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Adiós, Exporteuropameister Spanien!

Geht es um die Ursachen der Schuldenkrise im Euro-Raum behaupten viele, die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit sei eine wichtige Ursache für die Krise. Daran mag zwar einiges stimmen, gerade wenn man sich die Entwicklung der Lohnstückkosten in den Ländern anschaut. Spannender ist jedoch, wie sich die Lohndifferenzen in den tatsächlichen Exporten niederschlagen. Hier warten so einige Überraschungen!

Erstaunlicherweise hat ein Land wie Spanien, das gerade unter einer heftiger Kapitalflucht leidet, noch bis Ende 2011 eine bessere Entwicklung hingelegt als „Reformweltmeister“ Deutschland. Hier das Exportwachstum im Vergleich zum Durchschnitt des Jahres 2009 – dem Tiefpunkt nach der Lehman-Pleite:

Die robuste Nachfrage nach spanischen Gütern und Dienstleistungen im Ausland hat mit Sicherheit geholfen, dass die Einsparungen und höheren Abgaben nicht so krass auf die Volkswirtschaft durchgeschlagen haben wie in Griechenland. Diese mildernden Umstände sind jedoch längst verflogen, spart sich doch gerade das Euroland noch schärfer in die Krise.

Allein Spaniens Regierung hat gerade sein Sparpaket auf rund 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis Ende 2014 erhöht. Bereits im ersten Quartal 2012 musste Spanien den Titel des Exporteuropameisters an Deutschland abgeben: Spanien lag nur noch 23,7 Prozent über dem 2009er Niveau. In Deutschland waren es 25,9 Prozent.

Und wer glaubt, dass die ambitionierten Sparprogramme im Euroland keine Wirkung auf die Weltwirtschaft haben, muss sich nur die heute veröffentlichen Exportzahlen aus Japan anschauen: Die Ausfuhren in die EU lagen zuletzt 25 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Guten Morgen, globaler Deflationsschock!

Euroland sollte sich endlich vom illusorischen Ziel verabschieden in (fast) allen Ländern bis 2013 (in Spanien bis 2014) die öffentlichen Budgetdefizite gleichzeitig unter die Maastrichtgrenze von 3 Prozent zu drücken. Wir brauchen mehr Zeit zum Sparen! Und: Ob die Spanier überhaupt Strukturreformen nötig haben, darüber sollen sie am besten immer noch schön alleine entscheiden!

http://wirtschaftswunder.ftd.de/2012/08/22/exporteuropameister-spanien/

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