Schön den Ball flach halten, Frau Merkel: Deutschland braucht noch lange keine höheren Zinsen! #AngstOfTheWeek

Mario Draghi würde wohl mit seinem trockenen Humor sagen, diese Rede von Angela Merkel sei wieder so etwas wie die „Angst of the Week“. Nach einer Woche Aufregung weiß keiner mehr, was eigentlich der Grund für den ganzen Bohei war: Deutschland brauche angeblich höhere Zinsen, sonst droht das Land erneut zu überhitzen. Es ist schon erstaunlich, wer der Bundeskanzlerin solch eigenartige Reden schreibt. (Eric Bonse fürchtet, dass es sich hier um eine gezielte Attacke auf die EZB aus Deutschland handelt, was es nur noch schlimmer machen würde, wenn es stimmen sollte). Nun soll hier nicht behauptet werden, dass die Sorgen vor neuen Kreditexzessen in Deutschland – möglicherweise wegen zu niedriger Zinsen – unbegründet sind. Welche Folgen eine zu starke Kreditaufnahme von Unternehmen und Haushalten haben können, werden wir gleich noch sehen. Doch wäre es schön, wenn wir alle versuchen würden, weniger Panik und Verwirrung zu verbreiten, wenn es um das…

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Die dreiste Hobbyökonomin

Irgendwie ist das ja ganz witzig – die Vorstellung, wie sich unsere Kanzlerin auf dem Sparkassentag auf die Bühne stellt und bei einem dialektischen Kurzvortrag mal eben die Interessenkonflikte in der aktuellen Euro-Geldpolitik erklärt. Und im Publikum mit Mario Draghi der in Europa dafür zuständige Fachmann andächtig lauscht. In Wahrheit ist dieser Vorstoß aber unverfroren. Und die Aussagen von Merkel in Dresden noch nicht einmal richtig. Irgendwie ist das ja ganz witzig – die Vorstellung, wie sich unsere Kanzlerin auf dem Sparkassentag auf die Bühne stellt und bei einem dialektischen Kurzvortrag mal eben die Interessenkonflikte in…

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Kampf den Kreditexzessen!

Die Rolle des schrägen Vogels unter Frankfurts Bankanalysten muss wohl immer einer spielen. Nachdem Thorsten Polleit sich von Barclays Capital zum Edelmetallhändler Degussa Sonne/Mond Goldhandel verabschiedet hat, sieht es so aus, als hätte er einen würdigen Nachfolger gefunden. Thomas Mayer hält jetzt die Fahne der Österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre in der deutschen Banker-Community hoch. Und ja, offiziell arbeitet Mayer weiterhin als Berater des größten Geldkonzerns Deutschlands. Mayer prophezeit uns in seinen jüngsten FAS-Kolumnen das Ende der herrschenden Geldordnung. Sie sei für all die Übertreibungen und Kreditexzesse der vergangenen Jahrzehnte verantwortlich und habe zur unheilvollen Verquickung von Staaten und Banken geführt. Deshalb lauere ständig und überall das Risiko von Liquiditätskrisen und staatlichen Schuldenkrisen. Selbst eine Bankenunion werde diese enge Verbindung von Banken und Staat nicht durchbrechen, sagt Mayer. Auch strengere Regeln für Banken änderten daran nichts. Der Ökonom sympathisiert mit den Ideen der „Österreicher“ und Libertären (hier und hier und hier…

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Euro-Zone erzielt Handelsrekord dank deutscher Exportexzesse

An deutschen Stammtischen (und unter einigen orthodoxen Ökonomen) gehört es ja zum guten Ton, unseren südeuropäischen Nachbarn mangelnden Reformwillen zu attestieren. Die FTD hat immer gegen ungerechtfertigte Ressentiments angeschrieben. Und mit neuen Daten von Eurostat wird einmal mehr deutlich, welcher Radikalkur sich die Volkswirtschaften Südeuropas unterziehen. Die damit einhergehenden menschlichen Opfer (Agenda 2010 und Hartz IV scheinen ein schlechter Witz gegen die Verarmung großer Bevölkerungsschichten in Griechenland, Spanien, Portugal und Italien; von der grassierenden Perspektivlosigkeit unter den Jungen ganz zu schweigen) soll dieser Text nicht behandeln. Vielmehr wird aber immer klarer: Die Umwälzungen in Südeuropa sind entscheidend mitverantwortlich, dass die Euro-Zone strukturell wieder obenauf ist – als ganzes erwirtschaftete der Währungsraum im Februar den höchsten Handelsüberschuss jemals, wie Eurostat nun meldete. Dank des Plus von knapp 12 Mrd. Euro rechnen die Ökonomen des Londoner Researchhauses Capital Economics, dass der Überschuss in der Handelsbilanz im ersten Quartal bei rund 1,2 Prozent…

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FAZ, nimm das: Was die reichen Deutschen mit ihrem Ersparten tun sollten?

Vielleicht merkt es die FAZ auch einmal. Natürlich sind wir Deutschen gar nicht so arm, wie Wirtschaftsherausgeber Holger Steltzner uns weismachen will. Die Reichen in Deutschland sind einfach sehr viel reicher als die Reichen in Italien, Spanien oder Griechenland. Die aufgeheizte Debatte über die EZB-Vermögensumfrage lenkt nur davon ab, dass die Vermögenden Deutschlands (und vor allem die Banken, auf die sie vertraut haben) in den Jahren vor der Finanzkrise ihr Erspartes falsch angelegt haben. Nun ist das Gejammer groß, alle versuchen zu retten, was noch zu retten ist. Das Dumme ist nur, früher haben es die Vermögenden nicht gemerkt, wie die Banken ihr Erspartes falsch anlegen. Und jetzt merken sie wieder nichts: Die Verluste dieser kolossalen Fehlinvestition an den Rändern Eurolands kann man natürlich so weit wie es geht auf die ärmeren Volkswirtschaften abwälzen. (Wenn wir alle, auch die Armen, schon Eure Verluste aus Amerika tragen müssen.) Nur braucht man…

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Interpretationsschwierigkeiten in Spanien

Noch ein Nachtrag zum Kreditimpuls in Spanien. Ich hatte schon darauf hingewiesen, dass aus dem starken Einbruch, der hier zu sehen ist, keine direkten Schlussfolgerungen auf die Binnennachfrage gezogen werden dürfen. Hinzu kommt aber noch eine Besonderheit, auf die mich am Wochenende freundlicherweise David Milleker, Chefvolkswirt bei Union Investment, hingewiesen hat. Er schreibt: „Die spanischen Zahlen lassen sich am aktuellen Rand nicht vernünftig interpretieren. Der Grund dafür ist, dass die Zahlen für Kreditbestand wie auch -ströme durch die Übertragung auf die staatliche Bad Bank reduziert worden sind. Die Kredite gibt’s also schon noch, nur nicht bei den MFIs.“ MFI ist der Fachausdruck der EZB für monetäre Finanzinstitute (Kreditinstitute, Geldmarktfonds, Zentralbanken). In der Tat haben die verstaatlichten Banken Bankia, Banco de Valencia and Caixacatalunya bereits ein Portfolio von Immobilien und faulen Krediten im Wert von 50,45 Mrd. Euro an die spanische Bad Bank Sareb (formal keine Bank, sondern eine Abwicklungsgesellschaft) übertragen….

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Achtung: Kreditschock in Spanien!

(Bitte auch diesen Hinweis beachten, auf den am Ende dieses Beitrag noch einmal verlinkt ist.) Es ist schon traurig, wie derzeit in Deutschland einige Nebelkerzen (z.B. die EZB-Vermögensumfrage) den Blick auf das konjunkturelle Drama trüben, das sich vor unserer Haustür abspielt. Die folgende Grafik verspricht nichts Gutes für Spanien. Hier ist der Kreditimpuls des Privatsektors dargestellt. Zu sehen ist die Veränderung der Nettoneuverschuldung der privaten Haushalte und der Unternehmen (Kreditimpuls = orange) sowie die private Binnennachfrage (blau), also ohne den Staat. Der Kreditimpuls gibt an, wie stark die Kreditexpansion die Wirtschaftsleistung einer Volkswirtschaft treibt oder wie stark der Schuldenabbau die Wirtschaftsentwicklung bremst – eine ausführliche Erklärung findet sich hier. Nun gilt ähnlich wie in Italien, dass der  Zusammenhang zwischen Kreditimpuls und privater Binnennachfrage auch in Spanien nicht so eng ist wie er in großen Wirtschaftsräumen wie den USA und dem Euro-Raum so schön zu beobachten ist. Deswegen ist es eher…

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WikiSubjektiv: Was ist der Kreditimpuls?

Ohne Kredite geht nicht viel in modernen Volkswirtschaften. Unternehmen bekommen von der Bank einen Vorschuss, damit sie sich neue Maschinen kaufen können. Verbraucher legen sich Autos oder Möbel zu und strecken die Zahlungen dafür auf mehrere Jahre. Ohne den fortlaufenden Zustrom neuer Darlehen können wir uns das Wirtschaftsleben gar nicht mehr vorstellen. Ein Teil des jährlichen Bruttoinlandsprodukts kann sogar nur dann erzeugt wird, wenn Firmen und Haushalte irgendwoher neuen Kredit bekommen: sei es von Banken oder von Investoren am Kapitalmarkt. Lange schauten Ökonomen besonders aufmerksam darauf, wie sich die Verschuldung der Firmen und Haushalte veränderte. Doch gerade nach Konjunkturkrisen, so stellten Volkswirte fest, eilt das Bruttoinlandsprodukt dem  Kreditvolumen oftmals voraus. Das hat der argentinische Ökonom Guillermo Calvo bereits 2006 in einer Arbeit dargestellt. Selbst wenn die Volkswirtschaften ihre Krise längst überwunden hatten und schon wieder kräftig wuchsen, lahmte aber noch immer die Kreditvergabe – das Kreditvolumen sank noch eine Weile…

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„Mehr Solidarität mit Deutschland, bitte!“

Mit ihrer vergeblichen Suche nach den russischen Schwarzgeldmilliarden auf Zypern haben Bundesregierung und Opposition den Zyprern einen Bärendienst erwiesen. Klar, irgendeine Begründung brauchten sie ja für die brutale Depression, der jetzt auf der Insel droht. Es musste nur irgendwie plausibel klingen. Da kann es schon eine Zumutung sein, vielleicht einmal Leute zu befragen, die sich mit der Geschichte Zyperns auskennen. Leute wie den zyprischen Ökonomie-Nobelpreisträger Christopher Pissarides. Er hätte den deutschen Politikern so etwas erzählen können wie das hier: „After the Turkish invasion of 1974, when most of the agricultural and industrial base was lost, Cyprus decided to add business services to tourism as its principal export. Dual taxation agreements, lax immigration policies and low corporate taxes attracted business from the Middle East, the EU and Russia.“ Statt auf das Geschäftsmodell Zyperns einzuschlagen hätten sich Bundesregierung und die Troika-Spitzen vielleicht auch einmal mit dem Außenminister Zyperns, Ioannis Kasoulidis, unterhalten können,…

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