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Stoppt den Euro der Lemminge, wir brauchen Eurobonds!

Für viele Deutsche und ihre Regierung sind sie Teufelszeug schlechthin. Mit Eurobonds würden Deutschland, Finnland und die Niederlande für immer einspringen müssen, wenn Griechen, Italiener oder Spanier wieder einmal über ihre Verhältnisse gelebt haben, so fürchten die Kritiker der Gemeinschaftsanleihen. Nicht nur ein Rechtsbruch, sondern eine gewaltige Schuldenlawine drohe, sagen sie. Bis Europa im Inflationssumpf versinkt.

Denn wenn schon alle gemeinsam Geld von Investoren borgen, dann haften eben auch alle für alle. Doch die Zeiten der einfachen Antworten sind für diejenigen, die den Euro noch retten wollen, längst vorbei. Befürworter und Gegner sollten sich eins klar machen: Es gibt nur einen einzigen Grund, der für Eurobonds spricht.

Die Geschichte hat es oft genug gezeigt: Leihen sich Regierungen, Unternehmen und Haushalte frisches Geld nur noch in einer Währung, die von einem fremden und mächtigen Staat kontrolliert wird, dann ist das Land bereits dem Untergang geweiht. Die Argentinier haben es vor mehr als zehn Jahren schmerzvoll erlebt, diese Erfahrung haben auch die vormals als Tigerstaaten Asiens bekannten Länder zuvor durchgemacht.

Wie die Schwellenländer damals gestürzt sind, so versinken heute die südlichen und westlichen Euro-Länder in der Krise. Es passiert immer auf die gleiche Art: Erst fallen ausländische Banken, Fondsgesellschaften oder eher zweifelhafte Investoren in die Länder ein und überschütten sie mit billigen Darlehen. Wenn die Blase platzt, fliehen sie in Panik. Nach uns die Sintflut, so endete bisher noch jeder überschäumende Kreditboom.

Nur sind die Übertreibungen keine Frage der Moral, sind doch Herdentrieb und Konkurrenz das Lebenselixier einer kapitalistischen Marktwirtschaft. Selbst dann nicht, wenn wir uns erinnern, dass es gerade deutsche Banken waren, die den Süden und Westen des Eurolands bis zur Krise mit dem Ersparten der Deutschen nur so überhäuft haben. Genau die Länder, die daraufhin wie die Lemminge in Richtung Klippe losmarschierten.

Jetzt müssen wir verhindern, dass die Krisenstaaten von der Klippe springen, jetzt, da auch noch das Hinterland in Flammen steht. Ein Griechenland ist mehr als genug!

Eurobonds helfen dabei den Absturz, die Kapitalflucht zu stoppen, die in Spanien und Italien derzeit wieder eskaliert. Erleben wir nicht gerade, dass Banken und Investoren ihre Gelder am liebsten nur noch nach Deutschland scheffeln, wo die Bundesregierung kaum noch Zinsen für neue Schulden zahlt? Derweil steigen die Zinsen für Rom und Madrid – und kein Ende ist in Sicht.

Geht es nach der Bundesbank brauchen wir jedoch erst eine Fiskalunion, bevor wir Eurobonds einführen sollten. Nur wenn die größten Schuldenstaaten immer unter demokratische Kontrolle aller Euro-Länder gestellt werden können, sei an Eurobonds zu denken.

Eigentlich ein feiner Plan der Stabilitätswächter. Er verhindert, dass am Ende immer nur die Deutschen die Rechnung zahlen müssen. Möglich, dass das Kalkül sogar aufgeht, das sie in Berlin und Frankfurt im Kopf haben. Nur leider wird die Zeit dafür nicht mehr reichen. Eine Lösung muss bis zum Sommer her, sonst überlebt der Euro den Herbst nicht mehr.

Dabei können Eurobonds schneller kommen als gedacht. Ökonomen wie Markus Brunnermeier (ESBies und Video dazu) oder Yanis Varoufakis (Paper, Blogeintrag mit Video) haben Varianten entworfen, die zügig und sogar ohne Vertragsänderungen eingeführt werden können. Der Clou dabei: Die Deutschen müssen nicht einmal für andere haften. Der Volkswirt Paul de Grauwe hat zudem ein Gebührenmodell entwickelt. Es verhindert, dass alle Staaten den gleichen Zins zahlen müssen – egal ob sie zuvor hohe oder niedrige Schulden angesammelt haben.

Klar ist, ohne Eurobonds wird Euroland nicht zur Ruhe kommen. Wenn Europa in Zukunft noch eine Rolle in der Welt spielen will, dann sollten alle über ihre Schatten springen. Es könnte sich lohnen.

Dieser Beitrag ist Teil eines Pro und Contra aus der FTD. Die Gegenposiiton vertritt mein Kollege Matthias Pindter, der täglich einen Teil der Kapital-Kolumne schreibt.

http://wirtschaftswunder.ftd.de/2012/05/24/marktwirtschaft-stoppt-den-euro-der-lemminge-wir-brauchen-eurobonds/

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