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Sollen Banken in Zypern verschont werden?

Anscheinend weiß niemand so genau, wie man einen Schnitt der Spar- und Kontoguthaben in Zypern sauber hinbekommt. Wie das Wall Street Journal Deutschland berichtet, kann nicht einmal Zyperns Zentralbank genaue Zahlen vorlegen, wie viele Einlagen eine Summe von weniger als 100.000 Euro ausweisen:

„Vertreter, die über das Rettungspaket verhandelt haben, berichten, Zyperns Zentralbank habe keine Aufschlüsselung von Einkommen unter 100.000 Euro liefern können. Deshalb sei es unmöglich, zu berechnen, wie viel es kosten würde, wenn Kleinsparer ausgenommen würden.“

Wenn die Aussagen stimmen, ist es schon bezeichnend, auf welcher Grundlage am Wochenende Beschlüsse gefasst wurden. Hinzu kommt, dass in der Presse und unter Analysten Zahlen zu den Gesamteinlagen kursieren, die so nicht stimmen können. Unter Berufung auf Daten der Central Bank of Cyprus wird dabei immer wieder eine Summe von 68,4 Mrd. Euro per Ende Januar 2013 genannt. Jedoch weisen Zyperns Zentralbanker keine Einlagen von Banken bei den zyprischen Kreditinstituten aus – egal, ob die Banken nun aus Zypern selbst, dem Rest Eurolands, dem Rest der EU oder von außerhalb der EU kommen. Zählt man diese Einlagen dazu, die sich bei der EZB finden lassen, kommen wir auf eine Summe von 106,8 Mrd. Euro. External Liablities für Januar 2013 finden sich ebenfalls bei der EZB: hier.

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Es gibt keinen Grund, weshalb Banken von außerhalb des Euro-Raums (etwa aus Russland oder Ost- und Mitteleuropa) bei dem Schnitt nicht berücksichtigt werden sollten. Das sind immerhin 13,6 Mrd. Euro. Leider gibt es keine genaue Aufschlüsselung der Einlagen, die von Banken gehalten werden, nach einzelnen Ländern. Zumindest nachvollziehbar wäre es, wenn zyprische und griechische Geldhäuser nicht dabei wären, auch wenn es schwer begründbar wäre. Warum sollen dann aber Versicherungen und Pensionsfonds aus Zypern bluten? So eine Einbeziehung von Sparern und normalen Kontoinhabern ist vielleicht doch nicht so einfach, wie man sich das bei der SPD und später auch in der Koalition in Berlin so gedacht hat.

Sollten allerdings die 68,4 Mrd. Euro die Grundlage der Beschlüsse gewesen sein (und darauf deutet zumindest der Bericht der Welt hin), sieht es entweder nach schweren Dilettantismus oder nach noch viel Schlimmeren aus.

Update (h/t @luebberding): Auch Schäuble spricht im Deutschlandfunk davon, „dass dieses kleine Land bei seinen Banken ungefähr 70 Milliarden Anlagen hat„.

Update 2 (20.03.13 – 9:30) Martin Wolf hat in der FT eine Grafik veröffentlicht, in der die Einlagen der Banken (laut EZB-Statistik sind es Einlagen) als Interbankkredite geführt werden. Und er schreibt: „Rightly or not, the other, including interbank loans were deemed untouchable.“

Das wäre dann mit den kurzfristigen Geldmarkpapieren vergleichbar, die auch der griechische Staat immer noch begeben kann, und die maximal 12 Monate laufen. Die Geldmarktpapiere wurden beim Schuldenschnitt ebenfalls ausgenommen. Die Frage wäre auch, wo in der EZB-Statistik die Notkredite der Notenbank (ELA) auftauchen. Notenbanken gelten ja auch als MFI.

So oder so: Am Ende bleiben immer noch Forderungen von Banken außerhalb der EU von 12,8 Mrd. Euro.

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