Kein Verlass auf Chinas Wechselkursspielchen

Die Chinesen machen ihrem Ruf als unzuverlässigste Währungsmanipulatoren alle Ehre. Während in den Banken und Fondsgesellschaften die Bücher für dieses Jahr geschlossen werden, steckt Peking den Devisenhändlern die Zunge raus: Seit Anfang der Woche verlor der Renminbi fast ein halbes Prozent zum Dollar – ein beachtlicher Umschwung. Gut möglich, dass dies der Beginn eines neuen Trends ist, der ein paar Wochen oder sogar Monate anhält.

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Nur wenige Tage vor dem Jahreswechsel zeigt sich eins: Wetten auf die Kursentwicklung des Renminbi werden auch 2013 wenig Freude bereiten. Zumindest für diejenigen, die nicht auf Sicht von drei Jahren oder noch länger fahren. Es sieht ganz danach aus, als hätte Chinas Parteiführung nur abgewartet, bis der kritische Monat November vorüber ist, um die Aufwertung ihrer Währung wieder einmal zu stoppen.

Seit Juli hatte Chinas Zentralbank zugelassen, dass sich der Renminbi um mehr als zwei Prozent verteuert – bis jetzt die plötzliche Wende kam. Die Amerikaner haben im November einen Präsidenten gewählt, der sich zwar auch weiterhin verbal über die Wechselkurskontrolle in der Volksrepublik beklagen wird. Doch ernsthafte Boykottschritte aus Amerika braucht niemand in Peking zu fürchten.

Insgeheim wissen sie es auch in Washington, dass der Wechselkurs gar nicht mehr so weit von seinem Gleichgewicht entfernt ist. Die stagnierenden Devisenreserven zeigen bereits, dass die Zentralbank Chinas kaum noch mit Währungskäufen eingreift, um die eigene Währung zu schwächen und die eigenen Exporteure mittels günstiger Währung zu helfen. Wobei die Exportfirmen derzeit schon etwas Unterstützung gebrauchen könnten.

Gut möglich aber auch, dass sich zum Jahreswechsel die Kapitalabflüsse aus der Volksrepublik wieder verstärken – eine ähnliche Entwicklung war bereits Ende 2011 zu beobachten. Alles noch wenig beunruhigend. Allerdings wäre auch dies ein Hinweis darauf, dass Peking den Wechselkurs immer weniger kontrolliert und stärker den Marktkräften überlässt.

Eines ist aber sicher, egal was die Devisenstrategen in ihren Jahresausblicken für 2013 schreiben: Ob und wie stark der Renminbi nächstes Jahr aufwertet, wird sich wohl erst im Frühjahr 2013 entscheiden. Dann wird sich zeigen, ob die Volksrepublik ihre aktuelle Konjunkturschwäche überwunden haben wird und zu Wachstumsraten von mehr als acht Prozent zurückkehrt.

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