Eine katastrophale Währungsunion
Am Abend, bevor es erstmals die D-Mark gibt, finden ein paar Ostberliner die Euphorie in ihrer Stadt ganz schön anstrengend. Ein kleiner Trupp jugendlicher Partygänger schlängelt sich durch die Menschenmassen, die sich seit Stunden vor dem Haus der Elektroindustrie drängen. Genau hier wird gleich die erste Filiale der Deutschen Bank ihre Türen öffnen und Westgeld ausgeben. Los, schnell weg hier, leichte Panik kommt auf, die vier Jungs und Mädchen verschwinden durch die Neubauschluchten am Alexanderplatz Richtung Norden. Die Straßen durchzieht eine irre aufgeheizte Stimmung, ein bisschen wie Silvester, nur mitten im Sommer. Raketen werden abgefeuert, Sektflaschen gereicht, Autos fahren hupend hin und her, und auch Leute mit Deutschland-Fahnen sind gekommen. Dabei spielt die westdeutsche Fußballmannschaft ihr WM-Viertelfinale gegen die Tschechoslowakei erst einen Tag später, am 1. Juli 1990 in Mailand. Der erste großdeutsche Feiertag beginnt chaotisch. Um Mitternacht hören rund 300 Reporter und Fotografen, wie ein Banksprecher der grölenden Menge durch einen...
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