Wie in Deutschland Krisenursachen und -symptome ständig durcheinandergewürfelt werden
Die Statistiker von Destatis haben mittlerweile die Sozialbeiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer für das Jahr 2025 veröffentlicht. Damit sind für die Arbeitgeber die Lohnnebenkosten gemeint, soweit sie nicht auf Beiträgen an private Sozialschutzsysteme wie Pensionsfonds beruhen.
Daraus geht hervor, dass entgegen einem verbreiteten Vorurteil die Arbeitskosten mit Sicherheit kein Grund für die Krise seit 2022 sind. Gemessen am Umsatz der Gesamtwirtschaft, dem wohl besten Massstab für Kosten, lagen die Lohnnebenkosten 2022 auf dem Niveau von 2011. Damals setzte in Deutschland ein Beschäftigungsboom ein der dem Land bis 2019 4.8 Millionen neue sozialversicherungspflichtige Jobs (1.4 Millionen im öffentlichen Sektor) bescherte. Seitdem kamen bis 2025 noch einmal 1.4 Millionen hinzu (1.1 Millionen im öffentlichen Sektor).
Aus den Daten geht hervor, dass der beste Weg, das Verhältnis der Lohnnebenkosten zu ihrer Berechnungsgrundlage, der Bruttolohnsumme, zu senken, eine ökonomische Erholung im Privatsektor ist. Wenn die Lohnsumme stagniert, wie in der Pandemie, oder langsamer wächst, wie in der Nachfragekrise infolge des Energiepreisschocks von 2021/22, steigt das Verhältnis. Der starke Anstieg der Lohnnebenkosten in jüngster Zeit ist also keine Krisenursache, sondern ein Symptom – auch weil die Löhne im Sozialwesen stärker steigen als in der Privatwirtschaft, die unter der Investitionsschwäche leidet.
Letzteres dürfte der wichtigste Grund für die Zusatzbeiträge der Krankenkassen sein. So genau weiss das jedoch niemand, weil weder Politiker, Verbände wie der GKV-Spitzenverband, Ökonomen noch irgendwelche Finanzkommissionen Daten dazu haben, wie die Löhne die Kosten im Gesundheitswesen treiben..Deutschland reformiert sich gerade im Blindflug und niemand interessiert es.
Foto: Unsplash
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