein bis Ende des Jahrzehnts, hieß es gestern. Nun sollten wir eine Rally an den Börsen wie Mitte der 90er Jahre zwar nicht…

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US-Aufschwung steht weiterhin auf der Kippe

Die Rezessionsgefahr oder das Risiko, dass die US-Wirtschaft in eine Stagnation abrutscht, ist noch immer nicht gebannt. Das zeigt die zweite Schätzung zu den Wachstumszahlen in Amerika, mit der jetzt auch die Gewinne aus dem zweiten Quartal vorliegen. Bei nichtfinanziellen Unternehmen im Inlandsgeschäft sind sie im Frühjahr zwar kräftig angezogen. Nach drei Rückgängen in Folge stiegen die Profite um 10,6 Prozent im einfachen Quartalsvergleich – im Winter gab es noch einen Einbruch um 7,6 Prozent. Gleichwohl braucht jetzt niemand anfangen, von einem ewigen Aufschwung in den USA zu träumen – das sollte man sowieso nie. Bemerkenswert ist dennoch, dass mittlerweile die Gewinne wieder 1,4 Prozent über dem Niveau des zweiten Quartals 2013 liegen. Wie wir in den vergangenen Wochen (hier und hier) gesehen haben, sollten wir aber besser auf die durchschnittliche Gewinnquote oder –marge (vor Zinsen und Steuern) schauen. Denn die Veränderungen des Profitanteils am Gesamteinkommen (Bruttoinlandsprodukt) sagt mehr über…

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Everybody knows the war is not over (Larry Summers’ secular stagnation edition)

Die Sorgen bei Politikern und Ökonomen wachsen von Tag zu Tag: Die große Industriestaaten könnten in eine „säkulare Stagnation“ geraten. Das heißt in eine Phase, in der kaum neue Jobs entstehen, – schlimme Jahre, die so nur einmal im Jahrhundert vorkommen. Die 1930er Jahre wären dann so eine Periode im 20. Jahrhundert gewesen und jetzt könnte ähnliches bevorstehen, so fürchten viele. Larry Summers macht dafür vor allem das niedrige Zinsniveau (nach Abzug der Inflation) verantwortlich, das nicht einmal ausreiche genügend Wachstum und neue Jobs zu schaffen. Bei einem Vortrag im Februar nannte er viele plausible Gründe dafür. Auch den, dass die Einkommensverteilung derzeit so ausfällt, wie sie nun mal ausfällt, und er präsentiert uns diese Grafik: Auch das Buch von Thomas Piketty enthält viele solcher Grafiken, die zeigen, wie die Ungleichverteilung der Einkommen und Vermögen wieder auf dem Niveau der 1930er Jahre angekommen ist. Komischerweise fragt sich aber kaum jemand,…

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Of course recessions are always unexpected, aren’t they?

For those of you who believe American manufacturing is currently experiencing a healthy recovery and the Federal Reserve could raise their interest rates at any point soon – please take a look at this chart: Usually profits always lead the business cycle, new orders for capital goods follow quickly and finally net investments run in the same direction. And if private net investments (as a share of income) turn negative (over a twelve months period) for a longer time, you can be quite sure that a recession begins within months. So it does not look good, neither for the US, Europe nor the global economy. But who or what can save the US recovery now?: A stock market boom, China’s current account surpluses, massive new spending in construction or the Federal Reserve again? It is hard to see how this can happen now. In a previous post I described (in…

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Warum Amerika dringend das neue iPhone braucht? Weil die Gewinne einbrechen

Seit voriger Woche wissen wir, dass neben dem Bau (wenig überraschend nach dem milden Winter) auch der Außenhandel das Frühjahrswachstum in Deutschland gebremst hat: „Die Exporte stiegen im Vorquartalsvergleich weniger stark als die Importe, sodass sich der Außenbeitrag (Exporte minus Importe) negativ auf die deutsche Wirtschaftsentwicklung auswirkte“, schreiben die Fachleute von Destatis. Und jetzt, im Sommer, wird es nicht besser geworden sein – daran gibt es keinen Zweifel. Denn bekannt ist, dass die Neubestellung in der deutschen Industrie aus dem Euro-Raum und von außerhalb gerade bei Investitionsgütern im Frühjahr regelrecht eingebrochen sind – was sich kaum mit dem Wetter oder Kriegen auf Welt erklären lässt. Und dann sinken seit Anfang Juli auch noch die Ölpreise – neben einem höheren Angebot ist vielleicht dann doch eher eine globale Konjunkturabkühlung unterwegs? Im vorherigen Beitrag habe ich grob verglichen wie es zuletzt mit der Nachfrage nach deutschen Waren aus Russland und den USA…

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Die Rezession beginnt in Amerika, nicht in Moskau („Georisiken“ sind die neuen „Gewinnmitnahmen“)

Warum kommt denn nur keiner darauf? Die deutsche Industrie hat in den vergangenen Jahren extrem vom Aufschwung in den USA profitiert, auch wenn der mickrig war. In Europa lag dagegen alles darnieder. Und nun brechen die Neuaufträge in der deutschen Industrie weg und vielen Analysten und Institutsökonomen fallen nur geopolitische Risiken ein, die dahinter stecken könnten. Jeder, der schon einmal einen Börsenbericht in der Zeitung gelesen oder geschrieben hat, kennt diese Floskel. Da wird ein Händler oder Analyst angerufen, der das Marktgeschehen kommentieren soll. Und wenn der ratlos ist und ihm nichts mehr einfällt, warum gerade an jenem bestimmten Tag die Kurse fallen, heißt es oft lapidar: Das waren Gewinnmitnahmen – irgendwas muss man ja sagen oder schreiben, selbst wenn einem nichts einfällt. Wer sich in letzter Zeit Konjunkturberichte oder Kommentare zum Aktienmarktgeschehen durchliest, wird dagegen häufig auf die Floskel stoßen, geopolitische Risiken hätten die Unternehmen oder die Anleger an…

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Meine Stimme aus Wien: Unruhige Monate stehen uns bevor

Mein Leitartikel aus dem Wirtschaftsblatt vom 7. August 2014. „Geopolitische Risiken belasten nicht allein die Konjunktur im Euroland“ Für Geschäftsleute in Österreich bringt der Sommer keine Besserung der Aussichten. Fast überall bricht derzeit die Konjunktur weg. In Deutschland, dem wichtigsten Handelspartner, sanken die Neubestellungen der Industrie zuletzt kräftig. Italien rutschte im Frühjahr wieder in die Rezession. Sicherlich dürfte der Konflikt zwischen der EU und Russland einige Exporteure verunsichert haben. Wirtschaftsverbände und Unternehmen berichten, Investitionsprojekte würden zurückgestellt oder ganz abgeblasen. Dennoch können geopolitische Risiken als einziger Grund für die Wirtschaftsschwäche in Deutschland und anderen großen Euroländern nicht wirklich überzeugen. Hatte sich doch der Rubel im Frühjahr gefangen, auch die russische Wirtschaft erholte sich vom Einbruch zu Beginn des Jahres. Der Export aus Österreich und Deutschland stabilisierte sich auch zwischenzeitlich, nachdem Rubelabwertung und schwaches Wachstum bereits 2013 die Nachfrage der Russen gedrückt hatten. Auffällig ist, dass die deutsche Industrie bei Investitionsgüterbestellungen aus…

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Die absolute und globale Profitschranke des Kapitalismus

Es ist ein weitverbreiteter und beliebter Vorwurf an Politiker und Ökonomen: Der neoliberale Zeitgeist, der sich seit Beginn der 70er Jahre in der westlichen Welt ausgebreitet hat, sei dafür verantwortlich, dass die Vermögenden immer reicher werden und Einkommen der Beschäftigten kaum noch wachsen oder sinken. Deregulierung, Privatisierungen sowie Liberalisierung und Globalisierung der Finanzbranche, eine starke Fokussierung auf die Wettbewerbsfähigkeit der Lohnkosten – alles laufe nur in die eine Richtung, diesen Trend zu verstärken. Gerade linke (oder keynesianische) Ökonomen – und neuerdings auch die Bundesbank – glauben daran, dass bei Ausschöpfung des Verteilungsspielraums, viele Probleme in der Marktwirtschaft oder speziell im Euro-Raum gelöst werden könnten. Man will zurück zum guten alten „Klassenkompromiss“, der vorsah, dass die Einkommen der Beschäftigten und der Kapitalbesitzer gleich stark wachsen. Dafür gibt es die einfache Formel: Löhne und Gehälter in einer Volkswirtschaft sollten im Trend jedes Jahr mit der Inflationsrate (oder der Zielinflationsrate) plus Produktivitätswachstum steigen….

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Meine Stimme aus Wien: Die Rückkehr des Kriegs-Keynesianismus

Mein Kommentar aus dem Wirtschaftsblatt vom 29.Juli 2014 – er fasst die Analyse im vorherigen Beitrag hier im Blog zusammen. Wir müssen uns in Europa Sorgen machen. Denn die USA stehen kurz davor, wieder in eine Rezession abzurutschen. Und das trifft Euroland hart, weil wir es immer noch nicht geschafft haben, die Arbeitslosigkeit merklich zu senken. Es sieht danach aus, als würde die nächste Konjunkturkrise zwischen diesem Sommer und nächstem Frühjahr ausbrechen. Mein Kommentar aus dem Wirtschaftsblatt vom 29.Juli 2014 – er fasst die Analyse im vorherigen Beitrag hier im Blog zusammen. Wir müssen uns in Europa Sorgen machen. Denn die USA…

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