Perfektes PR-Schauspiel zur brutalstmöglichen Zypernrettung

In ganz Europa wächst die Kritik an Deutschlands Rolle in der Zypern-Rettung. Zunächst einmal muss aber gesagt werden, dass Bundesregierung und IWF völlig richtig damit liegen, dass Zypern keinen vollen Kredit über 17 Mrd. Euro bekommen hat – so klein dieser Betrag relativ für die Euro-Staaten und den IWF auch sein mag. Die Staatsschuld Zyperns hätte sich auf 180 Prozent des BIP verdoppelt, eine spätere Umschuldung wäre damit unausweichlich geworden. Irgendeine Form von Beteiligung der Bankkunden in Zypern lag also auf der Hand – denn bei den Aktionären und Anleihegläubigern der Banken war und ist wenig zu holen. Soweit können wir also noch etwas Verständnis für das Rettungskonzept aufbringen, das sie da in Berlin ausgetüftelt haben. Doch die Art und Weise, wie es durchgedrückt wurde, das wird dem deutschen Steuerzahler noch schwer zu schaffen machen. Nicht zu vergessen, dass Zypern wie damals Ostdeutschland ökonomisch in eine Trümmerlandschaft verwandelt wird –…

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SpiegelOnline und die russische Schwarzgeldlüge

Vergangenen Herbst machte der angeblich geheime Bericht des BND über russische Schwarzgelder die Runde. Seitdem bestimmt er die öffentliche Diskussion in Deutschland: „Wenn wir Zypern retten, retten wir vor allem russische Verbrecher“, so der Tenor vieler Berichte nachdem das Magazin „DER SPIEGEL“ davon berichtet hatte. Allerdings gibt es zwei Versionen des Artikels – eine in Print und eine Online. Sie erinnern, milde gesprochen, an das Spiel „Stille Post“ – aber vielleicht steckt doch Absicht dahinter? In der Ausgabe 45/2012 schreibt der „DER SPIEGEL“: „(I)n einem geheimen Bericht legt der Bundesnachrichtendienst (BND) dar, wer vor allem von den europäischen Steuermilliarden profitieren wird: russische Oligarchen, Geschäftsleute und Mafiosi, die ihr Schwarzgeld in Zypern angelegt haben.“ Soweit so gut, soweit auch alles seriös und nicht gerade überraschend. Kein Wort findet sich im Magazinbericht darüber, wie viel von dem Geld illegal sein könnte. Etwas später heißt es weiter, „26 Milliarden Dollar Vermögen hätten Russen…

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Ein perfekter Plan für Zypern

Felix Salmon macht sich stark für einen Vorschlag von Lee Buchheit, dem weltweit wohl besten Fachmann für Staatsschuldenkrisen. Das Geniale daran wäre, dass die Rettungssumme um deutlich mehr als die anvisierten 5,8 Mrd. Euro gesenkt werden könnte: um 6,6 Mrd. Euro. Und der deutsche Steuerzahler und die anderen Euroländer müssten via ESM für keinen Cent mehr aufkommen als beim am Wochenende beschlossenen Plan. Kleinsparer und -kontoinhaber würden komplett verschont und Großsparer (mehr als 100.000 Euro) müssten fünf oder zehn Jahre ihre angelegten Beträge einfrieren. Wenn sie früher an die Summen ran wollen, müssten sie allerdings Abschläge hinnehmen. (h/t @StephanEwald) Wie das geht? Felix fasst zusammen (siehe auch): „First, leave all deposits under €100,000 untouched. Hitting those deposits was by far the biggest mistake of the Cyprus plan as originally envisaged, and everybody would be extremely happy if guaranteed depositors could be kept whole. Second, term out everybody else by five…

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Sollen Banken in Zypern verschont werden?

Anscheinend weiß niemand so genau, wie man einen Schnitt der Spar- und Kontoguthaben in Zypern sauber hinbekommt. Wie das Wall Street Journal Deutschland berichtet, kann nicht einmal Zyperns Zentralbank genaue Zahlen vorlegen, wie viele Einlagen eine Summe von weniger als 100.000 Euro ausweisen: „Vertreter, die über das Rettungspaket verhandelt haben, berichten, Zyperns Zentralbank habe keine Aufschlüsselung von Einkommen unter 100.000 Euro liefern können. Deshalb sei es unmöglich, zu berechnen, wie viel es kosten würde, wenn Kleinsparer ausgenommen würden.“ Wenn die Aussagen stimmen, ist es schon bezeichnend, auf welcher Grundlage am Wochenende Beschlüsse gefasst wurden. Hinzu kommt, dass in der Presse und unter Analysten Zahlen zu den Gesamteinlagen kursieren, die so nicht stimmen können. Unter Berufung auf Daten der Central Bank of Cyprus wird dabei immer wieder eine Summe von 68,4 Mrd. Euro per Ende Januar 2013 genannt. Jedoch weisen Zyperns Zentralbanker keine Einlagen von Banken bei den zyprischen Kreditinstituten aus…

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Zypern-„Rettung“: Wenn es nicht so zynisch wär, wünscht ich mir ein Blutbad her

Zynisch sind zum Glück ja immer die anderen, aber wenn eine krasse Marktreaktion am Montag den Bundestag noch zum Einlenken bewegen könnte… Ach, lassen wir diese Gedankenspiele… Auf diesen Shitstorm am Samstagmorgen jedenfalls waren die Zypern-„Retter“ wohl gar nicht gefasst. Hier meine Top-6 Beiträge: 1. The Cyprus Bank Bailout Could Be A Disastrous Precedent: They’re Reneging On Government Deposit Insurance by Tim Worstall 2. Cyprus: A Brutal Lesson in RealPolitik by Pawel Morski 3. Depositors burned, bondholders saved, a modern European bailout by namawinelake 4. Brüsseler Irrsinn für Zypern von Frank Lübberding 5. Bewusste Irreführung von Eric Bonse 6. Deposit holders in Cyprus pay. Solves todays political problem in Germany at the cost of future bank runs in other Eurozone countries by Paul De Grauwe Im Gegenzug hab ich nur zwei erwähnenswerte Aussagen gefunden, die die Sorgen im Netz etwas besänftigen: 1. Thanks to the ECB’s safety net, we think that contagion from…

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Deutsche Banken flüchten aus der ganzen Welt

Da ist den deutschen Kreditinstituten wohl die Lust am Geldfluten vergangen. Noch nie seit Anfang 2002 haben Deutschlands Banken weltweit so wenig Kredit im Ausland vergeben wie im Dezember 2012: 2033,257 Mrd. Euro, so „gering“ waren ihre Forderungen – Negativrekord seit Beginn der Datenaufzeichnungen, wie die in dieser Woche aktualisierten Bundesbankzahlen zeigen. Bekannt ist, dass die deutschen Geldhäuser sich aus der Finanzierung im Euroland zurückziehen, auch wie es ganz konkret in Italien und Spanien aussieht. Die neuen Zahlen sind deswegen so bemerkenswert, weil sie zeigen, dass der Rückzug der Banken auch weltweit stattfindet (sogar stärker als aus dem Euro-Raum) – und das bei einem globalen Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands von mehr als 6 Prozent des BIP im vergangenen Jahr. Der Überschuss misst nämlich auch, wie viel Kredit Deutschland jedes Jahr ans Ausland gibt – allerdings netto. Was machen die deutschen Banken eigentlich? Einzig bei privaten Immobiliendarlehen daheim ist derzeit überhaupt noch ein…

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Beppe Grillo irrt: Deutsche Banken geben Italienern wieder mehr Kredit

Ein bemerkenswertes Interview hat Handelsblatt-Korrespondentin Katharina Kort mit Beppe Grillo geführt. Die Zeitung hat es gestern gedruckt – darin sagt der Gründer der „Fünf-Sterne-Bewegung“ so schöne verschwörerische Sachen wie die hier: „(D)e facto ist Italien doch schon aus dem Euro raus. Das Land ist am Boden. Die nordeuropäischen Staaten halten uns noch so lange, bis sie die Investitionen ihrer Banken in italienischen Staatsanleihen wieder reingeholt haben. Dann werden sie uns fallen lassen wie eine heiße Kartoffel.“ Doch wie sieht es tatsächlich aus mit den Forderungen der deutschen Banken (also hauptsächlich Anleihebeständen) in Italien? Die Bundesbank-Zahlen zeigen, dass die deutschen Institute ihren Rückzug weitgehend beendet haben. Nach einem Minus von 15 Prozent 2011, bauten die Institute vergangenes Jahr ihre Forderungen nur noch um 5 Prozent ab. Grafisch sieht es allerdings so aus, als wäre der Abwärtstrend sogar nahezu gestoppt worden. Und tatsächlich: Deutsche Banken gaben den Italienern zuletzt sogar wieder merklich…

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Erst die Förderbanken, dann die EZB? – Weidmann und die Kreditklemme

Auf der Jahresbilanzpressekonferenz der Bundesbank hat Michael Steen von der FT die wichtigste und interessanteste Frage gestellt. Dabei ging es darum, ob die EZB angesichts der schwierigen Finanzierungsbedingungen für kleinere und mittlere Unternehmen etwa in Italien und Spanien aktiv werden sollte. Deswegen schauen wir einmal genauer (oder hören es uns an), was Jens Weidmann darauf zu antworten hatte: Die Finanzierungskosten, das haben Sie richtig beschrieben, aber auch die Kreditvergabe im Euro-Raum ist in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich, was mit verschiedenen Faktoren zusammenhängt. Es ist sicherlich so, dass die notwendigen Deleveraging-Prozesse, die in den einzelnen Ländern auch stattfinden und stattfinden müssen, die sind ja auch politisch gewollt, einen Einfluss auf das Kreditangebot ausüben. Okay, dass Regierungen ihre Verschuldung abbauen, ist politisch gewollt. Streit gibt es nur darüber, wie schnell der Schuldenabbau vorangehen sollte. Aber wie sieht es mit dem Privatsektor aus, also den Unternehmen und den Haushalten: Dass die Italiener…

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Bissspuren statt Dividendeninjektion – die Crux von Indizes wie DAX, Euro Stoxx & Co.

[Crossposting mit dem WirtschaftsWunder] Mit der nahenden Dividendensaison und dem DAX in Reichweite seines alten Rekordhochs ist in den vergangenen Tagen eine spannende Diskussion aufgeflammt: Kann man den DAX überhaupt ernst nehmen, schließlich ist er doch als Performanceindex mit Dividendenberücksichtigung „aufgebläht“ (ein Analyst sprach gar vom „Botox-DAX“)? Der DAX-Kursindex oder der Euro Stoxx 50 liegen ja noch weit unter ihren Rekordhochs. Nun: Ja, man kann. Man muss sogar. Denn Kursindizes sind grob irreführender Schrott – und das Vorurteil nicht auszurotten, eine Dividendenberücksichtigung hieße, ein Perfomanceindex klettere an Ausschüttungtagen. Tatsächlich fällt er nur nicht wie ein Kursindex – ein entscheidender Unterschied. Mit Geisterfahrern ist das ja so eine Sache: Nur die wenigsten wissen, dass sie auf der falschen Fahrbahn unterwegs sind. An den alten Grundschulgag „Was reden die denn da im Radio – EIN Geisterfahrer? Das sind doch hunderte!“ fühle ich mich jedenfalls erinnert, wenn an unserem Aktienindex DAX herumgemäkelt wird….

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Kreditklemme in Italien und Spanien: Warten auf Draghis nächsten Knall

Ein eigenartiges Rätsel hat Mario Draghi den Journalisten am Donnerstag mit auf den Weg gegeben. So richtig wollte er es auf der Pressekonferenz nicht zugeben: Die klassische EZB-Geldpolitik versagt in Italien und Spanien völlig, die dortigen Banken geben die Minileitzinsen nicht an die Firmen weiter. Im Gegenteil, die Kreditzinsen entfernen sich immer stärker von denen in Frankreich oder Deutschland, als hätte es nie eine Gemeinschaftswährung gegeben. Industrieverband und Notenbank in Italien warnen eindringlich vor Kreditklemme und Kreditnotstand. Doch noch schlimmer als in Italien (-3,2%) sieht die Jahresrate in Spanien (-11,4%) aus  – hier die aktuellsten Kreditflussdaten für die Unternehmen. Aber woran liegt es, dass die Kreditkosten im Euroland so stark auseinander driften, die „dispersion of lending rates“ also zunimmt. Liegt es an den Banken oder der zu harschen Austerität in vielen Ländern? Man hätte gerne mehr dazu von Draghi erfahren. Wahrscheinlich hat sich beides mittlerweile gefährlich aufgeschaukelt. Immerhin war die…

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