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Pflichtlektüre für den Sommerurlaub eines jeden Standortstrategen: Hier kommt die richtigste Agenda für Deutschland!

Aus Berlin kommen derzeit hervorragende Vorschläge. Am Mittwoch wird zum Beispiel das DIW eine hochinteressante Studie veröffentlichten. Darin fordern die Institutsökonomen eine Investitionsagenda für Deutschland. Der Grund: Die deutschen Investitionen zählen gemessen an der Wirtschaftleistung zu den niedrigsten weltweit. Einige Details stehen bereits im Netz oder werden wir am Dienstag einigen Zeitungen irgendwo ganz unten auf den hinteren Seiten versteckt lesen können. Dann lieber gleich hier im neuen Blog von DIW-Chef Marcel Fratzscher, wo man auch schon eine vorläufige Version des Wochenberichts herrunterladen kann.

Dass ich damit jede Zeitung auf Seite 1 aufmachen würde  – das dürfte wohl keinen Leser dieses Blog überraschen. Ein spannender und interessanter Punkt vorab: Das DIW erkennt eine  Lücke bei staatlichen und privaten Investitionen von 75 Mrd. Euro pro Jahr in Deutschland. Wenn wir diese schließen könnten, würden wir wenigstens in der Investitionsquote zum Durchschnitt des Euroraums aufschließen, heißt es beim DIW. Rein zufällig sind die 75 Mrd. Euro aber genau der Betrag, den auch die BIZ am Sonntag genannt hatte. Dabei ging es allerdings um den Betrag, den wir Deutschen mittlerweile weniger an Zinsen und Tilgungen zahlen im Vergleich zu den Jahren 1995 bis 2007.

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Wer weiß, vielleicht könnten wir tatsächlich viel, viel mehr investieren als das DIW glaubt. Aber bleiben wir lieber bescheiden: Wie das Handelsblatt schreibt, sollten für den Ausbau der Energienetze verstärkt private Geldgeber angelockt werden. Den Investitionsstau bei Straßen und Schienen dagegen müsse der Staat beheben, berichtet das HB weiter.

Und dafür müsste nicht einmal die Schuldenbremse gebrochen oder die Steuern erhöht werden. „Die in den kommenden Jahren zu erwartenden Überschüsse wären dafür mehr als ausreichend“, sagte Fratzscher am Montag auf DIW-Pressekonferenz. So lasse die Schuldenbremse dem Bund pro Jahr eine strukturelle Neuverschuldung von 0,35 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Marcel Fratzscher, der DIW-Chef, hat den Investitionspakt bereits vor Wochen im Interview mit der Süddeutschen vorgeschlagen. Nun wird er konkreter: Die seit 1999 entstandenen Lücken haben den Deutschen jährlich einen Prozentpunkt Wachstum gekostet, schreibt die FAZ von der DIW-Pressekonferenz. Und noch etwas ist interessant. Die Forscher errechnen den Wertverlust unserer Auslandsinvestitionen seit 1999 auf 400 Mrd. Euro. Wie wir hier bereits vermutet haben.

Noch mehr Beweise für unser absurdes Wachstumsmodell der vergangenen Jahre braucht man wohl nicht mehr. Oder wie es Fratzscher etwas vornehmer laut DIW-Pressemitteilung ausdrückt:

„Die deutsche Wirtschaft steht längst nicht so gut da, wie viele derzeit denken. Seit 1999 hat Deutschland einen Investitionsrückstand von rund einer Billion Euro aufgebaut und dadurch erhebliche Wachstumschancen verpasst. Wir gefährden damit die Zukunft Deutschlands als Wirtschaftsstandort und die Nachhaltigkeit unserer Wettbewerbsfähigkeit. Wenn wir die Substanz und die Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft auch für künftige Generationen sichern und künftige Einkommenssteigerungen ermöglichen wollen, müssen wir jetzt beginnen, diese Investitionslücke zu schließen.“

Stärkere private und öffentliche Investitionen würden nicht nur das Wachstum in Deutschland stärken, sondern auch einen wichtigen Wachstumsimpuls für Europa setzen. „Das stellt den besten Beitrag dar, den Deutschland derzeit leisten kann, um seinen Nachbarn zu helfen“, sagte Fratzscher. Hoffen wir, dass die Parteistrategen diesen DIW-Wochenbericht mit in den Sommerurlaub nehmen und von vorne bis hinten lesen werden. Ich werde es jetzt auf jeden Fall tun – auch wenn ich keinen Urlaub habe.

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