TEMPO zu KLOPAPIER

December 21st, 2006

Ich habe mir TEMPO am Samstag auf dem Bahnhof gekauft. Als ich nach meinem Urlaub zu Hause ankam, gab es leider noch genug Klopapier…

Vor zwei, drei Jahren hat sich die britische Musikjournaille darüber lustig gemacht, wie Kate Moss versucht, sich ein Rockstar zu angeln. Nach der dritten oder vierten Abfuhr, ich glaub es war der Sänger der Kaiser Chiefs, biss nur noch der Drogen-Pete an. Die Häme der Schreiberlinge war ihr gesichert – und zwar auf britische Art.

Die Jubiläumsausgabe der TEMPO macht mit einem Porträt über Moss auf, gleich als zweite größere Geschichte. Die erste über die deutschen Eliten hatte bei mir ein zwiespältiges Gefühl hinterlassen, konnte also nur besser werden. Und vielleicht würde ich endlich eine der viel gerühmten TEMPO-Geschichten zu Ende lesen.

Moss also, der Punk unter den Top-Models, so geht es los. Eine Geschichte über das Mädchen mit den zu kleinen Brüsten und krummen Beinen, die auf der falschen Flussseite geboren wurde und dann zum Model wird mit Hang zur „Rebellion“. Sie übersteht einen Koksskandal, steht finanziell besser da als je zuvor. Ach, wie süß…

Dass die TEMPO-Herren schreiben können, steht wohl außer Frage. Doch wenn man genau hinschaut, was sie schreiben, zum Beispiel Thomas Huetlin in diesem Stück, möchte man einfach nur noch kotzen: „Sie wurde das Gesicht der 90er Jahre, weil sie Punk nach Amerika brachte, als jener dort, mit der für die Vereinigten Staaten üblichen zeitlichen Verspätung, entdeckt wurde. Punk hieß dort Grunge …“

Bei so viel aufgeblasener Wichserei steige ich komplett aus. Und nicht nur aus diesen Artikel, nein gleich aus dem ganze Heft. Wir müssen gar nicht anfangen, darüber zu reden, was Punk ist und wer es war – und das schon in den 70ern dort drüben. Nein, und ich glaube auch nicht, wie Sonic Youth, dass 1991 The Year Punk Broke war.

Dieser eine Satz verspricht nur noch Klischees und Wiedergekäutes bis zum Ende des Artikels. Deswegen will ich ihn gar nicht erst zu Ende lesen. (Ihr könnt mich gerne vom Gegenteil überzeugen.) Wenn die Moss wirklich mehr ist als eine dumme Kuh, die es statt mit Zauberern mit Rockmusikern macht, und wenn die spottenden Musikjournalisten keine Ahnung haben, ja mein Gott, dann schreibt es doch endlich mal auf.

Keine Seite lese ich mehr. Ich reiße mir lieber die Seiten mit den Bildern und der Werbung raus. Lege sie schön sortiert neben mein Klo und schau sie mir noch kurz vorher an. Ich will auch keine überdrehten Geschichten mehr lesen, wie die über die Eliten, die alle nach rechts gerückt sind. Alles so offensichtlich konstruiert, dass am Ende auch ja die These stimmt.

Anfang der 90er Jahr, als eine Freundin sich nicht mehr eingekriegt hatte, wie toll sie doch TEMPO findet, ging ich irgendwann dazu über, mir nur noch die Bilder anzuschauen. Die finde ich immer noch Klasse. Was anderes wollt Ihr ja auch nicht.

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