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Amerikas Profitabilität sinkt nicht nur relativ, die Gewinne schrumpfen jetzt auch absolut

Wie ich heute im WirtschaftsBlatt geschrieben habe, bekamen wir heute tatsächlich interessante Daten zur weiteren Konjunkturentwicklung in Amerika vorgelegt. Die Statistiker haben die Gewinne für das dritte Quartal veröffentlicht. Das interessanteste dabei war, dass die operative Gewinnsumme der nicht-finanziellen Unternehmen (nach Abschreibungen, vor Steuern, Zinsen und anderen Vermögensauszahlungen) jetzt auch wieder im Vorjahresvergleich sinkt. Es war das erst Mal seit dem ersten Halbjahr 2014, dass dies wieder passiert ist. Der Sondereffekt der gesunkenen Ölpreise, der die Kosten der Unternehmen entlastet und die Kaufkraft der Verbraucher vorübergehend gebessert hat, dieser Sondereffekt lässt nach. Die Investitionsdynamik aber auch. Dabei dürfte der Rückgang der Gewinne diesmal nicht so schnell aufhören, denn die Profitabilität lässt eh wieder stärker nach, was unweigerlich bald in eine Rezession münden müsste, wie wir hier hergeleitet haben. In dieser Grafik sehen wir jetzt den Trend, also in laufenden Jahressummen. Vergessen wir dabei nicht: Wenn der Kapitalstock schneller wächst als…

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Der Anfang vom (Zyklus-)Ende: Amerika rutscht in die nächste Rezession

Nun ist es also passiert, was ich schon länger erwartet hatte, wofür ich schon öfter auf Twitter leise kritisiert und als bitterböser Schwarzmaler gebrandmarkt wurde. Die Investitionsdynamik in Amerika lässt nach. Konkret: Die Nettoinvestitionsquote der privaten US-Unternehmen lag im Sommer zum ersten Mal seit Anfang 2010 wieder unter dem Niveau ein Jahr zuvor. Das ergaben die ersten und vorläufigen Schätzungen zum Bruttoinlandsprodukt der USA im dritten Quartal. Auf den ersten Blick mag eine Rezessionswarnung dieser Tage und Wochen absurd wirken. Sank doch die US-Arbeitslosenquote zuletzt auf ein Tief in diesem Zyklus (5,0 Prozent). Die Mitglieder des Offenmarktausschuss der US-Notenbank Federal Reserve scheinen die Märkte seit Wochen auf eine Zinserhöhung im Dezember vorzubereiten – wenn auch zuletzt wieder mehr zweifelnde Stimmen erklangen, die die Markterwartungen hin- und herschaukeln lassen. Klar ist aber, dass die Arbeitslosenquote – egal wir akkurat sie die Arbeitslosigkeit misst – nach einem Tief eben wieder anfängt zu…

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Aus meinem Wochenendhäuschen in der Karl-Marx-Allee: Warum gibt es Wirtschaftskrisen?

Seit dem Sommer 2014 betrachten wir hier im Blog volkswirtschaftliche Bewegungen auf etwas unübliche Art und Weise (zuerst in dieser Serie [eins, zwei, drei] und zuletzt hier). Denn anders als oft gelehrt oder vermutet, erklärt sich das regelmäßige Auf und Ab der Wirtschaft keinesfalls daraus, dass Märkte von angenommenen Gleichgewichtslagen abweichen. Selbst Schocks sind selten die entscheidenden Treiber der Konjunkturschwankungen, wie wir in diesem Beitrag sehen werden. Hier wollen wir uns anschauen, wie diese Schwankungen aus der eigenen Dynamik der Marktwirtschaft entspringen. Schocks verstärken dabei eine nahende Krise, sie bringen sie am klarsten zum Vorschein und sie lösen Rezessionen oft auch erst aus. Aber sie sind niemals die alleinige Triebkraft konjunktureller Entwicklungen. Seien es stark steigende oder fallenden Rohstoffpreise, plötzliche Änderungen im Zinsniveau und der globalen Kapitalflüsse oder aber platzende Kredit- und Aktienkursblasen. Die Grunddynamik lässt sich bereits klar erkennen, wenn wir uns die Investitionsquote eines Landes anschauen – und…

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Deutschland und Österreich spüren die Depression in Teilen Eurolands

Bei deutschen Herstellern von Maschinen und anderen Investitionsgütern lief bis zum Sommer noch alles super. Aus dem Ausland kamen Monat für Monat jede Menge neue Aufträge herein, besonders viele aus dem Euroraum. Die kurze Rezession vor zwei Jahren – ausgelöst durch harsche Sparprogramme der Regierungen – schien endlich vergessen. Die EZB half dabei mit ihren Liquiditätsspritzen, den Euro abwerten zu lassen, der eingebrochene Ölpreis senkte die Produktionskosten. Was zum Konjunkturglück in Deutschland nur noch fehlte: dass der Exportboom endlich auch die Investitionsdynamik im Inland anspringen lässt. Darauf müssen die Deutschen nun aber noch länger warten. Denn die jüngsten Daten legen nahe, dass die Investitionsdynamik im Sommer das dritte Quartal in Folge an Schwung verlor. Sicherlich ist es zu früh, Krisenwarnungen zu verbreiten. Beunruhigend wirkt jedoch das konjunkturelle Auseinanderdriften im Euroraum: In den größeren Volkswirtschaften beschleunigen sich die Neuinvestitionen nur in Spanien und den Niederlanden. In Frankreich sinkt die Nettoinvestitionsquote bereits…

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Meine Stimme aus Wien: Von Rezessionsauguren ohne Jobangst und dem einzigen Sinn einer Zinserhöhung in den USA

Das britische Wochenmagazin „Economist“ zitierte neulich einen Investmentbanker mit bemerkenswerten Sätzen: „Ich sage nie eine Rezession voraus. Wenn ich recht behalte, wird es mir niemand danken; wenn ich falsch liege, werde ich gefeuert.“ Wenig Sorgen um seinen Job macht sich dagegen Willem Buiter, Chefvolkswirt bei der Citigroup. Vielleicht muss man jahrelang im Zentralbankrat der Bank von England verbracht und Kolumnen in der „Financial Times“ geschrieben haben, um die Gepflogenheiten seiner Zunft einfach ignorieren zu können. Jedenfalls sagte Buiter erst vor wenigen Wochen eine moderate globale Rezession (Link zum pdf der Citi via Buiters Webseite) für die zweite Hälfte des Jahres 2016 voraus. (Siehe auch: What Is A (Global) Recession?) Na, so was. Reden wir nicht darüber, dass die US-Wirtschaft so robust wächst, dass sie längst wieder höhere Zinsen verkraften könne. Banken und Versicherungen fiebern ohnehin höheren Zinsen entgegen, die sie endlich wieder mehr Geld verdienen lassen. Das sieht der Ökonom…

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China überholt die USA beim Schuldenmachen

Zur Verschuldung in China gibt es viele Berechnungen und Schätzungen, die mitunter stark voneinander abweichen. Klar ist nur eins, dass außerhalb der Finanzbranche die Schulden der Chinesen explosionsartig seit der Finanzkrise von 2007 bis 2009 gestiegen sind. Wie stark zeigen jetzt neue Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Demnach übertraf die Gesamtkreditvergabe in China im ersten Quartal dieses Jahres erstmals die in den USA, wie meine Recherche für das WirtschaftsBlatts ergab. Haben sich in den USA alle staatlichen und privaten Haushalte sowie die Unternehmen außerhalb der Finanzbranche Gelder im Wert von 234,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausgeliehen, waren es in China 240,4 Prozent. Beide Wirtschaftsräume wurden allerdings vom Euro-Raum übertroffen, wo die Verschuldung bei 259,4 Prozent lag. Diese Zahlen berücksichtigen allerdings nicht die Vermögenswerte der Schuldner. Steigt die Bruttoverschuldung innerhalb weniger Jahren kräftig, kann dies dennoch Hinweise darauf gegeben, dass es sehr schnell zu vermehrten Zahlungsausfällen und Finanzkrisen kommen kann….

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Diesen Horrortrip wollte Syriza beenden, bis Dr. Schäuble kam und sagte: Griechenland ist auf einem guten Weg

Was wir Bundesfinanzminister Dr. Schäuble und seinem Chefökononen Ludger Schuknecht zu Gute halten sollten? Beide haben sich bei ihrer Einschätzung der Wirtschaftsentwicklung Griechenlands nicht auf eigene Prognosen verlassen, sondern auf die des Internationalen Währungsfonds (IWF). Und der sagte im Oktober 2014 tatsächlich ein Wachstum von 2,9 Prozent für das Jahr 2015 voraus. Noch heute wundert sich aber Herr Schuknecht genau wie sein Hausherr: „War Griechenland Ende des Jahres 2014 nicht auch auf einem guten Weg, so alle Prognosen verschiedener internationaler Organisationen?“ Vielleicht wäre die Verwunderung nicht so groß gewesen, hätten sich die Herren die Trefferquote des IWF und anderer Organisationen seit 2010 für Griechenland doch etwas genauer angeschaut. Oder aber, den beiden Finanzaufsehern und ihren Mitarbeitern ist Griechenland mittlerweile sowas von egal, dass sie sich schon lange nicht mehr um die Zahlen scheren. Wir wissen das heutzutage ja nicht mehr so genau. Fakt ist, dass mit dem Wissensstand der vergangenen…

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Wie die EU-Förderpolitik die Konjunktur Griechenlands abwürgt oder das Märchen vom 35 Mrd. Euro-Investitionspaket

Wir erinnern uns noch alle an den aufgeregten Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker. Kurz vor Abbruch der Verhandlungen mit Griechenland Ende Juni will er Alexis Tsipras ein Investitionsprogramm von 35 Mrd. Euro versprochen haben. Das hörte sich auf den Blick sehr großzügig an, gerade für ein Land, in dem seit 2010 der Kapitalstock schrumpft, weil die Griechen abgenutzte Maschinen und Anlagen nicht mehr vollständig ersetzen. Geht doch die Kommission selbst davon aus, dass der Kapitalstock noch bis mindestens 2016 schrumpfen wird. Um sich das Ausmaß der Vernichtung von Produktionskapazitäten in Griechenland vorzustellen, genügt eine Zahl: Umgerechnet auf Deutschland würden hier 600 Mrd. Euro an Kapital und tausende Jobs bis 2016 verloren gegangen sein. Auch die EU-Mittel für Griechenland schrumpfen Jede Anschubfinanzierung scheint also mehr als willkommen, um die ökonomische Depression in Griechenland endlich zu beenden. Mittlerweile wissen wir aber, dass diese versprochenen EU-Mittel großteils aus den vorhandenen europäischen Struktur- und Investitionsfonds stammen,…

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Eine katastrophale Währungsunion

Am Abend, bevor es erstmals die D-Mark gibt, finden ein paar Ostberliner die Euphorie in ihrer Stadt ganz schön anstrengend. Ein kleiner Trupp jugendlicher Partygänger schlängelt sich durch die Menschenmassen, die sich seit Stunden vor dem Haus der Elektroindustrie drängen. Genau hier wird gleich die erste Filiale der Deutschen Bank ihre Türen öffnen und Westgeld ausgeben. Los, schnell weg hier, leichte Panik kommt auf, die vier Jungs und Mädchen verschwinden durch die Neubauschluchten am Alexanderplatz Richtung Norden. Die Straßen durchzieht eine irre aufgeheizte Stimmung, ein bisschen wie Silvester, nur mitten im Sommer. Raketen werden abgefeuert, Sektflaschen gereicht, Autos fahren hupend hin und her, und auch Leute mit Deutschland-Fahnen sind gekommen. Dabei spielt die westdeutsche Fußballmannschaft ihr WM-Viertelfinale gegen die Tschechoslowakei erst einen Tag später, am 1. Juli 1990 in Mailand. Der erste großdeutsche Feiertag beginnt chaotisch. Um Mitternacht hören rund 300 Reporter und Fotografen, wie ein Banksprecher der grölenden Menge…

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Was wäre hier wohl los, wenn Deutschland in sechs Jahren 600 Mrd. Euro an Produktionskapazitäten verlieren würde? Und sie wissen genau, wie sie Griechenland ökonomisch zerstören

Selbst wohlwollende Beobachter atmeten auf. Griechenlands Premier Alexis Tsipras hat vorige Woche seinen standfesten Finanzminister Yanis Varoufakis aus der direkten Schusslinie der Verhandlungen mit der Euro-Gruppe zurückgezogen. Nun sei die Tür für den herbeigesehnten Kompromiss wieder einen Spalt weit offen. Manchmal hören wir auch, Frau Merkel oder Herr Schäuble hätten insgeheim längst erkannt, wie ihre Austeritätsrezepte Griechenland und andere Krisenländer ruiniert haben. Wenn da nur nicht die Wähler daheim wären, denen demonstriert werden müsse, dass die Griechen den reicheren Gläubigernationen nicht auf der Nase herumtanzen dürfen. Die Griechen, die Jahrzehnte über ihre Verhältnisse gelebt haben und dabei Korruption und Misswirtschaft gedeihen ließen. Wie in Kriegszeiten Wenn Athen wenigstens formal die Reform- und Sparauflagen akzeptierte, sei noch viel Spielraum vorhanden, heißt es auch gern, dann könnten die Vorgaben bei der konkreten Umsetzung wie schon 2014 etwas gelockert werden. Doch genau hier liegt ein Trugschluss vor. Auch im vorigen Jahr gab es…

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