Banken schieben Milliarden zur EZB zurück

Nun soll hier nicht nur der Eindruck vermittelt werden, als ob die EZB überhaupt nichts zur Beruhigung im Euroland beigetragen hat. Während die Unternehmen in den Krisenländern von der Ankündigung unbegrenzter Anleihekäufe bisher nur wenig profitiert haben dürften, sieht es bei den Banken ganz anders aus. Sie horten bereits deutlich weniger Geldreserven bei der Notenbank als noch in den Sommermonaten.

Wie bereits erwähnt, sind die Renditeaufschläge der Staatsanleihen aus Spanien oder Italien bereits deutlich gesunken. Dabei lohnt auch ein Blick auf die sogenannte Überschussliquidität der Banken. Das sind all die Gelder, die das gesamte Bankensystem eigentlich gar nicht wirklich bräuchte, um seinen Geschäften nachzugehen – sie landen am Ende immer auf den Konten der Banken bei der EZB. Lagen die Überschussreserven von März bis August 2012 im Schnitt bei 770 Mrd. Euro, sind es aktuell nur noch rund 630 Mrd. Euro. Den ersten Drei-Jahrestender (dreijährige EZB-Darlehen an die Banken) vom Dezember 2011 hätten die Institute damit praktisch fast schon wieder zurück gegeben:

EZB-Überschussliquidität

Eigentlich brauchen die Institute frische Mittel von der Notenbank nur für die Versorgung der Menschen mit Bargeld und für eine gewisse Reservehaltung bei der EZB. Die Banknoten werden von der Zentralbank ausgegeben und die Kreditinstitute müssen sich diese Mittel von der Zentralbank gegen Sicherheiten leihen. Daneben müssen die Banken Reserven bei der EZB hinterlegen (Mindestreserve), was sich danach richtet, wie hoch Ihre kurzfristigen Schulden sind, wozu vor allem die Kundeneinlagen zählen. Für die Reservehaltung brauchen die Kreditinstitute ebenfalls Mittel von der EZB. Entsprechend lässt sich ermitteln wie hoch die Überschussreserven der Banken beim Eurosystem der Zentralbanken sind.

Dazu nimmt man die Summe, die die Institute sich bei der EZB an Liquidität geliehen haben (Darlehen mit Laufzeiten von einer Woche bis zu aktuell noch zwei Jahren). Davon zieht man die Mindestreserven der Banken ab sowie die sogenannten autonomen Faktoren, also vor allem den Bargeldumlauf (zu diesen autonomen Faktoren gehören auch die Konten der öffentlichen Haushalte bei der Zentralbank sowie die Fremdwährungsposition der Euro-Notenbanken und andere Dinge).

Während in der ersten Phase der Finanzkrise die Banken vor allem aus Vorsicht Reserven horteten, weil sie nicht wussten wie sich die Finanzlage bei den Konkurrenzinstituten darstellt, kam im Laufe der Euro-Schuldenkrise noch hinzu, dass Banken vor allem aus Deutschland immer weniger bereit waren, ihre überschüssige Liquidität aus dem Tagesgeschäft einfach weiter zu verleihen etwa an Institute in den südlichen Euro-Staaten – wie sie es vor der Krise noch sehr gerne getan hatten.

So kam und kommt es dazu, dass die Banken in den Krisenländern sich immer mehr Mittel von der EZB leihen mussten, die schlussendlich aber bei den Instituten in Deutschland landeten. Dies liegt wiederum daran, dass nach Deutschland als größtes Ausfuhrland im Euroland unterm Strich die meisten Exportrechnungen überwiesen werden. Hinzu kam noch die Kapitalflucht aus dem Süden und Westen Eurolands nach Deutschland, weil die Haushalte und Unternehmen in den Krisenländern ihrem eigenen Finanzsystem nicht mehr trauten.

Wenn jetzt die Überschussliquidität oder die Überschussreserven abschmelzen, signalisiert dies vor allem, dass zuvor „geflohene“ Gelder wieder zurück nach Spanien, Portugal, Irland oder Italien fließen. Und, dass dort die Banken deshalb weniger Darlehen von der EZB brauchen. Spannend wird es am 30. Januar, wenn die Banken erstmals einen Teil der 489 Mrd. Euro zurückzahlen können, die sie sich im Dezember 2011 für max. drei Jahre geliehen haben. Dann könnte der nächste signifikante Rückgang der Überschussreserven kommen.

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