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Oh my God! They killed China! oder Hurra, wir haben wieder Leistungsbilanzüberschuss mit der Volksrepublik

Die erste Runde im laufenden Währungskrieg geht schon einmal ganz klar an Deutschland. Eine besonders eigenartige Kuriosität: Seit Frühjahr 2012 weist dieses Land wieder einen Überschuss in der Leistungsbilanz mit China aus – erstmals seit 1989. Auch der Überschuss mit den südasiatischen Schwellenländern springt derzeit von Rekord zu Rekord, der Exportüberhang erreicht Höhen, wie sie zuletzt kurz vor der Asienkrise 1997/1998 gesehen wurden.

Überschüsse ausgerechnet im Hinterhof der globalen Industrie, der die Welt seit Jahren mit billigen Waren überschwemmt! Das hat Folgen: Deutschland ist deswegen auf die Absatzgebiete in seinen Nachbarländern immer weniger angewiesen und kann deswegen den Euro-Ländern überharsche Austeritäts- und Reformprogramme aufdrängen. Bereits seit vergangenem Sommer liegen die Überschüsse mit Amerika und Asien erstmals seit 2003 wieder über denen mit Europa (Euroland ist schon seit Anfang 2012 abgehängt).

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So wie die Deutschen vor der Finanzkrise mit ihren Überschüssen (also der Ersparnis einiger Weniger) die Kreditexzesse in der Euro-Peripherie angeheizt haben, so finanzieren sie jetzt die Länder vor allem in Asien, damit die wiederum weiterhin schön deutsche Maschinen und Autos kaufen. Irgendwie muss der (selbstverschuldete) Exporteinbruch im Euroland ja ausgeglichen werden. Und alles wird noch fatalerweise unterstützt durch die ultralockere Geldpolitik und Konjunkturprogramme in Teilen der Welt. Ausgerechnet die Deutschen profitieren davon am meisten, wie es aussieht.

Somit sind wir eigentlich schon längst dabei, die Saat der Euro-Krise nach Asien zu tragen. Die Deutschen machen einfach weiter als wäre nichts gewesen. Jetzt erleben Spanier, Italiener, Griechen, Portugiesen ihr größtes Trauma seit dem zweiten Weltkrieg – doch die Deutschen werden davon noch lange weitgehend verschont bleiben. Doch wer werden die nächsten Opfer sein?

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Das Weiterso Deutschlands – aber bitte nicht mehr vor der eigenen Haustür – sieht konkret so aus: Wesentlicher Treiber des Leistungsbilanzüberschusses mit China sind nicht nur der immer kleiner werdende Importüberhang im Warenhandel, der steigende Exportüberschuss bei den Dienstleistungen – sondern vor allem auch die wachsenden Erwerbs- und Vermögenseinkommen, die Deutsche unterm Strich aus der Volksrepublik beziehen. Ähnlich sieht es in Südostasien aus. (Die Bruttozahlen, also ohne die Erwerbs- und Vermögenseinkommen der Asiaten aus Deutschland abzuziehen, schauen wir uns ein anderes Mal an…)

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Diese Erwerbs- und Vermögenseinkommen aus China und Südostasien sind vor allem Kapitalerträge – also muss vorher dorthin Kapital (das ist die deutsche Ersparnis) exportiert worden sein. Diese Nettokapitaleinkommen aus China sind mittlerweile längst so groß wie die aus den USA – und zusammen mit den anderen Südostasiaten stellen die Asiaten die Kapitalerträge aus Amerika schon lange in den Schatten.

(Nebenbei: Was treiben eigentlich die weltweit agierenden Banken gerade so in Singapur, Taiwan, Hongkong oder den anderen regionalen Finanzzentren der Region – während man sich in Europa und Amerika gerade mit einer stärkeren Regulierung der Banken abmüht?)

Wird jetzt nicht gegengesteuert – und zwar global, kann das alles in einigen Jahren noch sehr ungemütlich und heiß werden. Stichwort: Krieg zwischen China/Nordkorea und Japan/USA.

Man muss wirklich kein sozialer Christdemokrat, kein Sozialdemokrat, kein Sozialist, kein Kommunist, kein Keynesianer oder ein Anhänger makroökonomischer Globalsteuerung zu sein, um es zu erkennen: Es liegt auf der Hand, dass es in Deutschland eigentlich einen größeren Verteilungsspielraum bei Löhnen und Gehältern gibt bzw. ein größeres Potential für Investitionen in Bildung, Kinderbetreuung oder das Gesundheitswesen, als immer wieder behauptet wird. Doch leider wird sich an der einseitigen Exportstrategie Deutschlands nicht viel ändern, solange die großen Wirtschaftsmächte nicht ganz schnell anfangen, enger zusammenarbeiten und sich abzustimmen. Aber wie utopisch klingt das denn?

Wer allerdings noch immer glaubt, exorbitante Leistungsbilanzüberschüsse seien nur ein Zeichen für die wirtschaftliche und technologische Stärke eines Landes, der irrt gewaltig. Am Ende bringen zu große Überschüsse (also die Ersparnisse einiger Weniger) leider sehr wenig ein, so sehr man sich auch das Gegenteil herbei fantasiert. Sobald die  Überschüsse zu Blasen und Krisen führen, werden daraus ganz schnell wieder Riesenverluste – und wer die ausbaden muss, das erleben wir seit der jüngsten Finanzkrise nur zu gut.

Wer sich auf die Spuren der nächsten Blase und somit Krise macht, der weiß vermutlich, wo er in ein paar Jahren ganz genau hinschauen oder wo er jetzt noch schnell zynischerweise auf den fahrenden Zug aufspringen sollte – tja, immer diese verflixte Konkurrenz aber auch… Eine Zeit lang wird China wie die Trickfilmfigur „Kenny“ in der US-Serie Southpark Runde für Runde von neuem wiederauferstehen. Wir werden noch ein paar Mal uns zurufen: Oh my God! They Killed Kenny China! Und weiter geht’s – bis es nicht mehr weiter geht…

Kenny

Denn hier geht es nicht um kleine niedliche Trickfilmfiguren, es geht tatsächlich um Krieg! Nur der wird sich dann nicht mehr in Europa abspielen, dafür sorgt unsere Regierung gerade mit dem deutschen Spardiktat (das sicherlich noch in eine Fiskalunion im Euroland münden wird, denn wo ein Wille ist, da ist auch Weg – die Franzosen kriegen die Deutschen auch noch klein, ganz sicher). Nur, ob die Deutschen sich darüber dann noch freuen können, das ist eine ganz andere Frage…

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