Einszueins für München
March 4th, 2008Was mir bisher zu München einfiel, war: Es ist irgendwie wie Düsseldorf - natürlich nicht die Altstadt, die vielleicht mittwochs auf der Ratinger etwas an München erinnern mag. München war bisher mein Sinnbild für das verkackteste, zur Schau gestellte Patrizier-Bürgertum, das man in Berlin so verachtet, wenn man nicht um den Kollwitzplatz herum wohnt.
Deswegen traut sich ja niemand selbst im diesem Märchenviertel seinen ach so hart erarbeiteten Erfolg jedem schon aus 50 Meter Entfernung entgegen zu schleudern – außer vielleicht ihre vielen Kinder, die sie hier herumgetragen.
Das erste Mal in München waren zwei Tage in der Weihnachtszeit damals, als die New Economy noch boomte. Die Catering-Firma brauchte noch studentische Hilfskräfte aus Berlin für die Pro7-Weihnachtsfeier – ein gigantisches Fest. Keine Ahnung, ob die heute noch so viel Geld dafür übrig haben. Es war jedoch nicht die 24-Stunden-Schicht damals, die mich so über die Stadt abkotzen ließ.
Ein kurzer Ausflug in die Innenstadt am Vorabend reichte schon. Klar ist jede Stadt unerträglich (für einen Touristen), wenn die Leute ihr Geld in Weihnachtsgeschenke anlegen müssen. Das war auch in Hamburg nicht anders, wie ich vergangenen Dezember feststellte. Doch selbst wenn man diese Minuspunkte jeder Stadt zu Gute hält, blieb München irgendwie extrem abgehoben.
Nun, der Eindruck hat sich geändert. Nicht dramatisch, aber immerhin. Nach knapp anderthalb Jahren in westdeutschen Städten wie Düsseldorf und Köln, fangen die Münchner Leutchen in ihren edlen Stoffen sogar an, sympathisch zu wirken. Vielleicht liegt es ja am Klima oder den Leckereien auf dem Viktualienmarkt, dass sie hier auf den ersten Blick so entspannt daher spazieren.
Am Geld kann es eigentlich nicht liegen, das gibt es anderswo auch. Nur, dass sich den Düsseldorfer Geldherumträgern eine unheimliche Verbissenheit (und Arroganz) in die Gesichter gefressen hat. Vielleicht haben sie aber einfach nur die schlechteren Schönheitschirurgen im Rheinland.
Oberflächlich betrachtet, wenn man nur die Gesichter einer Stadt auf sich wirken lässt, spiegelt sich das Auftreten der Oberschicht im Auftreten der Unterschicht und umgekehrt. Es ist immer wieder erstaunlich, was für eine Abgestumpftheit einem in Düsseldorf entgegenschlägt, besonders wenn man aus Köln dort ankommt. Wo ist eigentlich die Düsseldorfer Mittelschicht geblieben, sowohl auf der Einkommens- als auch der Modernitätsskala?
München scheint dagegen vor Entspanntheit fast zu platzen: oben, unten, vorne oder hinten. Sicher kann so ein Wochenendausflug nur oberfläch bleiben. Aber die Stadt hat extrem in meinen Augen an Wert gewonnen – wenn wir allein die westdeutschen Großstädte betrachten. Und irgendwie haben die Bayern doch einen slawischen Einschlag. Nicht, dass es mich da schon irgendwie hinziehen würde. Es kommt jetzt aber schon kurz nach Köln und vor Hamburg, falls ich mal wegziehe.
Dann wird aber wiederum die Frage interessant, ob das Business heutzutage eigentlich nicht überall gleich funktionieren sollte, egal ob in London, Düsseldorf oder München? Wetten nicht? Über die Vorzüge Berlins brauchen wir hier nicht streiten. Wir haben hier sogar unser kleines München (will ich nie wieder wohnen, aber sollen sie doch…) und unser kleines Köln (nicht Neukölln) – für jeden etwas dabei. Hoffentlich bleibt mir das kleine Düsseldorf, falls es das hier gibt, für immer verborgen.



















