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Meine Stimme aus Wien: Wenn Amerikas Schuldenblase platzt

Die US-Wirtschaft hängt derzeit allein am Kredittropf. Während die Gewinne und Investitionen bereits seit 2015 sinken, schaffen die Firmen dank neuer Darlehen oder Anleihen weiterhin Stellen, ein großer Teil der geborgten Mittel fließt auch in Aktienrückkäufe sowie Fusionen und Übernahmen.

Um abschätzen zu können, wie lange dieses Aufschaukeln der Nachfrage durch den Kredit noch gut gehen kann, ein paar Zahlen, die die Dimension vergegenwärtigen: In der Finanzkrise stiegen die Nettoschulden der nichtfinanziellen Unternehmen auf 614 Prozent der operativen Vorsteuergewinne. Im Gegensatz zu heute verlief die Dynamik der Neuinvestitionen und der Neuverschuldung damals jedoch praktisch synchron – beide rutschten in den ersten Monaten des Jahres 2008 gleichzeitig auf Jahressicht ins Minus, und die Unternehmen fingen an, Stellen zu streichen. Bis zum Sommer jenes Jahres war die Verschuldung bereits innerhalb von nur zwei Jahren von 430 Prozent auf 550 Prozent am Vorabend der Lehman-Pleite exorbitant gewachsen.

Seit dem Frühjahr 2012 erleben wir dasselbe Schauspiel. Mit einem Anstieg von 460 auf 530 Prozent der operativen Gewinne war der Zuwachs zwar geringer, allerdings erreichte die Verschuldung im ersten Quartal 2016 bereits 96 Prozent des Wertes, der zur Zeit gemessen wurde, als Lehman kollabierte. Wenn aber die Höhe der Schulden entscheidend ist für die Unternehmen, könnte es schon bald sehr eng werden.

Schauen wir nicht auf die Gesamtverschuldung, sondern allein auf Neuverschuldung im Verhältnis zur Nettowertschöpfung der Unternehmen, fällt auf: Ihre Lust am Geldpumpen lässt nach. Diese Quote lag zu Beginn dieses Jahres nur noch einen Prozentpunkt über dem Vorjahreswert. Sollte die Neuverschuldung ins Negative drehen, werden die Unternehmen dann noch neue Jobs schaffen?

Dieser Beitrag erschien als Kolumne im WirtschaftsBlatt vom 28.Juni 2016.

Foto: Flickr/sachab/(CC BY 2.0)
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