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So stabilisieren deutsche Exporte die Partnerländer aus dem Euro-Raum (nicht)!

Unseren Hardlinern fällt wirklich nichts mehr ein. Wie lange muss man eigentlich in der ideologischen Mottenkiste kramen, um so abgestandene Glaubenssätze der reinen Marktlehre herauszufischen, wie sie Clemens Fuest gefunden hat. Eins muss man dem ZEW-Chef allerdings lassen. Er schaut sich wenigstens vorher noch die Daten zur Leistungsbilanz an, wenn er etwas darüber zu sagen hat. Aber was macht eigentlich unser Lieblingsdogmatiker Jens Weidmann?

Der Bundesbankchef hielt diese Woche eine Rede, da sagte er das hier (meine Hervorhebung):

„Im Übrigen haben sich die Leistungsbilanzsalden zwischen den Ländern der Währungsunion in den letzten Jahren bereits deutlich verschoben. Deutschland hat zwar nach wie vor einen hohen Überschuss. Dieser besteht aber vor allem gegenüber Ländern außerhalb der Währungsunion. Gegenüber dem Euro-Raum hat sich der Überschuss von 2009 bis 2012 in etwa halbiert. Die steigende Nachfrage nach deutschen Produkten kommt also vor allem aus Drittstaaten und diese Exporte stabilisieren die Partnerländer aus dem Euro-Raum auch über eine höhere deutsche Importnachfrage.“

Na dann schauen wir uns einmal die Bundesbankdaten an, die ursprünglich von Destatis kommen. Hier sehen wir die deutschen Exporte von Waren und Dienstleistungen in Länder außerhalb des Euro-Raums. Dem stehen die deutschen Importe aus dem Euro-Raum gegenüber:

131115 DE EXPORTAllein ein Blick auf diese Grafik erübrigt bereits jeden Kommentar. Oder findet hier jemand einen Zusammenhang zwischen Export in Drittstaaten und dem Import aus dem Euroland? Aber schauen wir uns gleich noch den langfristigen Trend an – seit 1972 – indem wir einfach nur den Abstand unserer Exporte (außerhalb Eurolands) von den Importen (aus dem Euroland) betrachten – also die Differenz beider Größen:

131115 DE EXPORTSALDOWas ist hier nur los? Die Bundesbank hat eine ausgezeichnete Statistikabteilung – stets geben sie dort freundlich Auskunft. Die Leute im volkswirtschaftlichen Stab sind bestens ausgebildet. Nicht einmal zehn Minuten hätte es dafür gebraucht, Herr Weidmann hätte sich die Daten selber von seiner Homepage runterladen können.

Oder wollte uns der Bundesbankchef bewusst hinters Licht führen? Oder fällt ihm auch nichts mehr ein, womit er unsere Export- und Leistungsbilanzüberschüsse noch rechtfertigen kann? Wie auch immer, Herr Weidmann hat sich somit den Titel des „Tapeten-Kurt der Jahres“ für außergewöhnliche Leistungen im dogmatischen Verdrehen von Tatsachen verdient. Herzlichen Glückwunsch!

ps: Was natürlich sein kann: Vielleicht hat Herr Weidmann die Importe großteils aus China mitgezählt, die in der Eurostat-Statistik als Eurolandimporte auftauchen. Auch das dürfte einem Bundesbankchef natürlich nicht passieren. Wie auch immer, sein Pro-Argument für große Leistungsbilanzüberschüsse kann Herr Weidmann gleich mal im Müll entsorgen.

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