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Meine Stimme aus Wien: Das EZB-Manöver beim Schuldenschnitt hat die Griechen-Krise verschärft

Es ist eine der absurdesten Entscheidungen in fünf Jahren Griechenland-Krise. Als im Frühjahr 2012 der Schuldenschnitt ansteht, setzt der damalige EZB-Chef, Jean-Claude Trichet, durch, dass die Euronotenbanken sich daran nicht beteiligen müssen. Sie haben zu dem Zeitpunkt griechische Anleihen in einem Volumen von 56,5 Milliarden € in ihren Büchern. Das meiste davon kam aus dem Anleihekaufprogramm SMP, mit dem die Währungshüter versuchten, den Zinsanstieg bei Anleihen der Krisenstaaten zu stoppen.

Die Ausnahme erfolgt gegen die Bedenken der Bundesbank. In Frankfurt-Bockenheim sind sie der Meinung, dass die Euronotenbanker mögliche Verluste mittragen müssten, wenn sie schon das Risiko eingegangen sind. Bereits damals diskutieren die deutschen Währungshüter die Möglichkeit, griechische Anleihen auf den Rettungsschirm der Euro-Staaten zu übertragen.

Diese Idee bietet mehrere Vorteile: Die Euro-Zentralbanken würden nicht gegen das Verbot der Staatsfinanzierung verstoßen, wenn auch bei den Griechen-Anleihen – bislang auf den Notenbankbüchern – ein Schuldenschnitt erfolgt. Zudem ließen sich die Rückzahlungsfristen, auf die Jahre 2012 bis 2019 konzentriert, nach hinten verschieben, so wie später bei den Darlehen der Euro-staaten über die Rettungsfonds.

So muss Athen von 2012 bis 2014 aber rund 30 Milliarden € seiner Schulden pünktlich tilgen, Stück für Stück finanziert durch die Eurostaaten und den IWF. Nur fünf Milliarden bekommen sie dadurch erlassen, dass die Euronotenbanken Zins- und Kursgewinne zurücküberweisen.

Bei einem Schuldenerlass um die Hälfte hätte Athen 2013 aber eine Summe von 1,5 Prozent und 2014 von 2,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukt mehr ausgeben können und der Absturz der Wirtschaft wäre wohl längst passé. Aber auch heute könnten die übrigen Anleihen noch an den Rettungsschirm übertragen und verlängert werden. Bei den Euro-Notenbank liegen noch 18 Mrd. €.

Dieser Beitrag erschien zuerst etwas gekürzt als Kolumne im WirtschaftsBlatt vom 30. Juni 2015.

Foto: Flickr/Charles Chan/(CC BY-ND 2.0)
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