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Ein EU-Zinsverzicht bringt mindestens 3 Mrd. Euro für Athen – im Jahr

Klar liegt in Griechenland vieles im Argen. Doch solange die Wirtschaft wegen der Sparpakete mit Raten von sieben Prozent im Jahr schrumpft und die Arbeitslosigkeit bei 20 Prozent liegt, müsste es eigentlich jedem Steuerzahler im Euro-Raum zutiefst unmoralisch vorkommen, dass Athen noch Zinsen an die Euro-Länder und die EZB überweist. Von Moral Hazard kann ja nun wirklich keine Rede sein.

Aus dem letztem Troika-Bericht (Seite 41) geht hervor, dass Athen im September 506 Mio. Euro an die Euro-Staaten überwiesen hat. Da reibt man sich schon erstaunt die Augen, ging es nicht bei den jüngsten Verzögerungen des zweiten Rettungspakets um Einsparungen von 325 Mio. Euro.

Und die 506 Mio. Euro laufen nur im Quartal an. Macht also gut 2 Mrd. Euro Zinsforderungen im Jahr, was ja noch mal anwachsen wird, wenn tatsächlich alle Tranchen aus dem ersten Paket und die Milliarden des zweiten Rettungspakets fließen sollten.

Schön auch, dass die EZB sich bereit erklärt hat, auf Gewinne aus Griechenanleihen zu verzichten (natürlich nicht die hypothetischen, die erst bei Fälligkeit entstehen…, liebe Bundesbank!). Angenommen bei der EZB liegen Staatsanleihen aus Griechenland mit einem Nennwert von 27,5 Mrd. Euro. Bei einem angenommen Kupon von im Schnitt 5 Prozent macht das 1,4 Mrd. Euro im Jahr.

Als Summe ergibt sich 3,4 Mrd. Euro, die Athen an die Euro-Länder und die EZB mindestens dieses Jahr überweisen muss. Eine Summe, auf die wir gut verzichten können.

Update: Aktuell liegt der 3-Monats-Euibor, nach dem sich die Zinsen der Griechen richten, bei gut einem Prozent. Dies würde am Ende einen Zins für Griechenland nach jetztigem Stand von gut 3 Prozent bedeuten, wenn der reduzierte Aufschlag von 2 Prozentpunkten angewandt wird. Dann dürften sich die Zinskosten auf die bisher ausgezahlten Euro-Kredite (52,9 Mrd. Euro) diese Jahr auf 1,6 Mrd. Euro belaufen – nach jetzigem Stand wohlgemerkt. Macht zusammen mit den Zinsen an die EZB immer noch 3 Mrd. Euro.

http://wirtschaftswunder.ftd.de/2012/02/16/e-zinsverzicht/

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