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Meine Stimme aus Wien: Die Rückkehr des Kriegs-Keynesianismus

Mein Kommentar aus dem Wirtschaftsblatt vom 29.Juli 2014 – er fasst die Analyse im vorherigen Beitrag hier im Blog zusammen.

Wir müssen uns in Europa Sorgen machen. Denn die USA stehen kurz davor, wieder in eine Rezession abzurutschen. Und das trifft Euroland hart, weil wir es immer noch nicht geschafft haben, die Arbeitslosigkeit merklich zu senken. Es sieht danach aus, als würde die nächste Konjunkturkrise zwischen diesem Sommer und nächstem Frühjahr ausbrechen.

In den vergangenen vier Jahren hat die US-Notenbank es zwar immer wieder geschafft, die privaten Nettoinvestitionen dann anzutreiben, wenn sie kurz davor standen abzukippen. Doch das hört jetzt auf, denn jeder Aufschwung verliert einmal an Kraft – wogegen eine Notenbank am Ende machtlos bleibt. An den Börsen dürften wir derzeit die letzten Rückzugsgefechte erleben, bevor es richtig abwärts geht.

Natürlich müssen die Regierungen die Misere im Euroraum auf ihre Kappe nehmen: Der Aufschwung blieb aus, weil die Staaten ihre Ausgaben zu stark kürzten. Dem lag der Irrglaube zugrunde, bei starken Budgetkürzungen würde sich neues Vertrauen in der Wirtschaft einstellen und die Unternehmen wieder anfangen zu investieren. Doch die legten ihr Geld lieber dort an, wo es wenigstens noch etwas Nachfrage gab. Allein der Investitionsboom im Ausland – allen voran in den USA – hielt Europa über Wasser.

Die Staaten stehen jetzt vor einem Problem. Die Ausgaben steigen in der Krise eh von allein. Und wie verlockend könnte es sein, die Ausgaben noch stärker zu erhöhen, um einen Absturz zu verhindern. Doch müssen die Regierungen die Abkehr von der Spardoktrin ihrer Wählerklientel gut verkaufen. Wie passend, dass es gerade einen bösen Feind im Osten gibt, mit dem sich jede Erhöhung der Militärbudgets wunderbar begründen lässt.

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