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Europa? So wie in Europapokal?

Es scheint, als ob uns Deutschen alles wichtiger ist als die ökonomische Katastrophe im Süden Eurolands: Champions League oder Europameisterschaft im Fußball – alles ist wichtiger als der Absturz Spaniens, Griechenlands oder Zyperns. Ja, das sei schon sehr bedauerlich und auch recht schmerzvoll, heißt es dann oft von unserer Regierung oder unserer Bundesbank. Doch die Krisenländer müssen eben büßen für die Verfehlungen der vergangenen Jahre. Es ginge halt nicht anders.

Woran könnte das wohl liegen? Warum bleiben viele unserer Politiker so ungerührt bei der Tragödie, die sich vor unserer Haustür abspielt? Vielleicht sollten wir dorthin schauen, wo einige unserer Großkonzerne mittlerweile sehr viel Geld verdienen: nach China. Vor wenigen Wochen hatte ich es bereits über einen Umweg versucht, der zugegeben eher eine Vermutung war. Doch mittlerweile hat das Handelblatt zusammen mit der Unternehmensberatung EAC International Consulting Anfang August die Umsatzzahlen der 30 DAX-Konzerne in China aus dem vergangenen Jahr veröffentlicht:

130904 DAXUMSAETZECHINAUm die Zahlen ins Verhältnis zu setzen, habe ich unsere Ausfuhren in wichtige Exportmärkte  dazu gestellt. Alle Dax-Konzerne erwirtschaften demnach mehr als Deutschland nach Frankreich ausführt. Allein die Autohersteller und -zulieferer verkaufen mehr in China als die deutsche Volkswirtschaft nach Großbritannien exportiert. Das ist schon beachtlich – auch wenn ein Großteil im Chinageschäft allein auf Volkswagen zurückgeht. Wobei die Wolfsburger fast alle verkauften Fahrzeuge über Massenfertigung in Gemeinschaftsunternehmen mit den Chinesen produzieren lassen. Und dieser Trend dürfte sich in den nächsten Jahren noch verstärken, besonders wenn es China tatsächlich schaffen sollte, stärker auf den Konsum umzuschwenken. Dann kaufen sie noch mehr „deutsche“ Autos.

130904 ChinaUmsatzExportVielleicht wird ja jetzt etwas klarer, warum unsere Regierung nichts gegen den Untergang der deutschen Solarindustrie unternommen hat. Die wurde nach eigenen Aussagen in den Ruin getrieben wegen der Kampfpreise aus China – bei weniger als den Herstellungskosten. Aber einen Handelskrieg mit China kann sich Deutschland einfach nicht mehr erlauben.

Und wahrscheinlich sind die Chinesen eh schon der größte Auslandsgläubiger Deutschlands – mit ihren geschätzten 600 Mrd. Euro an Anleihen, in denen sie ihre Devisenreserven in Europa geparkt haben. Wieviel sie in Deutschland halten, weiß niemand so genau. Wie es aussieht, will es auch keiner so genau wissen. Geld für bessere Statistiken, wie sie in den USA oder Japan schon Jahren vorliegen, gibt es jedenfalls bei uns nicht.

Und so müssen wir aufpassen: Wenn wir so weiter machen in Europa wie bisher, müssen wir bald aufpassen, dass nicht Bayern München, Borussia Dortmund oder der VfL Wolfsburg bald nur noch in der Champions League der Volksrepublik auflaufen dürfen.

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  • Wirtschaftswurm

    Der Schlussabsatz ist überflüssig. Als Ergänzung zum ansonsten interessanten Artikel möchte ich auf meine eigene Analyse des deutschen Warenhandels verweisen: Teil 1: Der Bedeutungsverlust Europas.

  • André Kühnlenz

    Ach komm Arne, es ist immer noch ein Blog und kein Hauptseminar hier… :)
    Aber danke für den Link…

  • Hinweise des Tages | NachDenkSeiten – Die kritische Website

    […] Europa? So wie in Europapokal? Es scheint, als ob uns Deutschen alles wichtiger ist als die ökonomische Katastrophe im Süden Eurolands: Champions League oder Europameisterschaft im Fußball – alles ist wichtiger als der Absturz Spaniens, Griechenlands oder Zyperns. Ja, das sei schon sehr bedauerlich und auch recht schmerzvoll, heißt es dann oft von unserer Regierung oder unserer Bundesbank. Doch die Krisenländer müssen eben büßen für die Verfehlungen der vergangenen Jahre. Es ginge halt nicht anders. Woran könnte das wohl liegen? Warum bleiben viele unserer Politiker so ungerührt bei der Tragödie, die sich vor unserer Haustür abspielt? Vielleicht sollten wir dorthin schauen, wo einige unserer Großkonzerne mittlerweile sehr viel Geld verdienen: nach China. Mittlerweile hat das Handelblatt zusammen mit der Unternehmensberatung EAC International Consulting Anfang August die Umsatzzahlen der 30 DAX-Konzerne in China aus dem vergangenen Jahr veröffentlicht. Um die Zahlen ins Verhältnis zu setzen, habe ich unsere Ausfuhren in wichtige Exportmärkte  dazu gestellt. Alle Dax-Konzerne erwirtschaften demnach mehr als Deutschland nach Frankreich ausführt. Allein die Autohersteller und -zulieferer verkaufen mehr in China als die deutsche Volkswirtschaft nach Großbritannien exportiert. Das ist schon beachtlich – auch wenn ein Großteil im Chinageschäft allein auf Volkswagen zurückgeht. Wobei die Wolfsburger fast alle verkauften Fahrzeuge über Massenfertigung in Gemeinschaftsunternehmen mit den Chinesen produzieren lassen. – Vielleicht wird ja jetzt etwas klarer, warum unsere Regierung nichts gegen den Untergang der deutschen Solarindustrie unternommen hat. Die wurde nach eigenen Aussagen in den Ruin getrieben wegen der Kampfpreise aus China – bei weniger als den Herstellungskosten. Aber einen Handelskrieg mit China kann sich Deutschland einfach nicht mehr erlauben. Quelle: WeitwinkelSubjektiv […]

  • Uli

    haha, der VfL würde in der derzeitigen Verfassung nicht mal in China CL spielen :)

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