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Interpretationsschwierigkeiten in Spanien

Noch ein Nachtrag zum Kreditimpuls in Spanien. Ich hatte schon darauf hingewiesen, dass aus dem starken Einbruch, der hier zu sehen ist, keine direkten Schlussfolgerungen auf die Binnennachfrage gezogen werden dürfen. Hinzu kommt aber noch eine Besonderheit, auf die mich am Wochenende freundlicherweise David Milleker, Chefvolkswirt bei Union Investment, hingewiesen hat. Er schreibt:

„Die spanischen Zahlen lassen sich am aktuellen Rand nicht vernünftig interpretieren. Der Grund dafür ist, dass die Zahlen für Kreditbestand wie auch -ströme durch die Übertragung auf die staatliche Bad Bank reduziert worden sind. Die Kredite gibt’s also schon noch, nur nicht bei den MFIs.“

MFI ist der Fachausdruck der EZB für monetäre Finanzinstitute (Kreditinstitute, Geldmarktfonds, Zentralbanken).

In der Tat haben die verstaatlichten Banken Bankia, Banco de Valencia and Caixacatalunya bereits ein Portfolio von Immobilien und faulen Krediten im Wert von 50,45 Mrd. Euro an die spanische Bad Bank Sareb (formal keine Bank, sondern eine Abwicklungsgesellschaft) übertragen. Darunter sind 84 300 Kredite, wie die FT vor kurzem Spaniens Finanzminister Luis de Guindos, zitierte (via Google).

Ich war dagegen davon ausgegangen, dass sich solche Effekte nicht in den Zahlungsströmen sondern nur in den Bestandsdaten niederschlagen. Doch hier noch der wichtige Hinweis der EZB in den Fußnoten der letzten Pressemitteilung (nach Übersetzung der Bundesbank):

„Die Zahlen für Februar 2013 und Dezember 2012 wurden teilweise durch die geordnete Restrukturierung des spanischen Bankensektors beeinflusst. Dabei kam es insbesondere zu einer Übertragung von Buchkrediten an die Abwicklungsgesellschaft für Vermögenswerte aus der Bankenrestrukturierung (Sareb) und einem entsprechenden Anstieg der von MFIs gehaltenen und von der Sareb emittierten Wertpapiere ohne Aktien. Zwar wurde der Einfluss auf die monatlichen Buchkreditströme und Wachstumsraten im Posten „um Verkäufe und Verbriefungen bereinigte Buchkredite“ weitgehend herausgerechnet, jedoch führten andere Faktoren im Zusammenhang mit der geordneten Restrukturierung des spanischen Bankensektors zu einem weiteren Rückgang der Buchkredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, sodass sogar die um Verkäufe und Verbriefungen bereinigten Buchkredite im Dezember 2012 erheblich niedriger ausfielen.“

Was wir im Kreditimpuls sehen, ist also die dringend notwendige Bereinigung der spanischen Bankbilanzen, was also positiv zu bewerten ist. Im Dezember, als Darlehen im Wert von 37 Mrd. Euro auf die Bad Bank übertragen wurden, sank der Anteil der faulen Kredite bei spanischen Banken von 11,4 Prozent im Vormonat auf 10,4 Prozent. Der Bankensektor dürfte also noch eine Weile brauchen, um der Wirtschaft wieder den notwendigen Schub zu geben.

Mehr von David Milleker im WirtschaftsWunder:

David Milleker – Wenn Notenbanken Staaten finanzieren

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