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Meine Stimme aus Wien: Im Zweifel, bravo, Herr Draghi!

Die EZB flutet also die Finanzmärkte mit noch mehr Milliarden. Dafür senkte sie vorige Woche den Leitzins auf null und weitete das Volumen ihrer Anleihenkäufe aus, wobei die Europäische Zentralbank jetzt auch Unternehmenspapiere erwerben wird. Zu Recht wachsen zugleich die Zweifel, wie wirksam eine solche Geldpolitik die Geschäfte der Unternehmen anschieben und die Preisentwicklung weg von einer drohenden Deflation bewegen kann.

Für Sparer oder Versicherungen sind dies bittere Nachrichten. Für das fragile Eurogebilde haben Mario Draghi und seine Kollegen im EZB-Rat gleichwohl einen Beitrag geleistet, indem sie die Gemeinschaftswährung für eine absehbar eingetrübte Konjunktur wappnen.

Denn bemerkenswert an der Entscheidung war eines: Ab Juni können schwache Finanzinstitute vor allem aus der Peripherie des Währungsraumes ihre ausgegebenen Kredite an Unternehmen und Privathaushalte mit vierjährigen Liquiditätsdarlehen bei der EZB gegenfinanzieren. Zinsen werden dafür nach jetzigem Stand keine fällig, und wenn das Kreditvolumen bestimmte Schwellen überschreitet, können die Geschäftsbanken sogar eine Prämie von der Euronotenbank bekommen.

Fachleute werden lang darüber streiten, was die Gewinnmargen der Unternehmen im Euroland zumindest bis voriges Jahr noch angeschoben hat. War es der gesunkene Ölpreis, der billigere Euro oder waren es gefallene Kreditzinsen, die in Teilen des Eurolands bis zuletzt die Investitionen etwas angetrieben haben? Wie auch immer die Antwort darauf lautet, dürfen wir dabei aber nicht vergessen, dass große Volkswirtschaften weiterhin in der Depression stecken, etwa Italien, wo der private Kapitalstock aus Maschinen, Anlagen und Wirtschaftsgebäuden nun schon seit Jahren schrumpft.

Bereits ein flüchtiger Blick auf den Arbeitsmarkt zeigt zudem, dass der Euroraum seine Krise noch lang nicht überwunden hat. Und wenn der konjunkturelle Gegenwind aus der Weltwirtschaft jetzt stärker wird, sei es, weil China deutlich langsamer wächst oder in den USA die Rezession in der Industrie auch den Arbeitsmarkt erfasst, dann kann der Euroraum eines nicht gebrauchen: eine Kreditklemme, die von den Banken ausgeht. Sollten sich die düsteren Prognosen also bewahrheiten, hat die EZB jetzt zumindest schon einmal vorgesorgt. In Zeiten wachsender Unsicherheit auf den Märkten ist dies eine erfreuliche Nachricht.

Dieser Beitrag erschien als Leitartikel im WirtschaftsBlatt vom 14. März 2016.

Foto: Flickr/epp group/(CC BY-ND 2.0)
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