Krude Träume

March 11th, 2008

Nein, das bekommt sich gar nicht. Bis 4 Uhr Deadwood schauen und anschließend noch Die Wohlgesinnten lesen. Dann tauchen im Traum dann irgendwann mal Nazis im WildWestCamp auf, die im Saloon kleinen Jungs hinterher schielen. Noch kruder werden die Träume, wenn dann kurz vor 8 die Kollegen (im realen Leben) anrufen, weil sie nicht wissen, dass ich noch Urlaub habe. Die lieben Kollegen treten dann später auch noch auf. Huch. Ach ja und die Wand lebt auch noch; die grässlichen Szenen des Buches sind so unplastisch, kurz und kalt beschrieben, dass man sie sehr schnell weiter blättern kann, dann wird es wieder historisch oder sprachwissenschaftlich. Seite 350.

Die Wohlgesinnten und Bomben auf Serbien

March 6th, 2008

Aha, das ist also das härteste Buch, das mir die Grauen des Krieges und Genozids an den Juden näher bringen soll. Nach gut 200 Seiten Lektüre kommt ein leiser Verdacht auf, dass die deutschen Betroffenheitsfanatiker hier einen prima Anlass gefunden haben, um mal wieder erschüttert zu zerfließen.

„Ich habe das Buch während des Lesens dreimal an die Wand geworfen“, sagte Daniel Cohn-Bendit vergangene Woche in einem Gespräch mit dem Autor. Das klingt verdammt nach den roten-grünen Kriegsschnitzeln, die den ehemaligen Pazifisten angeblich Magengeschwüre bereiteten, als sie die Bomben auf Serbien 1999 bejubelten.

Wie schrieb Cohn-Bendit vor vierzehn Jahren in der Taz: „Als erstes wird dann von der Nato Pale bombardiert. […] Die Bombardierung von Pale würde sicherlich schreckliche Folgen haben. Aber ich glaube nicht, daß die Verblendung in der serbischen Bevölkerung und in der serbischen Armee einer solchen Entschlossenheit standhalten würde“. Das sind Sätze, wie sie so auch bei Jonathan Littell stehen könnten, wenn sein Held, Dr. Max Aue, den Jugoslawienkrieg geplant hätte.

Nach 200 Seiten seht fest: Es ist kein neues „Krieg und Frieden“, schon gar kein neuer Pynchon. Von pornografischen Gymnasiastenfantasien (Frau Radisch in der Zeit) kaum eine Spur. Noch viel weniger stimmt, dass es „ein Horrorbuch, grauenhaft, kitschig, brutal, pervers und obszön“ sei (Volker Weidermann in der FAS: „ich hasste dieses Buch vom ersten Satz an“). Und auch Frau Schnutinger hat unrecht, wenn sie meint, das sei doch „pathetischer Männerkitsch und hat was von Landser für den Intellektuellen“.

Sorry, liebe Feuilletonisten kommt doch mal wieder runter. Habt Ihr noch nie ein nüchternes Geschichtsbuch (gar kein so schlechtes) in der Hand gehalten, das durch ein paar – allerdings nur wenig bildhafte - Szenen aufgelockert wird. Ob „Die Wohlgesinnten“ die Skandal-PR verdient haben? Ich glaube nein, aber ich habe ja auch noch 1200 Seiten vor mir.

Lutz Licht

June 30th, 2007

Peter Licht und Lutz Seiler; das reicht dann auch. Mehr braucht man nicht. Schon bei Jochen Schmidt und Jagoda Marinic frühzeitig gegähnt, gut das man das alles abbrechen kann oder auch nicht.

Bis zur Hälfte von Peter Licht noch gedacht, dass Lutz Seiler besser war, dann aber in die plötzlich ernster werdenden Gesichter im Publikum geschaut, das ja mehr Aufmerksamkeit bekam, weil Herr Licht nur von hinten zu sehen war…

undundund oder so.

April 27th, 2007

Da hat der Herr UndUndUnd gerade blöderweise beschlossen vorerst keine Geschichtchen mehr öffentlich zu veröffentlichen. Zum Glück hat er uns aber noch ein schönes Buch gebastelt, mit vielen anderen drin, die so Geschichtchen schreiben, im Verlag mit dem Symbol zur Melon Collie (was dann auch wieder zum Anlass passt).

Klick und Kauf

01.06.07 um 20.00 Uhr ist Buchpremierenlesung in der Brotfabrik am Caligariplatz im Prenzlauer Berg.

Wer ist denn bitte Küüüriel?

January 22nd, 2007

Vergangene Woche bin ich noch etwas über Motor hergezogen. Dabei muss ich jetzt zugeben, dass der eine Nachrichtensprecher am Sonnabend [das ist der Samstag, Anm. für alle Österreicher u.ä. ;) ] den Orkan mal wirklich richtig ausgesprochen hat. Nach persönlichem Empfinden natürlich, das sich am Donnerstagabend aufbaute. Denn es war so ein seltener Tag, an dem ich das TV-Gerät einschaltete.

Der dienstliche Tagestrip nach Hamburg endete damit, dass abends keine Züge mehr fuhren. Deshalb verbrachte ich die Nacht im Hotel. Und da alle Bekannten in der fremden Stadt irgendwie nicht mehr auf die Straße gehen wollten, machte ich pünktlich zu Kachelmann - kurz vor der Tagesschau - den Fernseher an. Und der lief dann bis um eins - nur dass ich kurz nach dem Brennpunkt einschlief. Wie immer, wenn ich schon mal den Fernseher anschalte.

Aber für den Fall hatte ich vorgesorgt, denn neben einer Zahnbürste kaufte ich mir im Bahnhof meinen ersten Henning Mankell-Krimi (”Der Mann, der lächelte”), denn eigentlich wollte der Fernseher erst gar nicht funktionieren. Bis ich merkte, dass das Antennenkabel nicht in der Buchse steckte.

Weil ich um eins nachts hellwach war, las ich bis um fünf meinen ersten Henning Mankell-Krimi. Dass ich mir dabei den Herr Wallander immer so vorstelle wie in den Verfilmungen auf ZDF - wo der dicke Schauspieler den Kommissar spielt – hat hier gar nichts zu besagen: zurück zu Kyrill.

In meiner Familie sprechen wir den Namen Kyrill, wie der Sohn meiner Cousine heißt, als Kieriel aus. Und der eingangs erwähnte Nachrichtensprecher war der Erste, der ihn in meiner Medienwahrnehmung so aussprach. Meine Mutter erzählte mir, dass der Name eigentlich aus dem Griechischen stammt - nur was er bedeutet habe ich vergessen.

Keine Ahnung, wie die Griechen den Kyrill aussprechen, aber ich vermute sie werden ihn auf gar keinen Fall so türkisch als Küüüriel aussprechen. Wahrscheinlich ziehen deutsche Nachrichtenvorleser die Türkei als Urlaubsort irgendwelchen Inseln im Mittelmeer vor.

Der Motor-Nachrichtensprecher konnte Litwinenko auch ganz gut betonen, das muss ein Naturtalent sein. So bleibt nur noch zu erwähnen, dass die Nachrichten auf MotorFM im Audio-Studio der Netzeitung vorgelesen werden.

Der neue Pynchon

November 27th, 2006

Ich kann es ja doch nicht lassen, selbst im Urlaub, kurz noch Blogs gelesen! Und dabei bei Exdirk das hier gefunden:

Against the Day.jpg

With a worldwide disaster looming just a few years ahead, it is a time of unrestrained corporate greed, false religiosity, moronic fecklessness, and evil intent in high places. No reference to the present day is intended or should be inferred.

Und das hier wundert mich überhaupt nicht:

Es könne sich bei diesem Buch wie bei Joyces „Ulysses“ in Wirklichkeit um ein Meisterwerk handeln, dessen wahre Bedeutung erst die Zukunft oder auch eine nicht durch den Rezensionsdruck bestimmte Lektüre enthüllen werde.

Ich kann mich noch genau an die Gänsehaut erinnern, die mir “Die Enden der Parabel” [”Gravity’s Rainbow“] bereitete. 50 mal angefangen bis zirka Seite 50. Dann gings aber. Nur am Ende wollte ich so schnell wie möglich durch sein, verstanden habe ich da kaum noch was.

Und wenn man sich den Text von Klaxons’ Gravity’s Rainbow durchliest, passt das auch wieder:

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