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Uuups, haben wir denn schon Exportdefizit – mit dem Euroland? – 2. Update

Tun wir so, als würden die gleich zu behandelnden Destatis-Zahlen fehlerfrei sein. Denn wir wollen die folgende Grafik nicht einfach so in den Papierkorb werfen. Im Gegenteil, sie könnte sogar sehr aufschlussreich sein…

Natürlich haben in Mai saisonale Besonderheiten alle Konjunkturdaten etwas nach unten verzerrt. Es gab immerhin weniger Arbeitstage als sonst in einem Mai. Aber dieses Ereignis ist schon erwähnenswert: So etwas gab es vorher nur in einem Monat seit der deutschen Einheit. Dass wir Deutschen mehr Waren aus der Euro-Zone einführen als wie dorthin ausführen. Jetzt haben wir also Exportdefizit mit dem Euroland.

130709 DE DEFIZIT

Im Dezember 1992 waren es aber nur minus 0,1 Mrd. Euro. Jetzt, im Mai 2013, sind es  schon minus 2,3 Mrd. Euro. Allerdings nach einem Plus von 4,9 Mrd. Euro einen Monat zuvor. Egal, wir gehen weiterhin davon aus, dass diese Zahlen stimmen könnten. Klar ist auch, dass selbst ohne die saisonalen Sonderfaktoren es nicht gerade nach Aufschwung in Deutschland aussieht (minus 0,3 Prozent im Gesamtexport von Januar bis Mai).

Vielleicht geben uns die Zahlen auch eher einen Vorgeschmack darauf, was noch kommen könnte. Eine Zeit, in der wir nicht nur in einem Monat weniger nach Euroland exportieren als wir von dort einführen – sonder für länger. Doch so wünschenswert es auch sein mag, von Zeit zu Zeit ausgeglichene Handelsbilanzen auszuweisen. Dabei sollten wir nie die sozialen Verwerfungen vergessen, die sich gerade an den Rändern Eurolands abspielen. Genau das ist es, warum wir gerade von Monat zu Monat weniger im Euroland verkaufen.

Bildschirmfoto 2013-07-09 um 01.16.16Nun gut, aber irgend etwas kann an den Zahlen nicht stimmten: Destatis schreibt ein Minus von 0,5 bei den Importen (in die Euro-Zone) in die Tabelle. Würden aber zugleich die 34,6 Mrd. Euro stimmen, müsste der Import um 16,9 Prozent innerhalb von zwölf Monaten gewachsen sein – was sehr viel ist. Denn im Mai 2012 waren es gerade einmal 29,6 Mrd. Euro. Und heuer müssten es dann wohl immer noch 29,4 Mrd. Euro sein oder so, wenn die minus 0,5 Prozent stimmen sollten, wovon wir jetzt einmal ausgehen… Und dann hätten wir weiterhin ein Exportüberschuss mit dem Euroland… und die Erkenntnis, dass es so schnell auch wieder nicht geht mit unseren lieben Nachbarn…

Sollte ich mich am Ende doch irgendwie irren, dann stimmt wenigstens doch alles, was ich zuvor geschrieben habe. Ansonsten wäre ich wenigstens nicht allein mit meinen Excelfehlern ;)

Update 16:45 – 09.07.2013: Destatis hat vorhin auf meine schriftlichen Fragen geantwortet…

„Die von Ihnen genannte Abweichung der Ergebnisse erklärt sich durch die unterschiedliche Datenabfrage. Bei der gestern veröffentlichten Pressemeldung handelt es sich um erste Globalergebnisse. Nur diese werden nach dem Versendungslandprinzip (Eurostatprinzip) veröffentlicht. Im Bereich der Außenhandelsstatistik wird sonst immer bei den Einfuhren das Ursprungslandprinzip verwendet.

Ein Vergleich von Einfuhrergebnissen aus EU-Ländern auf Basis des Versendungslands (aus der PM) mit Ergebnissen zb aus der Datenbank Genesis-Online (nach Ursprungsland) ist daher nicht möglich bzw führt zu verfälschten Resultaten.“

Aber so richtig schlau bin ich immer noch nicht. Haben wir jetzt ein Exportdefizit mit dem Euroland oder nicht? Leider war jetzt bei Destatis niemand mehr für eine telefonische Antwort erreichbar. Müssen wir bis morgen warten.

Update 10:51 – 10.07.2013: In den Kommentaren gibt es bereits den Hinweis zum Unterschied zwischen Versendungslandprinzip und Ursprungslandprinzip in der Importstatistik. So werden in der Tat zum Beispiel chinesische Einfuhren, die in den Niederlanden oder Belgien verzollt werden, zunächt dem Import aus dem Euro-Raum zugeschlagen. Die absolute Zahl ist also aufgebläht und hat überhaupt keine Aussagekraft. Hoffentlich gibt es das nächste Mal ein Hinweis in der Pressemitteilung… Jedenfalls wissen wir es jetzt…

Die richtigen Ergebnisse sollte es dann nächste Woche geben, hieß es bei Destatis. Ich habe auch noch nachgefragt, ob man wenigstens aus dem Rückgang um 0,5 Prozent des Imports aus dem Euro-Raum Schlüsse ziehen kann, wie sich die Einfuhren tatsächlich entwickelt haben. Aber auch das ist leider nicht möglich, hieß es.

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  • sirop

    Die folgenden Angaben basieren aus Gründen der Vergleichbarkeit auf Zahlen von Eurostat. Die üblicherweise verwendeten Zahlen des Statistischen Bundesamtes weichen davon ab, weil die deutsche Statistik nach dem Ursprungslandprinzip vorgeht, während die europäische Statistik nach dem Versendungsland-Prinzip arbeitet. Im Ergebnis werden deshalb Einfuhren aus China, die über Drittländer (insbesondere die Niederlande) nach Deutschland gelangen, in der europäischen Statistik nicht als Einfuhr nach Deutschland erfasst. Die Differenz betrug 2011 etwa 15 Milliarden Euro, was einer Abweichung von 23 Prozent entspricht. Auf der Ausfuhrseite tritt kein entsprechendes Problem auf, beide Statistiken stimmen hier überein.

    http://www.bmwi.de/DE/Service/suche,did=511624.html

  • André Kühnlenz

    Vielen Dank für den Hinweis…

  • egghat (@egghat)

    Ah, gut zu wissen. Dann werden wir heuer also nicht mehr schlauer und müssen auf nächste Woche warten.

    Ich hatte mir die Zeitreihen auch schon rausgesucht, konnte mir das ganze aber auch nicht erklären (bis auf den Gedanken, dass die Statistiken aus irgendwelchen Gründen nicht vergleichbar sein müssen). Nun gut, jetzt wissen wir warum.

    (Dieser Niederlandeffekt (ich glaube er heisst Rotterdam Effekt) kannte ich übrigens, hätte allerdings nicht gedacht, dass es noch irgendwo eine amtliche Statistik gibt, in der dieser nicht bereits rausgerechnet wird. Nun gut, gibt es anscheinend doch …)

  • André Kühnlenz

    Ja genau, das ist der Rotterdam Effekt. Und ich muss Dich leider korrigieren. ;) „heuer“ = „dieses Jahr“

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