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Ein kleines nettes Osterei: Eine Art Euro-Bond

Klaus Reeh ist ein pensionierter Statistiker und Ökonom aus Trier. Er hat wahrscheinlich als einer der Wenigsten überhaupt vorhergesehen, womit uns Hans-Werner Sinn seit gut einem Jahr in den Ohren liegt. Und zwar hat Reeh bereits vor der Euro-Einführung vor Ungleichgewichten im Zahlungsverkehr des Währungsraums gewarnt. Interessanter als seine Vorahnung von damals sind jedoch seine Ideen zur Lösung der Krise.

Das Ifo-Institut veröffentlichte im Sommer 2011 einen Schnelldienst zum Thema und am Ende durfte auch Reeh seine Arbeit aus dem Jahr 1999 überarbeitet noch einmal veröffentlichen. Hier für diejenigen die es interessiert, der Text von damals: “Zahlungsbilanzausgleich in der Währungsunion: viele Fragen, aber noch keine Antworten” in “Herausforderungen der Geldwirtschaft, Theorie und Praxis währungspolitischer Ereignisse”, Hrsg. Hans-Joachim Stadermann und Otto Steiger Metropolis Verlag, Marburg 1999.

Nachdem mich Kantoos auf den Ökonomen gestoßen hatte, rief ich ihn sofort an. Ich wollte mehr zu dem Punkt wissen, den er im Ifo Schnelldienst angedeutet hatte. Hier soll es jedoch nicht um die grenzüberschreitende Übertragung von Sicherheiten im Target-System gehen – ein Punkt, den besonders Verlorene Generation schon lange umtreibt (dazu in den Kommentaren bei Kantoos mehr). Hier soll es um einen sehr interessanten Vorschlag gehen, auf den mich erst Reeh gebracht hatte.

Als ich mit Reeh sprach sind wir sehr schnell darauf gekommen, dass es sich bei der aktuellen Krise im Euro-Raum vor allem um eine Zahlungsbilanzkrise handelt und weniger um eine Staatsschuldenkrise, wie es wohl noch immer viele in Berlin, Brüssel oder Frankfurt in ihrem Austeritätswahn glauben. Vieles was Reeh sagte, passt übrigens sehr gut zu der exzellenten Analyse von Paul de Grauwe, der im Mai 2011 einen Weg zur Lösung der Krise im Euro-Raum aufgezeigt hat. So war jedenfalls mein Eindruck.

In dem Gespräch mit Reeh sind wir dann auch sehr schnell zu der Frage gekommen, ob denn die Krise und die anhaltende Kapitalflucht aus dem Süden und Westen in den Norden des Euro-Raums nur durch Euro-Bonds zu lösen sei. Doch was Reeh dann vorschlug, hatte ich bisher noch nie gehört: Wenn schon die Banken Staatsanleihen als Sicherheiten für die Refinanzierung bei der EZB einreichen, dann sollen sie doch gleich einen Art Pool hinterlegen. Etwa ein Korb aus 27 Prozent Bundesanleihen, 20 Prozent französischen Anleihen, 18 Prozent italienischen Papiere, 12 Prozent spanischen Staatsanleihen usw. – ganz so wie es dem Schlüssel des voll eingezahlten Kapitals bei der EZB entspricht.

Schon hätten wir eine Art Euro-Bond, ohne dass die Staaten gemeinschaftlich dafür direkt haften müssten. Über das Euro-System stehen die nationalen Notenbanken natürlich auch weiterhin für mögliche Verluste ein. Das tun sie aber heute ohnehin schon.

Es wäre jedenfalls in meinen Augen ein effektiver Backstopp gegen die Kapitalflucht im Euro-Raum, denn die Banken müssten immer wieder Papiere der Länder nachkaufen, wenn sie sich Geld von der EZB leihen wollen. De Grauwe fand den Vorschlag jedenfalls auf den ersten Blick ganz gut, als wir ihn vergangene Woche in Berlin trafen. Klar, an den Details müsste man noch feilen, doch die Idee scheint mit als Übergangslösung doch sehr überlegenswert. Ein bisschen Gedankennahrung für die Osterfeiertage.

/Update (9.3.2012): Kantoos hat völlig recht. Es gab bereits prominente Vorschläge in diese Richtung. Wobei ich eher skeptisch über die schnellen Erfolgsaussichten bin, wenn Brunnermeier & Co vorschlagen, eine neue Wertpapiergattung zu etablieren. Vielleicht wären ESBies aber ein zweiter logischer Schritt, nachdem die EZB ihre Sicherheitenpolitik zunächst ändert.

Bernd Klehn hat in den Kommentaren einen wichtigen Hinweis gegeben: So könnte eine solche Lösung möglicherweise krisenverschärfend wirken, wenn Geschäftsbanken der Eurokrisenländer zu 27% deutsche Staatsanleihen beimischen und die eigenen dafür aus dem Portfolio schmeißen müssten. Interessant wären es, in diesem Zusammenhang die Stresstestdaten zu untersuchen. Eventuell haben aber gerade die Dreijahrestender bereits die Möglichkeit verbaut, die Sicherheitenpolitik der EZB zu ändern – Stichwort: Renationalisierung der Staatsanleihemärkte. /Updateende

http://wirtschaftswunder.ftd.de/2012/04/03/eine-art-euro-bond/

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