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Meine Stimme aus Wien: Unruhige Monate stehen uns bevor

Mein Leitartikel aus dem Wirtschaftsblatt vom 7. August 2014.

Geopolitische Risiken belasten nicht allein die Konjunktur im Euroland“

Für Geschäftsleute in Österreich bringt der Sommer keine Besserung der Aussichten. Fast überall bricht derzeit die Konjunktur weg. In Deutschland, dem wichtigsten Handelspartner, sanken die Neubestellungen der Industrie zuletzt kräftig. Italien rutschte im Frühjahr wieder in die Rezession.

Sicherlich dürfte der Konflikt zwischen der EU und Russland einige Exporteure verunsichert haben. Wirtschaftsverbände und Unternehmen berichten, Investitionsprojekte würden zurückgestellt oder ganz abgeblasen. Dennoch können geopolitische Risiken als einziger Grund für die Wirtschaftsschwäche in Deutschland und anderen großen Euroländern nicht wirklich überzeugen. Hatte sich doch der Rubel im Frühjahr gefangen, auch die russische Wirtschaft erholte sich vom Einbruch zu Beginn des Jahres. Der Export aus Österreich und Deutschland stabilisierte sich auch zwischenzeitlich, nachdem Rubelabwertung und schwaches Wachstum bereits 2013 die Nachfrage der Russen gedrückt hatten. Auffällig ist, dass die deutsche Industrie bei Investitionsgüterbestellungen aus dem Euroland den größten Rückgang verbuchte-Großaufträge ausgenommen: minus vier Prozent im zweiten Quartal. Offensichtlich würgen die Regierungen im Euroraum den Aufschwung noch immer ab.

Deutsche Maschinenbauer, Unternehmen und Investoren fanden in den vergangenen Jahren neues Geschäft fast ausschließlich nur noch außerhalb des Euroraums. Eine Folge: Die Nettoinvestitionen in Amerika boomten bis zuletzt, auch weil das Schiefergas die Energiekosten dort gesenkt hat. Nur die Nachfrage der Amerikaner ließ bis zuletzt zu wünschen übrig – denn auch Washington strich seine Ausgaben rabiat zusammen. Was derzeit umso mehr beunruhigt: Die US-Wirtschaft hat es im Frühjahr gerade so geschafft, den heftigen Wintereinbruch wettzumachen. Auch wenn fast alle Frühindikatoren bislang kein Ende des mauen Aufschwungs in Amerika signalisieren, zeigt doch ein Blick auf den langfristigen Trend, dass die Erholung gleichwohl an Kraft verliert.

Ob die US-Notenbank es aber noch einmal schafft, die Wirtschaft wieder anzuschieben, ist eher zweifelhaft. Hinzu kommt, dass die Währungshüter mit ihren Anleihekäufen seit Jahren entscheidend zu den Übertreibungen am Aktienmarkt beigetragen haben. Nicht nur Anleger, auch Geschäftsleute sind also gut beraten, sich auf unruhige Monate einzustellen.

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  • Horst

    Die Überschrift hat sich bewahrheitet und diese Situation hält weiterhin an. Sanktionen entfalten auf breiter Spur ihre Wirkung in den Wirtschaften Russlands und der EU, wobei sich die Situation in Russland nicht zuletzt durch den Ölpreis allmählich zuspitzt. Eine Entschärfung dieser Geo Krise ist nicht in Sicht. Das wird noch ein spannendes Jahresende.

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