Anonyme Alkoholiker fahren U-Bahn

January 20th, 2008

Früher soll es ja noch mehr davon gegeben haben in den guten alten Zeiten. Da waren die Redaktionsstuben noch gefüllt von Rauchschwaden. Da wurde geraucht und gesoffen…, wie man so hören und lesen kann. Heute klebt ja kaum noch einer Zeitungsausgabe in diesem Land der Hauch legaler Aufputschmittel an.

Sicher gibt es noch die eine oder andere Redaktion, wo die Kollegen sich wenigstens nach 18 Uhr eine anstecken dürfen, wenn die Ausgabe endlich fertig produziert wurde - der guten alten Zeiten wegen… Genau wie sich einige Redaktionen sogar noch stillschweigend ihre Alkoholiker leisten. Eigentlich eine feine Sache, wenn die Kollegen noch gut mit Standardaufgaben betraut sind.

Manche Kollegen werden die größte Zeit des Jahres sogar soweit geschont, dass sie nicht mehr in ihrer Redaktion erscheinen müssen. Die dürfen zu Hause bleiben – ganz ohne Rauchverbot und andere Einschränkungen. Und wenn dann mal der Text einen Tag ausbleibt, helfen ja noch die Schubladen auf dem Bürorechner.

Manchmal wird es sehr hart: Denn ein Mal im Jahr müssen selbst die sensibelsten Kollegen raus, richtig auf die Straße oder noch schlimmer unter der Straße: „Jetzt sind wir unter der Erde Berlins, die Wände sind mit Spray beschmiert, zwei Typen in Gangster-Rap-Klamotten tauchen auf. Meine Tante würde ohnmächtig werden.

Für die erlittenen Zumutungen (in Berlin darf ja nicht mal in der U-Bahn geraucht werden) reagiert der Verlag sehr großherzig. Sogar die eigenen (potenziellen) Leser darf der Herr Kolumnist beschimpfen: „Um uns herum die müden starren Gesichter, einsam, verloren. Untergrundfahrer-Gesichter, Unter-der-Erde-Fahrer. Niemand guckt jemanden an. Niemand interessiert sich für einen.

Keine Sorge, die Folgen für den Verlag dürften gering bleiben: Denn die Berliner U-Bahnfahrer lesen ohnehin die Westberliner Kalte-Kriegs-Postillen (zum Glück aus dem gleichen Haus) oder die Sozialistenblättchen vom Alexanderplatz. Wenn sie jeden morgen herabsteigen, wo „unter der Erde Berlins … ein anderes Leben“ herrscht.

Doch selbst bei einer Sache kann die große Springerfamilie dem Kolumnisten leider nicht weiter helfen: „Drei Betrunkene steigen zu, sie haben Bierflaschen in den Händen. Ich habe keinen Augenkontakt mit den Biertrinkern.“ Das ist dann wirklich richtig hart.

via Bildblog

Tage der Befreiung

December 21st, 2007

Guten Appetit !

Alle Jahre wieder. Ostberliner sind so gut, sie lassen Euch sogar die kritischen Anmerkungen über Euren Lieblingsbezirk, über den Ihr dann auch gleich im Chor gemeinsam abkotzen könnt. Eigentlich schon wieder gruselig dieser konsensuale Antikonsens.

Zum Glück verschweigen wir, dass uns schon lange kein Ekel mehr hoch kommt, so wie vor zehn Jahren, als wir anfingen über die westdeutschen Kleinstädter zu lästern, die plötzlich die Straßenbahnen auf der Prenzlauer Allee überfluteten. Wir sind ja jetze selber welche, ebend, Mahlzeit auch!

Gute Heimfahrt Anno 2006

Zieht alle weg - aus dem westdeutschen KleinstadtGhetto

November 10th, 2007

“Können auch gute Menschen böse sein?”, fragt sich der Gemüsehändler. Sie fragen: “Woher kommen die Bananen? Sind die öko?” Wenn er “Frisch vom Großmarkt” sagt, legen sie das Obst zurück.

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“National befreite Zone” oder “Bionade-Biedermeier” oder doch “Seelengevögelt by this life”: Für die Wahrheit über den Prenzlauer Berg im Zeit Leben hat Henning Sußebach mal wieder einen Journalistenpreis verdient. Und das in einem Jahr, in dem man für die Verwendung des Wortes Gentrifikation oder auch Gentrifizierung einfach mal im Knast landen kann. Immerhin tritt der Doktorvater des zeitweilig Inhaftierten auch in dieser Reportage auf.

Henning Sußebach: Die ZeitLeben-Reportage Bionade-Biedermeier und den Egon-Erwin-Kisch-Preisträger 2007 bekam er für Hoffmanns Blick auf die Welt

undundund oder so.

April 27th, 2007

Da hat der Herr UndUndUnd gerade blöderweise beschlossen vorerst keine Geschichtchen mehr öffentlich zu veröffentlichen. Zum Glück hat er uns aber noch ein schönes Buch gebastelt, mit vielen anderen drin, die so Geschichtchen schreiben, im Verlag mit dem Symbol zur Melon Collie (was dann auch wieder zum Anlass passt).

Klick und Kauf

01.06.07 um 20.00 Uhr ist Buchpremierenlesung in der Brotfabrik am Caligariplatz im Prenzlauer Berg.

Und jetzt ein Lagerfeuer

March 27th, 2007

vielleicht vor dem Postbahnhof? Aber ohne Gitarre, versteht sich, oder?

Grau wird Eure Zukunft sein!

February 24th, 2007

Die Begleiterin fühlt sich gar nicht wohl im KollwitzMärchenviertel. Und es liegt nicht an der Kälte oder der Sonne, was tatsächlich ein Grund hätte sein können. Die langweiligen Kinder mit ihren perfekten Erzeugern gibt’s weiter nördlich auch schon ewig. Samstag spazieren - ins Herz des Kiezes, an dessen Südgrenze ich gerade wohne.

Wenn es wärmer ist, blieben hier immer die Führungstouris vor einigen Häuser stehen, erzähl ich so. Früher hätten die Fassaden im Prenzlauerberg alle so ausgesehen, sage dann immer der Führer. Teilnahmslos starrten die Geführten meist den bröckelnden Putz an. Wahrscheinlich haben sie’s schon zum tausendsten Mal gehört, in der Art.

In der Winterkälte gibt’s heute keine Führungen. Draußen trinken sie ihren Kaffee vor den Cafés, selbst wenn die Grillautomaten gar nicht versuchen, die Haare anzukokeln. Die anderen Bewohner laufen die Gehwege voll. Manche führen ihre Gäste von anderswo aus. Wie der Typ, so um die Vierzig, der gerade mit drei Frauen an uns vorbei läuft.

“Und früher, da sahen hier alle Häuser wie dieses hier aus”, erklärt er gerade seinen beeindruckten Begleiterinnen. Wir gehen schnell über die Prenzlauer Allee rüber. Hier kriegen wir endlich wieder Luft.

East by Northeast

February 22nd, 2007

Drüben scheint bald auch die Sonne, mit Mammutprogramm. Und das gibt es jetzt zum Download (SXSW). Wobei ich mich kaum noch gedulden kann, meine neue Flatrate zu gebrauchen. Aber der Router blinkt nur und Lidl-DSL muss warten. Gestern noch schnell das monatliche Limit geschrammt, die UMTS-Box wollte ich eigentlich heute einmotten.

Derweil laufen in Berlin große Vorbereitungen auf ein kleines Quasi-Festival. Vorsorglich alle Wochenendschichten auf die erste Märzhälfte verlegt. Denn dann kommt der Hammer, wie bereits an anderer Stelle erwähnt:

Duke Special (19.03.Lido)
LCD Soundsystem (20.03.Postbahnhof)
The Long Blondes (21.03. Lido)
Klaxons (22.03. Lido)
Malajube (23.03. Magnet)
Dustins Bar Mitzvah (24.03. Kalkscheune)
Nine Inch Nails (25.03.Columbiahalle)
Kristin Hersh (26.03. Postbahnhof)
Arcade Fire (27.03. Postbahnhof)

Ich schau am besten gar nicht, was noch davor und danach läuft. Neben der worklichen Umverlegung bleibt natürlich wie immer die Frage des Geldes. Nicht nur wegen der Karten, sondern auch der Berge von Asprin und Kaugummi und Trinkjoghurt, für die Morgen danach: Man hat ja schließlich noch zu arbeiten. Aber wegen des Geldes, könnte man auch glatt anfangen zu fasten, da war doch nochmal was.

doch nichts passiert

February 19th, 2007

Egal wo Du hingehst. Aber das wusstest Du schon vorher. Trotzdem gehst Du, drei Minuten Frühlingsbrummen im Schädel war vorgestern. Abgesehen davon, dass sie entweder zu jung sind oder den falschen Bands zujubeln. Rheinländer und Berlinale verflüchten sich eh schneller als man denkt. Humorlose Kampfdohlen mit Alkohol weggespült. Die mit dem Humor empfängt sowieso lieber Kinder.

Wogegen auch keine Exzesse an drei freien Tagen helfen. Das wusstest Du auch schon, bevor sie zu brummen beginnt. Deshalb lässt Du es gleich. Nein, Langeweile schreit hier nicht, sie gähnt auch nicht. Aber immerhin kannst Du Dir es endlich verkneifen. Abgesehen davon, dass Theorien über das alte Berlin für’n Arsch sind, und alte Sümpfe in neuen Schläuchen jetzt bunter scheinen.

Abgesehen, es beruhigt doch: angekommen, und doch nichts passiert.

Vermisst

February 10th, 2007

Und diesen sibirischen Berliner Winterwind, den hab ich auch vermisst. Echt jetzt.

tipr

January 16th, 2007

Ein bisschen ist mir ja schon schlecht geworden, nachdem ich den Jubelartikel über Motor im Tip-Magazin gelesen habe. Man könnte meinen, Motor geht in drei Monaten an die Börse oder so was - ist vielleicht gerade der Neue Markt wieder auferstanden und ich habs nicht mitbekommen. Schleimspur wisch ganz schnell weg.

Aber im Grunde genommen ist der Artikel auch nicht schlimmer als MotorFM-Hören: Es hinterlässt einfach nur ein schales Gefühl. Ob nun Leuten zuzuhören, hinter denen ein Veranstalter und Label und SPD-Arschkriecher Herr Renner usw. steht oder ob die als CD verkleidete Anzeige im Magazin mit einem dazugehörenden Aufmacher garniert wird, macht eigentlich keinen großen Unterschied.

Dabei kann man nicht mal sagen, dass man die Radiostation so richtig scheiße finden kann, da wo stellenweise recht gute Musik gespielt wird, oder die, die Bands nach Berlin holen, die sonst jemand anders nach Berlin geholt hätte.

Was ich mir gewünscht hätte, dass Hagen Liebing in seinem Artikel z.B. einem Label wie Cityslang statt eines kurzen Alibi-Auftritts weit mehr Platz eingeräumt hätte: Eine Rundumschau über einige der interessantesten Bands der vergangenen Jahre. Ach was sag ich, in einem Fall, was Deutschland betrifft, natürlich dieses Jahres. Sucht Metric nicht noch einen vernünftigen Partner in Deutschland? Egal.

Nur hätte dann natürlich “Neueste Deutsche Welle” kaum auf den Titel und die Millionen Plakate in der Stadt gepasst. Auf die CD hätten vielleicht noch ein paar andere Berliner Labels Platz gefunden. Vielleicht von Plattenfirmen, die noch keiner kennt, oder Labels wie etwa Firestation Records. Bei denen erscheinen z.B. auch ein gewisser Herr Burnster mit seiner Kapelle The Sealevel oder Avocadoclub, die im vergangenen Jahr die ganz kleinen weit hinten versteckten Popkammern meines Herzens geöffnet haben mit einem Song wie Too Much Space To Walk Away.

Sicher gibts da noch viel mehr Firmen und Künstler, die erst noch entdeckt werden wollen, die ich nicht kenne, über die ich aber gerne in so einem Artikel gelesen hätte. Ab so, gehts jetzt ein paar Musik-Magazin-Hanseln ganz schön PRima. Egal, wenn es einem kleinen Idioten übel aufstößt oder nicht. Wie heißt es so schön bei Herrn Liebing: “Nur ein Umzugsgrund [der Spex] steht bei allem außer Frage: Wenn es um gute Musik geht, führt kein Weg an Berlin vorbei…”.

[Den Artikel über das neue Cookies hab ich erst gar nicht angefangen, zu lesen. Ganz sicher, der “aufregenste Club der Stadt … -dem Laden auf den sich alle einigen konnten…”, wie im Editorial steht. Obwohl vielleicht voreilig, ich könnt ja auch mal wieder lachen…]

Pfadfinder

January 8th, 2007

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Seit einer Woche in Berlin. Was voll gelogen ist, weil ich eigentlich schon seit September hier bin. Aber eigentlich zählt das ja auch wieder nicht. Wegen der super Arbeitszeiten hatte ich am Ende sowieso fast nur noch die nächtlichen Indietanzteppiche der Stadt zu Gesicht bekommen. Das ist jetzt anders: Im Gegensatz zu Leuten, die Bücher darüber vollkriegen, wie man den ganzen Tag WLAN-Anschlüsse von gastronomischen Einrichtungen nutzt, hab ich jetzt wieder Internet auf Arbeit, und die geht nur bis zum Abend anstatt bis in die Nacht. Sowas soll es ja in Berlin auch noch geben.

Dafür keine Zeit mehr, Blogs während der Arbeitszeit zu lesen. Zumindestens gibt es in dieser Stadt noch besprühte Wände, die einen nicht wirklich ahnen lassen, was man hier alles verpasst, wenn man pünktlich abends ins Bett geht, wie es sich für einen braven Bürger gehört. Oder dem Tourist den Weg weist, was er unbedingt mal mitnehmen sollten: Damit es in “illegalen” Clubs noch langweiliger wird, denn so wie ich mich noch finster erinnere, waren die sowieso so langweilig, weil alle vor lauter Aufregung das Feiern vergaßen.

East X

December 23rd, 2006

Ostberlin

Keine Ahnung, wer solche Plakate in der Stadt geklebt hat. Ich sag mal, kommt ruhig wieder und frohe Weihnachten auch!

Once Upon A Time In Prohibition Town

November 20th, 2006

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An weißen Tischdecken und Kerzenschein, im Hintergrund läuft Musik der 20er Jahre. Für einen kurzen Moment das Gefühl gehabt, im Film “Es war einmal in Amerika” zu sitzen. Beim Anblick der chinesischen Laterne hätte eine Opiumpfeife ganz gut gepasst. Der Whisky oder Brandy wäre aus der Heizung gelaufen.

Jemand neben mir fühlte sich eher im Film “‘Einer flog übers Kuckucksnest”. Da hatte er aber etwas übertrieben. Es waren doch nur die üblichen Durchgeknallten. Draußen sind andere Sachen prohibiert.

Noch zwei Tage Berlin. Beim nächsten Shabbat in Jerusalem.

Was suchst Du denn in Berlin?

October 23rd, 2006

Neulich fuhr ein Mann am Reichstag mit seinem Fahrrad Richtung Potsdamer Platz. Der hatte hinten so einen Korb auf dem Gepäckträger. Da war ein Schild dran, darauf stand: “Suche wahre Demokratie!”

Nee, ist schon okay, kann man suchen, selbst in Berlin…

Die ersten Wochen

September 12th, 2006

Nee, er ist noch nicht vorbei, der Sommer. Mit Sonnenbrand um zwei nachts nach Hause kommen. Bei diesem Wetter geht man zu Fuss zur Arbeit. Dauert ja nur etwas mehr als eine Stunde. Ausschlafen kann man auch, Espresso gibts unterwegs …

(more…)

Ecke Schönhauser: 50 Jahre später

September 11th, 2006

Berlin

Vor zwei Monaten sah das hier ganz anders aus, als das hier. Wenige Stunden nach dem Sieg gegen Portugal.

Berlin, Ecke Schönhauser

September 10th, 2006

… an der Eberswalder das zweite mal so gefühlt, als ob man nachts an der Camden Town Tube Station wäre. Wenn man bedenkt, dass beides nicht unbedingt die aufregendsten Orte ihrer Städte sind, dafür aber exemplarisch für das jeweilige Großstadtgefühl stehen, ist das schon bemerkenswert.

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Berlin, Ecke Schönhauser

Sie kriegen ihn nicht sauber

September 7th, 2006

Fernsehturm

Aber 100 Karma-Punkte für mein neues Zuhause. Ja, schön wieder hier zu sein.

Der Pfandtag

August 19th, 2006

Der S-Bahnfahrer hatte schon Feierabend auf dem Bahnsteig in Ostkreuz. Er stellt den großen Aktenkoffer, den man häufig mal bei Anwälten sieht, ab. Greift die rumstehende Bierflasche, schüttet den Rest auf die Gleise und steckt sie in seinen grauen Stoffbeutel.

Von wegen Ordnungssucht: Die Weinflasche ein Meter weiter ließ er stehen.

Drei Stunden zuvor im ICE irgendwo kurz vor Hannover. Der Mann in der Uniform der Deutschen Bahn war offensichtlich nicht mehr im Dienst. Schlendert durch die Reihen und sucht sich einen leeren Platz. Vorher nimmt er noch die leere Cola-Flasche mit, die auf einem der Tische stand.

So schön, so schön

July 30th, 2006

WM in der Torfabrik

Und eigentlich wollte ich ja noch vor diesem Lied, etwas zu Berlin schreiben, nachdem ich mir das hier angeschaut hatte.

Sag ich doch: Berlin ist so schön in diesem Sommer, da geht gar nichts drüber. Jetzt sind es auch nur noch fünf Tage… Und wenn ein paar Figuren mehr lachen und sich das mal genau jetzt anschauen würden, dann gäben sie mir ganz bestimmt auch Recht.

Nicht mehr lange!

July 25th, 2006

Wenn 2005 das Blütejahr für Indie-Music war, so ist 2006 das Blütejahr für Berlin. Irgendwo an dieser Stelle sagte ich ja bereits, dass nach diesem Winter in der Stadt es nur noch einen verrückten Sommer geben kann. Das Frühjahr war noch schlimm. Aber jetzt ist ja alles wieder gut.

Das Wetter spielt natürlich auch mit. Selbst die Ostsee kann da nicht locken. Berlin, Berlin, Freibad Pankow und überhaupt. Rausfahren an den See? Ist doch nur Zeitverschwendung. Und ich sitz noch einen Monat in Düsseldorf fest. Gut, dass gerade sowieso Urlaubszeit ist. Wenn alle wieder in die Stadt zurückgekehrt sind, so ab September, wird es noch mal richtig schön, behaupte ich jetzt mal. Das letzte Mal für eine sehr lange Zeit, fürchte ich.

Nächstes Jahr wird das Jahr Eins für Berlin nach 2006. Ein bißchen wird die Stadt noch auf der Welle weiterreiten, so wie Indie-Music in diesem Jahr. Danach wird die Stadt unerträglich werden wie zu New Economy-Zeiten. Oder es wird endlich richtig aufregend. Auf jeden Fall wird etwas Neues entstehen.

Nur nichts von den Ökonomen vormachen lassen, die schon seit Monaten vor der höheren Mehrwertsteuer warnen. Verschärfte Hartz-Gesetze? Wer glaubt denn noch an sowas… Der Nahe Osten wird eine größere Rolle dafür spielen, wohin die Reise geht.

[Aus der Kategorie: Verwirrte Gedanken aus dem Dorf, wenn man solche Meldungen liest. Und eigentlich jetzt lieber in Berlin sein würde. Vor zehn Jahren begann die ganze Scheiße doch mit diesen Boxern, oder?]

Improvisiert Restaurieren

June 3rd, 2006

Improvisiertes Restaurant

Leider machen sie jetzt Fußballpause. Da passt es dann doch wieder für die Zeiten des gepflegten WM-Wahnsinns. Sonst ist hier ein imporvisiertes Restaurant mit anschließendem Kulturprogramm angesagt: Man meldet sich per E-Mail an, gekocht wird von Leuten die gerade Bock haben. Prinzip Wochenbar, die es mal lange in dieser Stadt gab (oder immer noch gibt?) Und das eine mal, wo ich die Speisen ganz improvisiert in mich hineinschlang, hat es wirklich sehr gut geschmeckt. Weiter gekocht wird in der Schönhauser Allee dann im September oder Oktober. Willst du mehr wissen schreib an: q1fanty AT weitwinkelsubjektiv.com, denn ganz so öffentlich ist es dann auch wieder nicht. Man beachte auch die kreative Besteckordnung.

Improvisiertes Restaurant

Da willste nur noch SCHREIEN

May 26th, 2006

Wenn du in dieser Stadt länger leben willst, brauchst du einfach ein paar Schutzmechanismen: Die Bettler die du täglich siehst, die Obdachlosenzeitungsverkäufer berühren dich schon gar lange nicht mehr. Von Zeit zu Zeit gibst du ihnen ein bisschen Geld, ein noch gültiges BVG-Ticket, das du nicht mehr brauchst, oder manchmal ein Zigarette. Ansonsten machst dir du keinen Kopf drum. Sobald du die Tür deiner Wohnung hinter dir geschlossen hast, ist die Welt sowieso außen vor.

Wenn du nach anderthalb Jahren Pause wieder länger in der Stadt lebst, merkst du es vielleicht noch die ersten drei Wochen, wie die Leute hier aggressiver geworden sind. Die deprimierten und abgekämpften Gesichter. Wem es gut zu gehen scheint, wirkt merkwürdig introvertiert. Auch der Müll auf den Gehwegen (gab es den früher überhaupt?) der fällt dir erstmals bewusst auf, nur weil ein bayerischer Provinzblogger es sich zum Hobby gemacht hat, bei jedem seiner Berlinbesuche, die entsprechenden Bilder rein zu stellen. Und du fragst dich, ob du hier wirklich leben willst, in deiner alten Heimatstadt.

Aber das dauert höchstens drei Wochen. Dann hat dich die Stadt auch wieder gefressen, so wie sie jeden frisst, der hier nicht rechtzeitig abgehauen ist. Und dann kannst du dir gar nicht mehr vorstellen, wie du überhaupt jemals zweifeln konntest. So aufregend und beschaulich zugleich, so wie immer eigentlich, da hat sich nichts geändert. Und es ist Frühling, und der ist wirklich einzigartig hier. Du kennst die Orte, wo du mit deinen Freunden kuschelige Abende verbringen kannst, ohne Klischeebewohnern aus Berlin-Mitte zu begegnen.

Sicher bist du auch enttäuscht über Läden, die früher in keinem offiziellen Programm auftauchten und jetzt zu spießigen Schickerialäden verkommen sind. Andere dagegen behielten auch nach Umzug und Aufnahme in die Terminplaner der Stadt ihren Charme. Natürlich kennst du die Orte, wo sie die für dich heißeste Musik spielen. Du freust dich, wie die Stadt in anderthalb Jahren irgendwie internationaler geworden ist. Dann wunderst du dich vielleicht, dass du überhaupt jemals zweifeln konntest.

So wie vorgestern: Das beste Konzert der British Music Week besucht, The Rifles und Sunshine Underground haben einen wunderbaren Auftritt hingelegt. Anschließend triffst du alte Bekannte wieder, die du schon Jahre nicht mehr gesehen hast. Dann willst du auch gar nicht mehr aufhören mit Tanzen, als der DJ einen Kracher nach dem anderen spielt. Irgendwann steigst du dann doch betrunkenglücklich in die Straßenbahn. Und du lässt dir den ganzen Abend noch mal durch Kopf gehen, während die letzten Leute in die Bahn einsteigen. Kurz bevor sie losfährt wird es noch mal kurz etwas lauter hinter dir, ganz da hinten an der letzten Tür. Du Hurensohn, ruft jemand aus der Gruppe in der Bahn. Von denen, die draußen stehen, ist aus dem Gebrülle auch nur „du Hurensohn“ zu hören.

Jugendliche halt, Idioten eben. Man, lasst mich bloß in Ruhe, denkst du noch, als es irgendwann laut kracht. Ein lesendes Mädchen schaut verwirrt auf, als vor ihren Füßen in der Mitte der Bahn ein Pflasterstein liegen bleibt. Allgemeine Aufregung, bis der Straßenbahnfahrer unter Jubel der Gruppe da hinten, die es in die Bahn geschafft hat, die Türen schließt und losfährt. So 20 Minuten dauert die Fahrt von einer Endstation zur anderen. Und die ersten Minuten willst du nur noch SCHREIEN. So richtig laut. Scheiße, wo bist du nur gelandet? Was ist aus der Stadt, deiner Heimatstadt, geworden? Nur noch Bekloppte hier. Die meisten Fahrgäste gucken noch etwas verdattet, gehen aber schnell zu ganz anderen Themen über.

Auch als du aussteigst, denkst du kaum noch darüber nach. Fünf Minuten später, als du endlich die Tür deiner Wohnung hinter dir schließt, kreisen deine Gedanken schon längst um morgen, wen du wieder alles treffen wirst in dieser Stadt, die doch so beschaulich und aufregend zugleich ist, so wie immer eigentlich, die doch soviel internationaler geworden ist in den Monaten, wo du nicht da warst. Und dann will dir auch gar nicht mehr einfallen, wer da noch mal mit dem Gedanken gespielt hatte, hier weg zu gehen, ganz weit weg, so was von weg, am besten gleich ins Ausland.

I Love Berlin in the Spring Time

May 11th, 2006

Nicht so ein paar Leute, die in der Stadt schon seit Jahren Parties veranstalten:

der Frühling kann mich mal. in 6 Monate ist endlich wieder Winter

hieß es in einer Email, die sie gestern rumgeschickt hatten. Drei Parties

um allen Frühjahrseuphorie geschädigten etwas Entspannung zu bieten

Erster Abend: Liebeskummer. Gar nicht so schlecht, für einen Freitagabend. Danach kann man ja wieder weiter machen…

Anpassungsfähig

May 2nd, 2006

Hier kann man genau erkennen, in welchem Stadtbezirk ich jetzt wohne.

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