Updriften

February 21st, 2007

Idee: Thomas Pynchon im Original lesen und dazu Scott Walker hören.

30 Century Man auf der Berlinale war erst meine zweite Berührung. Die erste kam aus dem Radio, als Herr Doebeling, seine Lieblingslieder (oder Musiker) des vergangenen Jahrtausends vorstellte. Es war ein Sonntag vor zwei drei Jahren, als ich noch mit Herrn C. in einer WG im Friedrichshain wohnte,. Zufällig (es war wirklich Zufall) lief Roots in der dunkelsten Küche der Welt. Dann kam dieses Lied. Nein, ich schreib nicht, dass die dunkeltste Küche der Welt plötzlich in hellen Licht erstrahlte. Das würde nicht mal Herr C. wagen, würde er hier rumkritzeln. Es war ein Lied von Herrn Walker.

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Frage: Wirkt Pynchon und Walker zusammen vielleicht genauso, als ob man bekifft Dostojewskis “Schuld und Sühne” liest?

Das ging gar nicht gut aus. Aber immerhin wirkte Herr Walker viel abgeklärter in diesem Film, als ich erwartet hatte. Kauf ich mir The Drift, ich bin ja keine alternde Hippie-Hausfrau aus England. Den neuen Pynchon hab ich ja schon. Wird schon nicht so schlimm werden.

Hat der Schneider beim Brinkmann geklaut?

January 22nd, 2007

Bei “Brinkmanns Zorn“, dem Film mit den Tonbandaufnahmen des Dichters Rolf Dieter Brinkmann, hatte ich ein Deja-vu. Es gab einen Satz über eine Straße, der fing, wenn ich mich richtig erinnere, mit “Diese Straße…” an und endete mit “Scheiße”.

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Und jetzt habe ich das bekloppte Gefühl, dass ich diesen Satz schon mal in irgendeinem Helge Schneider-Film gehört habe. Neben diesem Satz beeindruckte mich gleich die erste Szene, wo der Dichter über den Himmel in Köln in sein Mikrophon spricht, brüllt, redet, schimpft. So wie er später recht amüsant über Köln als Stadt und ein paar seiner Bewohner herziehen wird.

Die erste Szene hat soviel Kraft, dass es bis über weite Teil des streckenweise sehr zähen Films rettet. Am Ende fängt er sich dann aber wieder. Nur in der Mitte hätte er ein paar Tonbänder weniger ganz gut vertragen.

Dabei kam mir gleich nach dem Himmel-Über-Köln-Monolog der Gedanke, was der Brinkmann doch für ein Spinner sei. Das änderte sich aber rasch. Irgendwann passen die Gedankenfetzen, aus denen der Film eigentlich nur besteht, zu einem erstaunlich runden Bild zusammen. Am Ende bereut man noch kurz den ersten Gedanken, aber nicht den Kinobesuch.

Oh ja, der Erdmann siehts kommen

January 8th, 2007

Der Krankenschwester ist es mittels unwissenschaftlicher Verhörtechniken gelungen, eine Meinung aus dem symbiotisch lebenden Paar heraus zu pressen. Fern ab von Persönlichkeitsrechten und Genfer Konvention konnte sie die Meinung mit Hilfe der sehr fragwürdigen Methode der Psychoosmose isolieren. Der so entstandene Extrakt kommt der Meinung eines Kritikers verblüffend nahe.

Worum es hier geht? Natürlich um “Mein Führer - die wirkliche wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“.

Um mal davon abzulenken, dass mir überhaupt nichts zu Babel eingefallen ist, nachdem ich ziemlich erschlagen gestern aus dem Film kam. Nur dieses diffuse Gefühl, gerade einen guten Film gesehen zu haben. Aber weshalb nur?

Die Anderen

December 14th, 2006

SWISS

Dank Swiss das “Leben der Anderen” gesehen. Obwohl ich mir den Film nie ansehen wollte. Alle waren sie drin. Alle, die wichtig sind. Und das nicht nur ein mal. Das erzeugt in mir immer so eine Aversion. Habe auch nicht “Good Bye Lenin” gekuckt. Da gings mir genauso. Vielleicht läuft der dann auf meinem nächsten Swiss-Flug, wann auch immer der sein wird. Bestimmt ist er dann einsortiert unter Oldies.

Könnte mir gut vorstellen, dass die “Anderen” ein prima Film für Oppositionsnostalgiker ist. (Und die, die schon immer die Größten waren.) Jetzt ohne die Aufgeregtheit vom März fand ich ihn gar nicht so schlecht.

Berlin, Ecke Schönhauser

September 10th, 2006

… an der Eberswalder das zweite mal so gefühlt, als ob man nachts an der Camden Town Tube Station wäre. Wenn man bedenkt, dass beides nicht unbedingt die aufregendsten Orte ihrer Städte sind, dafür aber exemplarisch für das jeweilige Großstadtgefühl stehen, ist das schon bemerkenswert.

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Berlin, Ecke Schönhauser

Michael Haneke - Caché

January 30th, 2006

Früher, da spielten sie noch Klavier. Heute geht der Enkelsohn zum Schwimmen. Die Großmutter vermisst das Musizieren, seit der Großvater verstorben ist. Beinah hätten beide vor langer Zeit, 1961 in Frankreich, ein algerisches Kind adoptiert. Daraus wurde nichts.

Deshalb die Angriffe. Eigentlich passiert nichts wirklich Schlimmes. „Wieso terrorisieren Sie uns? Was wollen Sie?“, fragt der Sohn. Es sind Videobänder, auf denen sein Haus zusehen ist, wie er und seine Frau aus und ein gehen.

Der Feind, die Feinde? Es bleiben Vermutungen. Das Kind von ’61, dass mittlerweile erwachsen ist, oder dessen Sohn. Beide streiten ab. Gegen den ungreifbaren Feind müssen wir zusammen halten. Bloß keine Angst einjagen lassen.

Weiter wie bisher. Sonst hätten sie doch erreicht, was sie wollten. Im Fernsehen laufen Bilder aus dem Irak und Palestina sowie amerikanische Soldaten, die für Gräuel verurteilt werden.

Nein, wir vertrauen uns: der Liebsten, den Freunden. Wer muss schon nachdenken? Uns trifft kein Schuld. Und vielleicht hilft Geld. „Was wollen Sie?“ – „Nichts“. Aber irgendwas müssen Sie doch wollen. Nein, nur dabei sein, das ist alles.

Schlechtes Gewissen, ich doch nicht. Bitte schick die Freunde nach Hause! Was wollen die schon wieder hier. Wir müssen reden, ich muss schlafen. Keine Albträume mehr, bitte! Keine Albträume.

Nur die Enkel haben (noch) keine Angst. Oder war es doch das schlechte Gewissen?

Caché von Michael Haneke.

Ab ins Kino!

Endlich mal die Wahrheit

January 19th, 2006

Nach den vielen positiven Berichten hatte ich schon langsam das Gefühl, dass ich zu betrunken war, damals bei der Sneak Preview, als die vom FAF einem Rotwein spendierten, so als Weihnachtsgeschenk sozusagen. Oder das irgendwas mit mir nicht stimmt. Aber jetzt bin ich beruhigt und schiebe hinterher:

MATCHPOINTISTSCHEISSE

Sommer vorm Balkon

January 18th, 2006

Richtige Menschen. Keine Medienhuren, wie in (meinem) richtigen Leben und wie ich auch. Gut, mal wieder im Kino gewesen.
Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase (spricht für sich). Regie: Der beste aus Deutschland (Dresen).

“So ist das Leben. Aber wirklich!” Richtig lesen bei Franzi und Frau Gröner.

[Man, freu ich mich schon auf den neuen Haneke. Wie man hört, soll das der beste Film 2006 sein. Guter Start ins Filmjahr! ]

Woody Allen in London

December 20th, 2005

Die erste halbe Stunde hab ich noch gedacht ich will zurück nach London. Denn der neue Film von Woody Allen, gestern in der Sneak Preview im Filmtheater am Friedrichshain, spielt nämlich fast nur in London. Match Point. Ein ehemaliger Tennisprofi steigt in die britische Oberschicht auf und fängt gleichzeitig ein Verhältnis mit seiner künftigen Schwägerin (gespielt von Scarlett Johansson) an.

Das Ende spielt ein bisschen mit „Schuld und Sühne“ von Dostojewski, was aber irgendwie sinnlos rüberkommt. Viel zu lang der Film. Anschauen kann man ihn sich, aber nur wenn man auf Woody Allen steht. Und die Johansson ist wunderbar.

Woody Allen - Match Point (Quicktime-Trailer)

ich war neunzehn

December 17th, 2005

Eine Wodka-Pelmeni-Orgie. In dem Film “Ich war neunzehn” von Konrad Wolf gibt es eine wunderbare Szene zu erleben.

Irgendwann nach den Kampfhandlungen müssen auch die Kämpfer der Roten Armee feiern. Es sitzen 20 bis 30 Soldaten an langen Tischreihen und jeder knetet die leckeren Pelmeni. Irgendwo werden die Dinger alle auf einem anderen Tisch aufgereiht, und von Zeit zu Zeit wird gezählt. Jeweils nach 1000 Stück oder so holt jeder Soldat seine Wodka-Flasche unter dem Stuhl hervor und alle trinken und rufen “Hurrra!”

Seit zehn Jahren folgen wir in unserer Familie diesem Beispiel immer Anfang Dezember. Einen Tag lang gibt es nur noch Kneten und Trinken (Wodka für meinen Vater und mich, so nach jeweils 100 Stück, falls wir noch richtig zählen können; meine Mutter trinkt dann immer irgendeinen Likör). In diesem Jahr ist heute dieser Tag. Mal sehen wie viele Pelmeni und Flaschen wir heute schaffen. Jedenfalls geh ich mich jetzt erstmal richtig abschießen. :)

Der Sohn des Henkers von Minsk

November 17th, 2005

Der ehemalige Henker und sein Sohn saßen gestern in einem Berliner Kino. Der Grund: 89 Millimeter. Soviel beträgt der Abstand zwischen der Spurweite europäischer und (weiß)russischer Schienen. Zügen, die aus Berlin kommend in Brest die Grenze passieren, werden daher die Räderwerke ausgetauscht.

Hinter der Grenze beginnt nicht nur auf der Schiene eine andere Welt. Gibt es „Freiheit in der letzten Diktatur Europas“? Sebastian Henzels beeindruckender Dokumentarfilm „89 Millimeter“ ist ab heute in den deutschen Kinos zusehen. Sechs junge Leute im Alter zwischen Anfang bis Mitte 20 erzählen von ihrem Leben in Weißrussland. Ohne Genehmigung drehte Henzel mit seinem Kameramann Eugen Schlegel über zehn Monate verteilt immer auf der Hut vor den Sicherheitsorganen, die im ganzen Film allgegenwärtig sind.
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Editors, Interpol auf iTunes und viel Lachen

November 15th, 2005

Brilliantes Konzert der Herren Editors am Sonntag. Nichts von wegen “Fangen wir mal mit den schwächeren Liedern an und steigern uns dann”, sondern von Anfang weg, richtig gut losgegangen. Nicht nur, dass das Debutalbum kaum schwache Lieder enthält, wie ich finde. Der Sound im Postbahnhof war großartig, der Gesang von Tom Smith kam gut rüber. Und das ist wichtig, denn der Herr kann wirklich gut singen.

Editors in Berlin #2

Herr C., mit dem ich dort war, bemerkte nur, dass oft die Lieder viel langsamer gespielt wurden als auf der CD. Dadurch hätten vor allem die Nicht-Hits sehr gewonnen und Smith’ Stimme habe dadurch mehr im Vordergrund gestanden. Wogegen die Hits, wie etwa Munich, eher so heruntergespielt wurden, meint jedenfalls Herr C. Ich hab das so genau gar nicht mitbekommen. Ich fands einfach nur gut. (more…)