Allgemein

 

Ein Staatsfonds für Deutschland (Daniel Gros und Thomas Mayer)

Daniel Gros und Thomas Mayer haben am Freitag in der FAZ einen Staatsfonds vorgeschlagen. Eine sehr sympathische Idee, wie ich bereits hier fand. Auch ohne die Kombination mit einem neuen „Bündnis für Arbeit“ – es wäre der richtige, der pragmatische Weg, den wir gehen müssen: Denn wir brauchen weniger Markt, jedoch ohne dabei in Elbphilharmonie- oder Flughafenstaatskapitalismus abzurutschen. Der Staatsfonds wäre in der Tat ein Mittel, mit dem die Deutschen irgendwie ihre Ersparnis sinnvoll anlegen und die Leistungsbilanzüberschüsse reduzieren könnten. Aber machen wir uns nichts vor, weniger Überschuss heißt auch, dass wir weniger exportieren werden. Denn bekommt das Ausland weniger Kredit von uns, kann es zugleich weniger Waren und Dienstleistungen von uns kaufen. Was jetzt zwar nicht so schlimm wäre, aber deswegen wohl auf großen Widerstand in Deutschland stoßen wird. Am Ende bleibt es dennoch eine demokratische Entscheidung der Gesellschaft! So nebenbei plädiere ich übrigens für Daniel Gros als Nachfolger…

Read More

Frau Merkel, beeindrucken Sie uns wie einst Willy Brandt, sagen Sie es doch einfach: „Wir wollen weniger Markt wagen!“

Martin Winterkorn hat gut aufgepasst in den Talk-Shows der vergangenen Jahrzehnte. Der VW-Chef findet die Verhandlungen von Union und SPD irgendwie gar nicht schön. „Global geht der Trend in die andere Richtung. In China beispielsweise sinkt der Einfluss des Staates auf die Wirtschaft“, war am Sonntag zu lesen. In der Tat, Chinas Führung bereitet derzeit die größten Marktreformen seit Anfang der 1990er Jahre vor. Doch was können wir daraus lernen? „In Theorie und Praxis hat sich erwiesen, dass der Markt der effizienteste Weg ist, die Ressourcen zu verteilen“, zitiert Stephen Green, Volkswirt bei der Standard Chartered Bank, aus einem Schreiben des Staatschefs Xi Jinping. Es wurde am Freitag, nur wenige Tage nach dem dritten Plenum der aktuellen ZK der Kommunistischen Partei – der wichtigsten Reformkonferenz seit 20 Jahren in China – veröffentlicht. Es liegt bislang leider noch nicht in englischer Übersetzung vor. Doch was ist das? Der Satz mag vielleicht…

Read More

Der Exporteinbruch nach China bleibt mysteriös

Die Bundesbank schaut sich in ihrem aktuellen Monatsbericht den Exporteinbruch deutscher Waren nach China etwas genauer an. Im Bericht findet sich auf Seite 50 ein Kasten „Zu den Ursachen für die jüngste Schwäche der deutschen Warenexporte nach China.“ Darin sehen wir eine sehr interessante Grafik: Dazu schreiben die Fachleute der Bundesbank: „Seit dem Frühjahr 2012 jedoch haben die deutschen Kfz-Exporte auf Monatsbasis deutlich nach unten tendiert.“ Und weiter: „Eine wesentliche Ursache dürfte gewesen sein, dass die deutschen Hersteller infolge von Kapazitätserweiterungen ihre Pkw-Fertigung in China im Vergleich zur Nachfrage über proportional stark – im Jahr 2012 um etwa 20% auf 2,9 Millionen Einheiten – erhöht haben. Dieser Trend scheint sich im laufenden Jahr fortgesetzt zu haben.“ Das klingt erst einmal soweit plausibel. Was aber weiterhin rätselhaft bleibt: Ich hatte Mitte des Jahres bereits dazu recherchiert und mir die Daten zu den Exporten jedes einzelnen der großen deutschen Autohersteller angeschaut. Und…

Read More

Herr Weidmann wandelt auf den Pfaden Heiner Flassbecks, weil wir Euroland destabilisieren

Wie wir im vorherigen Beitrag bereits gesehen haben, verdient Bundesbankchef Jens Weidmann für folgenden Satz eigentlich den Preis des „Tapeten-Kurt des Jahres“: „Die steigende Nachfrage nach deutschen Produkten kommt also vor allem aus Drittstaaten und diese Exporte stabilisieren die Partnerländer aus dem Euro-Raum auch über eine höhere deutsche Importnachfrage.“ Halten wir einen Moment inne und lassen diese Worte etwas wirken. Kann es vielleicht sein, dass wir Herrn Weidmann einfach nur missverstanden haben. Vielleicht wollte er die Öffentlichkeit gar nicht verwirren, vielleicht bereitet er ja nur klammheimlich einen intellektuellen Sinneswandel in der Bundesbank vor?: Mit einer höheren Nachfrage nach Importen aus dem Euro-Raum stabilisieren wir die Partnerländer im Währungsraum! Und umgekehrt: Mit weniger Nachfrage destabilisieren wir logischerweise also den Euro-Raum! Wie bemerkenswert ist das denn? Solche Sätze lesen wir doch bislang fast täglich vor allem auf Flassbeck-Economics.de und anderen kritischen Webseiten, oder bei den Gewerkschaften. Nun so was, aus der Bundesbank….

Read More

So stabilisieren deutsche Exporte die Partnerländer aus dem Euro-Raum (nicht)!

Unseren Hardlinern fällt wirklich nichts mehr ein. Wie lange muss man eigentlich in der ideologischen Mottenkiste kramen, um so abgestandene Glaubenssätze der reinen Marktlehre herauszufischen, wie sie Clemens Fuest gefunden hat. Eins muss man dem ZEW-Chef allerdings lassen. Er schaut sich wenigstens vorher noch die Daten zur Leistungsbilanz an, wenn er etwas darüber zu sagen hat. Aber was macht eigentlich unser Lieblingsdogmatiker Jens Weidmann? Der Bundesbankchef hielt diese Woche eine Rede, da sagte er das hier (meine Hervorhebung): „Im Übrigen haben sich die Leistungsbilanzsalden zwischen den Ländern der Währungsunion in den letzten Jahren bereits deutlich verschoben. Deutschland hat zwar nach wie vor einen hohen Überschuss. Dieser besteht aber vor allem gegenüber Ländern außerhalb der Währungsunion. Gegenüber dem Euro-Raum hat sich der Überschuss von 2009 bis 2012 in etwa halbiert. Die steigende Nachfrage nach deutschen Produkten kommt also vor allem aus Drittstaaten und diese Exporte stabilisieren die Partnerländer aus dem Euro-Raum…

Read More

„Wir bauen auf und tapezieren nicht mit – Wir sind sehr stolz auf Katarina Witt“

Unsere Freunde aus dem Klub der reinen Marktlehre kriegen sich gar nicht mehr ein. Die ganze Welt kritisiert schon wieder die Deutschen für ihre hohen Leistungsbilanzüberschüsse. Was erlauben die sich denn, da draußen? In unseren Medien lesen wir zum Glück auch von vernünftigen und pragmatischen Wirtschaftsressortleitern, denen es langsam auch unheimlich wird, was wir Deutschen in der Welt so anrichten. Und langsam fällt unseren Freunden aus dem Klub der reinen Marktlehre auch nichts mehr ein, womit sie Deutschlands Kapitalüberschwemmung in der weiten Welt noch rechtfertigen können. Da wäre zum Beispiel Clemens Fuest, der ZEW-Präsident. Der Professor sagt: „Die Idee, auf Außenhandelsüberschüsse mit mehr inländischen Investitionen zu reagieren, [ist] abwegig. Investieren soll man, wenn die Rendite stimmt, unabhängig vom Außenhandelssaldo.“ Hmm, schon klar, Herr Fuest. Genau das haben die Spanier gemacht, als sie in ihren Immobilienboom investiert haben. Genau das haben die Amerikaner getan, als sie fragwürdige Finanzprodukte gekauft haben, die…

Read More

Keine Sorge: Bald werden die Mindestlohnwirrheiten des Jens Weidmann aufhören

Die Entgleisungen aus Frankfurt-Bockenheim werden immer wirrer: „Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in den südlichen Krisenländern des Euro-Raums hängt auch mit den Mindestlöhnen zusammen“, sagte Bundesbankchef Jens Weidmann am Mittwoch bei einer Rede in Darmstadt. Denn es bestehe das Risiko, dass Unternehmen in Aufschwungsphasen weniger neue Arbeitskräfte einstellen. Von welchem Aufschwung träumt der Mann eigentlich. Die Binnenwirtschaft Spaniens steckt noch immer in einer bitteren und (gewollten) Rezession! Wir können uns trefflich über die Auswirkung eines Mindestlohns streiten. Aber bitte nicht auf diesem Niveau. Wer geglaubt hat, dass mit den Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag endlich wieder etwas Vernunft in die wirtschaftspolitische Debatte einkehrt, der wird derzeit nur enttäuscht. Aber ein Trost bleibt uns – das ist der Paragraph 12 des Bundesbankgesetzes: § 12 Verhältnis der Bank zur Bundesregierung Die Deutsche Bundesbank ist bei der Ausübung der Befugnisse, die ihr nach diesem Gesetz zustehen, von Weisungen der Bundesregierung unabhängig. Soweit dies unter…

Read More

Spanier und Italiener rennen dem Aufschwung hinterher

Im Frühjahr war die freudige Erregung groß. Sollten Länder wie Spanien oder Italien tatsächlich der Rezession entkommen? Sollte sie endlich langsam zu Ende gehen die Anpassungskrise – so nennen es die Austeritätszyniker –  ausgelöst durch harsche Ausgabenkürzungen und Einnahmesteigerungen der Regierungen. Zuvor hatte Brüssel die Austeritätsprogramme etwas aufgeweicht, nachdem die EZB die Finanzmärkte seit Sommer 2012 endlich beruhigt hatte. Und schon schrumpfte die Wirtschaftsleistung der Krisenländer nicht mehr ganz so stark. Doch das alles könnte bald schon wieder vorbei sein, wie eine interessante Grafik von Christoph Weil, Volkswirt bei der Commerzbank, aus einem aktuellen Report von heute zeigt. Wir sehen hier die Wirtschaftsstimmung (Economic Sentiment Indicator (ESI) genannt), wie sie die EU-Kommission jeden Monat veröffentlicht: „So hat sich die Besserung in der Peripherie im Oktober nicht weiter fortgesetzt. Im Gegenteil, der ESI für die Peripherie fiel um knapp 2 Punkte. Maßgeblich hierfür waren starke Rücksetzer in Spanien (94,6 nach 96,8)…

Read More

Bockenheimer Ampelmännchen springen im Quadrat oder Gott ist eine Regel – Streit ums OMT-Programm (Teil V)

Eigentlich kommt der Vergleich schon ziemlich abgedroschen daher. Nicht wenige wichtige Deutsche glauben, mit Regeln die Währungsunion retten zu können – das wurde öfter damit verglichen, wie unsere Regierung am liebsten überall in Europa Ampeln aufstellen würde. In Kolumnen des Chefökonomen einer verflossenen Wirtschaftszeitung, in Kommentaren oder in Blogs – da war der Vergleich auch schon einmal originell. Allerdings so vor gefühlten 100 Jahren. Irgendwo in Frankfurt-Bockenheim glauben sie immer noch daran und sie lieben auch diesen Vergleich. Daher bleiben wir zunächst im Bild: Ein wichtiger Deutscher, Bundesbankchef Jens Weidmann, lehnt bekanntlich das OMT-Programm ab. Wie bereits im ersten, zweiten, dritten und vierten Teil dieser Serie beschrieben, läuft dieser Widerstand aber auf nichts anderes hinaus als das hier: Angenommen eine Oma wird auf einer Kreuzung von einem Auto angefahren und bleibt blutüberströmt auf der Straße liegen. Sie bräuchte dringend Hilfe, sonst stirbt sie vielleicht sogar – man weiß es nicht…

Read More
%d Bloggern gefällt das: