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Deutschland und Österreich spüren die Depression in Teilen Eurolands

Bei deutschen Herstellern von Maschinen und anderen Investitionsgütern lief bis zum Sommer noch alles super. Aus dem Ausland kamen Monat für Monat jede Menge neue Aufträge herein, besonders viele aus dem Euroraum. Die kurze Rezession vor zwei Jahren – ausgelöst durch harsche Sparprogramme der Regierungen – schien endlich vergessen. Die EZB half dabei mit ihren Liquiditätsspritzen, den Euro abwerten zu lassen, der eingebrochene Ölpreis senkte die Produktionskosten. Was zum Konjunkturglück in Deutschland nur noch fehlte: dass der Exportboom endlich auch die Investitionsdynamik im Inland anspringen lässt.

Darauf müssen die Deutschen nun aber noch länger warten. Denn die jüngsten Daten legen nahe, dass die Investitionsdynamik im Sommer das dritte Quartal in Folge an Schwung verlor. Sicherlich ist es zu früh, Krisenwarnungen zu verbreiten. Beunruhigend wirkt jedoch das konjunkturelle Auseinanderdriften im Euroraum: In den größeren Volkswirtschaften beschleunigen sich die Neuinvestitionen nur in Spanien und den Niederlanden. In Frankreich sinkt die Nettoinvestitionsquote bereits seit Ende 2014 jedes Quartal stärker als zuvor. In Italien ersetzt die Volkswirtschaft schon seit 2012 genau wie in Griechenland und Portugal nicht einmal den abgeschriebenen Kapitalstock.

Ein sinkender Gesamtwert des Kapitalstocks könnte eigentlich die Grundlage für einen Aufschwung in diesen Ländern legen, so würden wohl auch unsere liberalen Marktanhänger einer bitteren Bereinigungsdepression wie in den 1930er Jahren argumentieren. Nur fehlt mir momentan angesichts der Abschwächung der Weltkonjunktur jede Hoffnung darauf. Überhaupt gab es auch einmal Zeiten, da war es gesellschaftlicher Konsens in der sozialen Marktwirtschaft, dass eine bewusste Herbeiführung einer langanhaltenden Depression durch die Wirtschaftspolitik nur als verachtungswürdig, wenn nicht sogar als kriminell, angesehen werden kann.

Kein Wunder, dass auch die Investitionsdynamik in einem so stark vom Export lebenden Land wie Österreich nicht wirklich anspringt. So kann sich auch die Produktivität nicht verbessern, einen Aufschwung können wir hier höchstens erahnen. Zugleich haben die Österreicher aufgehört, ihre Verschuldung abzubauen. Bei den Unternehmen liegt sie fast wieder auf Rekordniveau, bei den Privathaushalten zieht sie seit Ende 2014 markant an. Neue Schulden ohne Investitionen – das lässt jedenfalls nichts Gutes für die nahe Zukunft erwarten.

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