Allgemein

 

Amerikas Überhitzung im Zeitalter mageren Wachstums

Die alles entscheidende Frage für die Weltwirtschaft in diesem Jahr lautet: Rutscht Amerika in die Krise/Stagnation/Depression oder kann die größte Volkswirtschaft der Welt noch Monate oder sogar Jahre den nächsten Abschwung hinauszögern? Wer die Meldungen vom Arbeitsmarkt oder von den Einkaufsmanagerbefragungen verfolgt, für den sieht natürlich noch immer alles rosig und nach Aufschwung aus. Genau so schreiben wahrscheinlich viele Volkswirte in Banken und Instituten ihre Prognosen einfach aus der Vergangenheit fort. Ein all zu oberflächliches Rätselraten, wie es scheint. Tatsächlich sah es 2014 auf den ersten Blick natürlich gar nicht so schlecht aus. Bei Barclays schätzen sie derzeit in ihrem Live-Tracking der monatlichen Konjunkturdaten ein Wachstum von 3,4 Prozent für das Schlussvierteljahr 2014 (nach 4,6 Prozent im Frühjahr und 5,0 Prozent im Sommer). Wie in den USA üblich sind die 3,4 Prozent eine auf das Gesamtjahr hochgerechnete Rate – nach europäischer Rechenweise wäre dies immerhin ein beachtliches Quartalsplus von 0,8…

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Meine Stimme aus Wien: Der traurige zweite Maidan

Eigentlich wollte ich 2014 nichts mehr zur Ukraine schreiben, dann habe ich für das Wirtschaftsblatt doch noch einen Rückblick gemacht, der hier weiter unten zu lesen ist. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Verschwörungstheorien, die besagen, dass der Euro-Maidan im November 2013 und der zweite Maidan danach von amerikanischen Geheimdiensten und bestimmten Oligarchen orchestrierte Proteste waren. Dafür fehlen natürlich alle Beweise. Fakt ist aber, dass die Bevölkerung unzufrieden war mit dem alten, korrupten Regime. Fakt ist auch, dass die Umsturz-Regierung nicht überall im Land unterstützt wurde. Und es geht nicht darum, Putin zu verstehen oder das russische Agieren zu rechtfertigen. Doch jeder konnte seit 2008 wissen, dass Russland so reagieren wird, wie es reagiert hat. Die Naivität, die Europas Spitzenpolitiker öffentlich zur Schau stellen, ist für mich nur schwer zu ertragen – genau wie die lächerliche Propaganda aus Moskau und die wachsende Repression in Russland. *** Als Frank-Walter Steinmeier kurz…

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Trübe Aussichten für Deutschland im neuen Jahr

Was so ein sinkender Ölpreis alles in der deutschen Autoindustrie anrichten kann (und in so manchen Köpfen unserer lieben Konjunkturbeobachter). Um 20 Prozent stiegen die Neubestellungen von Kraftwagen und Kraftwagenmotoren im Oktober im Vergleich zum Vormonat – und zwar aus Deutschland. Aus dem Ausland gab es immerhin noch ein Plus von 9 Prozent. Erste Ökonomen blicken daher bereits vorsichtig optimistisch auf den Beginn des neuen Jahres, dann könne die konjunkturelle Schwächephase in Deutschland überwunden sein, war dieser Tage öfter zu lesen. Nun ist es aber so, dass ein größerer Autoabsatz noch lange nicht dafür spricht, dass die Autokonzerne nun sofort ihre Kapazitäten ausweiten und damit die Investitionen in Deutschland wieder anziehen werden. Klar dürften die Betriebe in nächster Zeit ihre Auslastung hochfahren und vorübergehend sogar mehr Leute einstellen – was tatsächlich mehr Nachfrage nach Konsumgütern bedeuten würde, wenn diese Beschäftigten mehr verdienen als sie jetzt bekommen. Doch wenn wir von…

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Der sinkende Ölpreis wird nicht lange helfen, die US-Wirtschaft vor der Krise zu bewahren

Nach den jüngsten Zahlen zum US-Bruttoinlandsprodukt bekam ich wieder einmal viel Häme ab von den lieben Kollegen (hier beim Wirtschaftsblatt in Wien). Wo sie denn nur bliebe, die Rezession, vor der seit dem Sommer in diesem Blog gewarnt wird. Auf Twitter attestiert man mir schon lange einen gewissen Realitätsverlust angesichts der doch so tollen Konjunkturdaten aus Amerika. Und in fast allen Prognosen der Banken ist zu lesen, die „US-Wirtschaft ist robust genug, dass selbst die butterweiche Fed die lockere Geldpolitik beendet.“ (Commerzbank). Institutsökonomen sprechen sogar davon, dass eine „kräftige Expansion in den USA“ im nächsten Jahr bevorsteht. Doch wenn wir uns weiterhin die richtigen Charts anschauen, spricht noch immer nichts dafür, dass am Ausblick vom Juli auch nur ein Wort geändert werden muss. Denn der Trend hat noch immer nicht gedreht – trotz der jüngsten Minierholung der Gewinnmargen. Wie hieß es hier damals im Blog: „Wir müssen uns in Europa…

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Meine Stimme aus Wien: Euroland weiter auf Harakiri-Kurs

Mein Leitartikel aus dem Wirtschaftsblatt vom 5. November 2014: Die EU-Kommission beklagt in ihrer Herbstprognose die schleppende Erholung im Euroraum. Die Investitionen hätten sich nicht als starker Konjunkturmotor erwiesen, schreiben die Fachleute. Nachdem sie im Frühjahr ein Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent für dieses Jahr vorausgesagt hatten, sollen es jetzt nur noch 0,8 Prozent werden. Die Zahlen sind erschreckend, auch nach der jüngsten Umstellung der Statistik, die jetzt Forschungs- und Verteidigungsausgaben zu den Investitionen zählt. Die privaten Unternehmen werden 2013 und 2014 jeweils so wenig für die Erweiterung ihres Kapitalstocks ausgegeben haben, dass diese Summe nur noch 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. 2015 soll es kaum besser werden. Diese äußerst mickrigen Quoten sagen nichts anderes, als dass der Euroraum nur haarscharf an einer Kapitalvernichtung vorbeischlittert. Dabei lag die private Nettoinvestitionsquote in den Jahren 1995 bis 2008 im Schnitt bei 5,6 Prozent, selbst in Schwächephasen rutschte sie nie unter 4,7 Prozent. Wenn…

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Die letzten Zuckungen des Ultra-Neoliberalismus und der Austeritätsschock in Amerika

Foto: Flickr (Kevin Dooley) / (CC BY 2.0) Einige Leute zerbrechen sich den Kopf über die US-Wirtschaft. Sie fragen sich, warum das Wachstum in diesem Aufschwung so schwach geblieben ist und warum die Löhne nicht anziehen, wo die Arbeitslosenquote doch stark gesunken ist? Und diese Leute finden dann oft viele Gründe, warum Amerikas Wirtschaft rund ein Prozentpunkt weniger wächst als im vorherigen Aufschwung. Es fehlten einfach neue Innovationen, es werde zu wenig investiert, heißt es dann mitunter. Oder die Privathaushalte nehmen zu wenig Kredit auf. Doch selbst wenn etwas dran sein sollte, so richtig überzeugen können diese Erklärungsversuche nur wenig. Viel eher ist es so, dass die Regierung in den USA seit Jahren nichts anderes tut, als das Lohnwachstum der Beschäftigen im Keim zu ersticken. Die Logik dahin ist klar und einfach: Eine sinkende öffentliche Nachfrage lässt es gar nicht erst dazu kommen, dass die Löhne stärker steigen können. Solch…

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Was wirkt mehr: 500 Milliarden Liquidität oder 50 Milliarden Nachfrage?

Es ist wirklich absurd, was in den Köpfen von Regierenden und Notenbankern vor sich geht. Jetzt will die EZB den Banken 500 Milliarden Euro leihen, damit die Kreditversorgung in der Wirtschaft wieder anspringt. Unternehmen brauchen aber nur dann Kredit, wenn irgendjemand ihre Produkte kauft, die Gewinne steigen und sie deswegen wieder anfangen zu investieren. Das ist alles ganz einfach. Euroland braucht einfach einen Aufschwung, dann braucht es auch keine sinkenden Löhne, um die Gewinne steigen zu lassen und Schulden abzubauen. Schauen wir auf diese neun Euro-Länder: Belgien, Irland, Spanien, Frankreich, Italien, Niederlande, Österreich, Portugal, Finnland. Die Regierungen dieser Ländern sind zwar 2013 etwas davon abrückt, ihre Ausgaben wie wild zusammen zu streichen. Nach einem Minus im Vorjahr von 20 Mrd. Euro ging es 2013 leicht aufwärts mit einem Ausgabenplus um 6 Mrd. Euro. Das ergab einen Fiskalimpuls von 26 Mrd. Euro (6 Mrd. minus -20 Mrd.). Wir reden hier nicht…

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Sie läuft, die Katastrophe im Euro-Raum

Gut, die EZB versucht noch alles, um das Euroland vor der Rezession zu retten. Glauben wir den neuesten Zahlen zum Auftragseingang in der deutschen Industrie ist es dafür aber wohl längst zu spät. Notenbanker und Regierungen können die verschärfte Krise nur noch abfedern. Dürfen wir bereits die Wochen zählen, bis auch die Berliner Regierung den Notstand eingesteht? Vorbereitet sind sie ja wohl halbwegs, wie wir diese Woche in der „Zeit“ lesen können – dazu später mehr. Schauen wir uns also die Neubestellungen von deutschen Investitionsgütern an, sinnvollerweise als Jahresraten der laufenden Dreimonatsdurchschnitte und ohne Großaufträge – es geht um den langfristigen Trend. Der eine starke Monat in Juli hat nicht ausgereicht, dass wir auch nur den Hauch einer Trendwende im Euro-Raum spüren. Bei den Neuaufträgen aus dem Rest Eurolands ging es weiter abwärts von minus 0,8 und auf minus 1,2 Prozent im Juli. Noch sind wir zwar von Rückgängen wie…

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Verwirrung um Amerikas Einkaufsmanager

Vielleicht wundert sich jemand, wie man nur so pessimistisch gegen den Strom schwimmen kann und all die klugen Berichte der Analysten in den Banken ignoriert, die derzeit doch nur eins zeigen: Der US-Wirtschaft geht es super, der Aufschwung in Amerika gewinnt an Fahrt – egal was da gerade in Europa passiert oder sonst wo auf der Welt. Der Einkaufsmanagerindex des ISM-Instituts für die US-Industrie ist doch gerade erst auf 59 Punkte gestiegen – größter Wert seit März 2011 und deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Wachstum voraus, so der Ausblick, den wir fast täglich zu hören und lesen bekommen. Morgan Stanley rechnet mit fünf weiteren Jahren Aufschwung – auch wenn der nicht üppig ausfallen soll. Aber 50 Prozent Kurssteigerungen im S&P500 dürften ja wohl noch drin sein bis Ende des Jahrzehnts, hieß es gestern. Nun sollten wir eine Rally an den Börsen wie Mitte der 90er Jahre zwar nicht…

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US-Aufschwung steht weiterhin auf der Kippe

Die Rezessionsgefahr oder das Risiko, dass die US-Wirtschaft in eine Stagnation abrutscht, ist noch immer nicht gebannt. Das zeigt die zweite Schätzung zu den Wachstumszahlen in Amerika, mit der jetzt auch die Gewinne aus dem zweiten Quartal vorliegen. Bei nichtfinanziellen Unternehmen im Inlandsgeschäft sind sie im Frühjahr zwar kräftig angezogen. Nach drei Rückgängen in Folge stiegen die Profite um 10,6 Prozent im einfachen Quartalsvergleich – im Winter gab es noch einen Einbruch um 7,6 Prozent. Gleichwohl braucht jetzt niemand anfangen, von einem ewigen Aufschwung in den USA zu träumen – das sollte man sowieso nie. Bemerkenswert ist dennoch, dass mittlerweile die Gewinne wieder 1,4 Prozent über dem Niveau des zweiten Quartals 2013 liegen. Wie wir in den vergangenen Wochen (hier und hier) gesehen haben, sollten wir aber besser auf die durchschnittliche Gewinnquote oder –marge (vor Zinsen und Steuern) schauen. Denn die Veränderungen des Profitanteils am Gesamteinkommen (Bruttoinlandsprodukt) sagt mehr über…

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