Keine Panik: Die Türkei muss Liquiditätsschock fürchten!

Der Ausverkauf bei Wertpapieren aus den Schwellenländern scheint sich heute etwas beruhigt zu haben. Grund für die starke Verkaufswelle seit Mitte Mai: Anleger spekulieren darauf, dass die US-Notenbank Federal Reserve im späteren Jahresverlauf ihre Anleihekäufe zurückfahren könnte. Die Folge ist eine Umschichtung aus den Schwellenländern zurück zum Beispiel in US-Staatsanleihen. Auch wenn der Kapitalabfluss vorerst etwas abebbt. Eine gute Gelegenheit darüber nachzudenken, wer von den aufstrebenden Volkswirschaften am anfälligsten gegenüber höheren Zinsen in den Industrieländern sein dürfte? Et voilà: Es ist die Türkei. Das ist das Ergebnis einer interessanten Studie von Markus Jaeger, Volkswirt bei Deutsche Bank Research. Er schreibt: „Die zehn wichtigsten Emerging Markets scheinen gut vorbereitet, einer signifikanten Verschärfung der externen Finanzierungsbedingungen zu begegnen. Die Türkei ist das Schwellenland, das am anfälligsten für eine Verschärfung der Finanzierungsbedingungen ist. Dies ist auf die hohe kurzfristige Auslandsverschuldung und das hohe Leistungsbilanzdefizit zurückzuführen.“ Und was würde ein Liquiditätsschock, also ein plötzlicher…

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(Wenig) Glanz und Elend der Konsumenten

Die Deutschen sind ein depressives Volk. Ja, die Stimmung ist hier gar nicht gut. Schon seit 20 Jahren weiß das gemeine Volk nicht mehr, was Optimismus heißt – so „rein“ ökonomisch gesehen. Woher ich das weiß? Es mag für viele etwas komisch klingen, aber dies können wir den Stimmungsumfragen der GfK entnehmen. Die Konsumforscher fragen jeden Monat rund 2000 Verbraucher oder Konsumenten – wie Ökonomen das gemeine Volk vornehm nennen. Dabei geht es darum, wie die Haushalte die Konjunktur einschätzen oder ob sie größere Anschaffungen planen; es geht um Ängste, den Job zu verlieren oder welche Inflation sie künftig erwarten und noch viel mehr. Wahrscheinlich wundern sich jetzt einige, warum sie von der schlechten Stimmung selten etwas hören oder lesen. Regelmäßig erklären uns einige Medien, wie eine Stimmungsaufhellung der anderen folgt – gerade in diesen Zeiten. Optimismus allenthalben – und das obwohl seit Jahren die Löhne inflationsbereinigt stagnieren und sinken?…

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Wann wirft die EZB ihre „Notenpresse“ wieder an?

Ja, wir müssen darüber nachdenken, ob und wie die EZB ihre (elektronische) Notenpresse wieder anwerfen wird. Auf der gestrigen EZB-Pressekonferenz wurde eins klar: Der alte Draghi-Trick mit den negativen Zinsen funktioniert nicht mehr. Die Markteilnehmer haben ihn längst durchschaut. Seine Äußerungen dazu waren (zunächst) einfach nur ein simpler Versuch Draghis, verbal an den Zins- und Devisenmärkten zu intervenieren. Denn so wollte der schlaue Notenbanker die Euro-Währung und die Geldmarktsätze drücken. Was Anfang Mai noch klappte – es funktioniert nicht mehr. Ja, wir müssen darüber nachdenken, ob und wie die EZB ihre (elektronische) Notenpresse wieder anwerfen wird. Auf der gestrigen EZB-Pressekonferenz wurde eins klar: Der alte Draghi-Trick mit den negativen Zinsen…

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Die EZB sollte gleich auf Null senken, sonst droht eine heimliche Zinserhöhung

Könnte es eigentlich sein, dass die EZB einen Fehler begeht, wenn sie ihren Leitzins nicht vorsorglich auf 0 Prozent senkt? Wenn schon negative Einlagenzinsen sicherlich nicht die Kreditvergabe der Banken anregen werden. Und wenn auch Minuszinsen kaum dazu führen werden, dass der Interbankmarkt wieder anspringt – der Markt, wo sich Banken untereinander Geld verleihen. Es ist eine reale Gefahr und sie klingt zunächst einmal paradox: Senkt die EZB nicht auf Null, könnte es im Juni unerfreulicherweise dazu kommen, dass die Geldpolitik wie von Zauberhand wie eine Zinserhöhung wirkt. Und dies würde die Krisenwirtschaft des Eurolands noch mehr abbremsen. Woran liegt das? Viele Analysten und Investoren stellen sich derzeit auf den Moment ein, wo die Überschussreserven der Banken auf weniger als 200 Mrd. Euro sinken. Denn ungefähr ab dieser Schwelle, so ihre Faustregel, sollte der EZB-Leitzins wieder langsam seine alte Bedeutung gewinnen, die er früher einmal hatte – die er jetzt…

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Nimm die letzte Ausfahrt, EZB: Quantitative Lockerung!

Negative Zinsen gehen also nach hinten los. Zumindest solange die Banken in Euro-Raum auf mehr Reserven von der Notenbank angewiesen sind – mehr, als sie eigentlich für ihre täglichen Geschäfte brauchen. Befürworter negativer EZB-Einlagenzinsen bringen immer wieder einen interessanten Punkt an: Sie glauben, dass vor allem deutsche Banken Reserven im Euro-System der Notenbanken halten. Und das soll diesen Häusern verleidet werden – mit negativen Einlagenzinsen. Negative Zinsen gehen also nach hinten los. Zumindest solange die Banken in Euro-Raum auf mehr Reserven von der Notenbank angewiesen sind – mehr, als sie eigentlich für ihre täglichen Geschäfte…

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Die Logik negativer EZB-Zinsen

Fangen wir mit einem Beispiel aus der Flugwelt an und stellen uns folgendes vor: Alle Fluggesellschaften Europas müssen plötzlich neue Steuern zahlen und zwar nur auf das Volumen in den Reserve(!)-Tanks ihrer Transatlantikflieger… Werden Flugtickets nach Amerika danach teurer oder günstiger? Die meisten von uns werden wahrscheinlich sofort sagen: Natürlich verteuern sich die Tickets! Gut, Zweifler werden noch anmerken, dass wir den Wettbewerb nicht vergessen sollten. Die eine oder andere Fluggesellschaft nimmt sicherlich lieber weniger Gewinnmarge in Kauf anstatt die höhere Kosten komplett ihren Kunden aufzudrücken. Aber kann sich jemand vorstellen, dass die Flugtickets bei allen Airlines durch diese Steuer wenigstens günstiger werden? Und nun übertragen wir das Ganze in die Welt der Notenbanken: Wir stellen uns vor, die EZB würde plötzlich Zinsen auf (Überschuss)-Reserven verlangen, die Geschäftsbanken bei ihr hinterlegen. Glaubt jemand daran, dass die Banken dann den Preis (also den Zins) für den Kredit senken werden, den sie…

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Adiós, Dicke Bertha!

Wolfgang Schäuble sorgt sich um die hohe Liquidität im globalen Finanzsystem. Denn die Notenbanker in Amerika und Japan pumpen Woche für Woche ihre Geschäftsbanken mit Geld voll. Komisch nur, dass unser Finanzminister es noch nicht gemerkt hat, wie im Euroland die Milliarden an Liquidität verschwinden – einfach so. Hier vernichtet die EZB fast schon täglich Milliarden an Zentralbankgeld. Und ich glaube, wir müssen dringend einmal über Geld reden. Doch zunächst erklären wir erst einmal folgende Grafik hier: Es war das Schreckgespenst aller Hyperinflations-Fanatiker in Deutschland: Die Banken im Euro-Raum liehen sich im Dez’11 und im Feb’12 rund 1000 Mrd. Euro von der EZB – für maximal drei Jahre. Erst seit Januar 2013 können sie dieses Geld wieder zurückzahlen. Doch schon davor – seit Sommer 2012 – reduzieren die Institute ihre übrigen Leihgeschäfte bei der Notenbank. Unterm Strich ist die Dicke Bertha, wie Mario Draghi die 1000 Mrd. € getauft hatte,…

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Kieler Katastrophe

Mein Ex-Kollege bei der FTD, Martin Kaelble, hat den Rauswurf des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) aus dem Prognose-Kreis der Bundesregierung kommentiert: „Manch einer dürfte sich am Montag ungläubig die Augen gerieben haben: Medienberichten zufolge wird das renommierte Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Zukunft nicht mehr bei der Gemeinschaftsdiagnose der Bundesregierung dabei sein. Dafür rückt angeblich das Berliner DIW-Institut nach sechs Jahren wieder hinein in den vom Wirtschaftsministerium ausgewählten Elitekreis der deutschen Wirtschaftsforscher. Für die Ökonomenzunft ist das ein ziemlicher Hammer. Und es ist eine mehr als gewagte Entscheidung. Seit der ersten Konjunkturprognose im Jahr 1950 gehörte das Kieler IfW zum Kreis der Institute, die zweimal jährlich das Gutachten erstellen. Angeblich war das Angebot des Instituts zu teuer. Eine ziemlich dünne Begründung für einen solchen Schritt! Tatsächlich zeigt das Wirtschaftsministerium erneut kein besonderes Fingerspitzengefühl bei seiner Institutsauswahl.“ Weiterlesen auf Capital.de Und ich frage mich, warum nicht das RWI wegen Lobbyismus…

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Es war alles für die Katz! – Die kolossale Dummheit der deutschen Wirtschaftspolitik

Jörg Asmussen sorgt sich darum, dass Deutschland wieder zum „Kranken Mann“ Europas wird. Wie recht der Mann doch hat! Mit seinen Rezepten, naja… Schauen wir uns die OECD-Prognose (Annex Table 45) unseres Marktanteils am Weltexport an: Die überwettbewerbsfähigen Firmen dieses Landes werden demnach nächstes Jahr so wenig ausführen wie noch nie seit 1970… Was tun? Noch mehr Niedriglöhner, noch mehr Leiharbeit, noch weniger Sozialleistungen und noch weniger Geld für Arbeiter und Angestellte? Oder warten wir einfach ab, bis unsere verbliebenen Reserven verfrühstückt sind? Glaubt eigentlich jemand daran, dass hier jemals in unsere Zukunft investiert wird? „Was, wir sollen nicht mehr ins Casino gehen, oh nein?!“- „Ach, geht doch sterben!“ Gott, gib diesem Land nur einen Hauch an Vernuft! Nachdem der Liberalismus 1933 gestorben ist, gab es gute Gründe für das sozialdemokratische Halbjahrhundert der Nachkriegszeit. Es ist nur leider 1996 untergegangen. Ändern wir nichts, behalten die alten Marxisten am Ende also…

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Ein Stützelianer namens Flassbeck

Zum Wochenende könnte man sich einmal Michael Pettis’ Excess German Savings, not Thrift, Caused the European Crisis durchlesen. (h/t @StephanEwald) Und dann denken wir einmal kurz darüber nach, was wohl gewesen wäre, wenn Lafontaine mit seinem Adjutanten Flassbeck noch länger an der Macht geblieben wäre. Egal was man heute über Lafontaine denkt (über seinen Charakter, über seine politischen Vorstellungen)… Wie beschämend ist es eigenlich für seine alte Partei, einen früheren Vorsitzenden nicht einmal zum Festakt von 150 Jahren SPD einzuladen? Und wenn Wirtschaft immer Krieg ist, kann man auch einmal darüber nachdenken, dass ein missglücktes Attentat im Leben wohl mehr als genug ist. Und dann kann man auch mal seinen Frieden mit einem Abtrünnigen finden – wenigstens für zwei Stunden… Aber zurück zu Flassbeck, wenn wir uns seinen Text aus dem Jahr 2000 durchlesen, können wir uns ganz gut vorstellen, dass in diesem Land in den vergangenen Jahren vielleicht etwas…

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