Dieses Jahr ist gerettet
November 20th, 2007Asobi Seksu mit abgestimmtem Sound zu erleben, war schon fast wie Weihnachten. Nach dem Klangbrei im Vorprogramm der Editors im Frühjahr, war ja Schlimmstes zu befürchten gewesen. Doch nicht so am vergangenen Freitag im Roten Salon: Herrliche Krachkaskaden, die sogar die Stimme der Sängerin und nicht nur die noch hindurch ließen, machten mich sehr froh.
Und bei Diego statt Interpol am Tag darauf, eine erfreuliche gute deutsche Band entdeckt. Nichts wirklich Neues. Aber das erwartet man ja selbst von Interpol und den Editors nicht mehr. Dafür klingen sie doch recht frisch. Und wenn Diego nicht aus Karlsruhe kommen würden, hätte ich irgendwie gedacht, dass sie wohl in ihrer Jugend ein paar ostdeutsche Bands zu viel gehörten haben. Und immerhin wollen die Herren wenigstens nicht zu Joy Division tanzen, das werden ab Januar dann sowieso viel zu viele wollen.
The Brunettes danach fielen anfänglich mit hippieesken Anwallungen auf, sodass die Hälfte der begleitenden Menschen gleich nach zwei, drei Liedern vor die Tür des Schokoladens verschwand. Es gibt ja zwei Arten von Selbsthilfegruppen, die sich als Musikanten verkleiden: die guten und die nervigen. Und wenn ich mich zunächst an den Klamauk einer Band wie Architecture in Helsinki erinnert fühlte, schwand der Eindruck zum Glück recht schnell.
Doch auch der Vergleich mit einer dieser guten Gruppe von nördlich des großen Wasserfalls braucht hier nicht gezogen werden: Eher musste ich irgendwie an Velvet Underground denken - nur ohne Drogen und entsprechenden depressionesken Anwallungen. Aber das muss wohl an der Stimme von Jonathan Bree gelegen haben, die wie die von Lou Reed klingt, wenn er damals jeden Tag ins Solarium gegangen wäre. “Ohne Drogen” war sogar sehr wörtlich gemeint von JB, der sich darauf freute, beim nächsten Mal in rauchfreien Räumen in Berlin zu singen.
Das nächste Jahr wird echt grässlich.