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Spanier und Italiener rennen dem Aufschwung hinterher

Im Frühjahr war die freudige Erregung groß. Sollten Länder wie Spanien oder Italien tatsächlich der Rezession entkommen? Sollte sie endlich langsam zu Ende gehen die Anpassungskrise – so nennen es die Austeritätszyniker –  ausgelöst durch harsche Ausgabenkürzungen und Einnahmesteigerungen der Regierungen. Zuvor hatte Brüssel die Austeritätsprogramme etwas aufgeweicht, nachdem die EZB die Finanzmärkte seit Sommer 2012 endlich beruhigt hatte.

Und schon schrumpfte die Wirtschaftsleistung der Krisenländer nicht mehr ganz so stark. Doch das alles könnte bald schon wieder vorbei sein, wie eine interessante Grafik von Christoph Weil, Volkswirt bei der Commerzbank, aus einem aktuellen Report von heute zeigt. Wir sehen hier die Wirtschaftsstimmung (Economic Sentiment Indicator (ESI) genannt), wie sie die EU-Kommission jeden Monat veröffentlicht:

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„So hat sich die Besserung in der Peripherie im Oktober nicht weiter fortgesetzt. Im Gegenteil, der ESI für die Peripherie fiel um knapp 2 Punkte. Maßgeblich hierfür waren starke Rücksetzer in Spanien (94,6 nach 96,8) und Italien (92,0 nach 94,0). Letzterer dürfte teilweise auf die Regierungskrise Anfang Oktober zurückzuführen sein“, schreibt Weil.

Ob daran auch eine straffere Fiskalpolitik in Rom und Madrid Schuld war, wie hier vermutet, wird sich noch zeigen. Zu vermuten ist es ja. Über die anhaltende Wirtschaftsschwäche in Spanien täuscht auch nicht hinweg, dass das Statistikamt in Madrid heute offiziell die Rezession für beendet erklärt hat, die ganze neun Quartale dauerte. Die Wachstumsrate lag im Sommer bei einem mageren Plus von 0,1 Prozent.

Die Binnenwirtschaft wird noch immer zusammengeschrumpft – um 0,3 Prozentpunkte dämpfte sie das Wachstum – nur der Exportüberschuss hält das Land noch irgendwie über Wasser. Aber wer weiß, wie lange noch, wenn der Euro weiter so aufwertet. Von Erholung, sinkenden Arbeitslosenquoten oder Schuldenständen kann also keine Rede sein. Oder wie Ben May, Volkswirt bei Capital Economics schreibt:

„The upshot is that while economic prospects are considerably better than a year ago, particularly in the external sector, domestic weakness is like to hold back any recovery in the wider economy. We are pencilling in a below consensus 0.5% contraction in GDP next year. Based on this, we expect the unemployment rate to remain around its current high levels for some time yet and public debt to continue to climb.“

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