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Vorfreude auf den Geldflut-Brennpunkt der ARD zum DAX-Rekord

Bald ist es wieder soweit. Der deutsche Leitaktienindex DAX steht kurz davor, seinen alten Rekord bei 8151,57 zu überwinden. Die 8000er-Schwelle hat er bereits kurzeitig überschritten (dazu mehr bei meinen früheren Kollegen, die jetzt Feingold Research betreiben). Vielleicht wird dann der eine oder andere am Abend des Tages X, womöglich schon nächste Woche, die ARD-Börsensendung kurz vor der Tagesschau einschalten. Also die Sendung, wo die Kollegen immer wieder aufs Neue versuchen, Wirtschaft und Börse so weit herunter zu brechen, damit auch jeder TV-Zuschauer es verstehen möge. Höchstwahrscheinlich wird der DAX-Rekord dann sogar mit einem Brennpunkt garniert.

Und ganz sicher werden uns die ARD-Kollegen dann Experten präsentieren wie Robert Halver, der dann so Sachen in die Kamera sagen darf, wie: „[O]ffenbar wird keine Krise so groß, dass sie nicht durch billiges und viel Geld geheilt werden kann.“ Nun wissen wir nicht so genau, was Halver genau damit meint. Noch viel weniger wissen wir, was die Handelsblatt-Kollegen vergangene Woche meinten, als sie ihren Lesern sieben Gründe für die Aktie präsentierten – nachdem der Dow Jones Index bereits auf Rekord gestiegen war.

Besonders wissen wir nicht, was die HB-Kollegen unter Punkt 5 („Das billige Geld der Notenbanken fließt in die Märkte“) damit meinten, wenn sie schrieben:  „Das viele Geld aber sucht sich seinen Weg an die Märkte – und davon profitieren vor allem die Börsen.“ Wie genau sucht sich denn das Geld der Notenbanken seinen Weg an die Märkte? Kaufen die Banken plötzlich mehr Aktien mit ihrem geliehenen Zentralbankgeld? Gut möglich, denn die Institute im Euroland erhöhten vergangenes Jahr ihre Bestände an Aktien aus der ganzen Welt um 51 Mrd. Euro nachdem es 2011 nur 17 Mrd. Euro waren. Doch auch 2010 bauten die Institute ihre Aktienbestände um 53 Mrd. Euro auf. Spricht eigentlich nicht für einen gewaltigen Schub durch die Geldspritzen der EZB.

Geliehen hatten sich die Institute von der EZB im Dezember 2011 und im Februar 2012 netto rund 500 Mrd. Euro für eine Zeit von maximal drei Jahren – wovon die Hälfte bereits zurückgezahlt wurde. Damit wären dann rund 10 Prozent der ursprünglichen Summe in Aktien geflossen, wenn die Institute ihre Aktieninvestitionen allein mit dem günstigen EZB-Geld refinanziert hätten – was nicht gerade sehr plausibel klingt. Eine Geldflut an den Märkten durch die EZB sieht jedenfalls anders aus. Oder haben die Institute etwa mehr Geld an Privatanleger oder andere Investoren verliehen, damit die sich Aktien auf Pump kaufen? Dagegen sprechen jedenfalls die lahmenden Kreditflüsse im Euroland.

130310 DE BOERSENWie auch immer sich die Kollegen die Geldflut ganz konkret vorstellen, lustig wird es dann, wenn man sich die Börsenumsätze anschaut, z.B. in Deutschland. Wenn schon Rentenpapiere wegen der Minizinspolitik der Notenbanken so wenig abwerfen, sollte doch alles in Aktien strömen, oder? Ähnliches ist auch in ganz Europa und den USA zu beobachten.

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