Hat der Schneider beim Brinkmann geklaut?

January 22nd, 2007

Bei “Brinkmanns Zorn“, dem Film mit den Tonbandaufnahmen des Dichters Rolf Dieter Brinkmann, hatte ich ein Deja-vu. Es gab einen Satz über eine Straße, der fing, wenn ich mich richtig erinnere, mit “Diese Straße…” an und endete mit “Scheiße”.

Brinkmann.gif

Und jetzt habe ich das bekloppte Gefühl, dass ich diesen Satz schon mal in irgendeinem Helge Schneider-Film gehört habe. Neben diesem Satz beeindruckte mich gleich die erste Szene, wo der Dichter über den Himmel in Köln in sein Mikrophon spricht, brüllt, redet, schimpft. So wie er später recht amüsant über Köln als Stadt und ein paar seiner Bewohner herziehen wird.

Die erste Szene hat soviel Kraft, dass es bis über weite Teil des streckenweise sehr zähen Films rettet. Am Ende fängt er sich dann aber wieder. Nur in der Mitte hätte er ein paar Tonbänder weniger ganz gut vertragen.

Dabei kam mir gleich nach dem Himmel-Über-Köln-Monolog der Gedanke, was der Brinkmann doch für ein Spinner sei. Das änderte sich aber rasch. Irgendwann passen die Gedankenfetzen, aus denen der Film eigentlich nur besteht, zu einem erstaunlich runden Bild zusammen. Am Ende bereut man noch kurz den ersten Gedanken, aber nicht den Kinobesuch.

3 Responses to “Hat der Schneider beim Brinkmann geklaut?”

  1. 1 bosch
    February 7th, 2007 at 10:44 am

    Großartiger Film. Ich hatte in Hamburg die Gelegenheit, bei einer Premiere unter Anwesenheit von Hauptdarsteller und Regisseur anwesend zu sein (http://www.boschblog.de/2007/01/11/brinkmanns-zorn/).

    Der Regisseur Harald Bergmann hat Brinkmanns Frau Marlene etwa zehn Jahre bearbeitet, bis sie sich bereiterklärte, das Tonmaterial zur Verfügung zu stellen. Der Hauptdarsteller Eckhard Rhode hat anahnd der Tonbandaufnahmen gerlernt, exakt wie Brinkmann zu atmen. Herausgekommen ist ein sehr beeindruckendes Werk.

    Wenn Du weiterhören willst, kann ich Dir sehr die 5 CDs umfassende Edition “Wörter. Schnitt. Sex.” empfehlen.

  2. 2 q1fanty
    February 7th, 2007 at 8:49 pm

    Danke für den Tipp. Das war ja auch noch so eine ungeklärte Sache, ob sie das zu den Tonbändern quasi gefilmt haben, oder ob, das nachgespielt wurde?

    Aber jetzt hast du ja die Antwort gegeben!

  3. 3 bosch
    February 8th, 2007 at 9:37 am

    Genau. Die Tonbandaufnahmen sind in den 70′ern im Auftrag des WDR entstanden. Ausgerüstet mit dem riesen Aufzeichnungsgerät unternahm Brinkmann seine Streifzüge durch die Stadt. Der Regisseur hat durch Befragungen von Brinkmanns Frau und anderen Personen aus seinem Umfeld versucht, zu den vorhandenen Aufnahmen die passenden Szenen realistisch zu rekonstruieren.

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