Ostjerusalem und Sicherheit

November 26th, 2006

Heute bin ich einfach zu müde, um noch mal raus zugehen und noch zu wach, um zu schlafen. Immerhin den höchsten Berg Jerusalems erklommen, dabei einen großen Umweg gelaufen. Musste mir noch die Ostmauer der Stadt anschauen, die die Israel von Palestina trennt. Jaja, der alte Ostberliner in mir hat doch irgendwie Sehnsucht. [Bilder folgen später.]

Es zahlt sich bei dieser Reise aus, erstmals ohne israelische Begleitung unterwegs zu sein. Irgendwie hatte ich schon Bammel vor Ostjerusalem, dem arabischen Teil der Stadt. Gestern einfach in einen abgelegenen Pfad südlich der Altstadt entlang gegangen. Plötzlich kamen mir nur noch Schulmädchen mit Kopftüchern entgegen.

Etwas später begrüßte mich noch ein Mann mit einer Machete in der Hand. Er pflückte gerade etwas von einem Baum. Er war sehr nett, wie seine Frau und ein anderer Mann auch. Sie mögen die Deutschen. So hatte sich der Bammel dann schon gelegt, als ich heute so “richtig” nach Ostjerusalem ging.

Das einzige, was überraschte: Wie schnell sich doch das Erscheinungsbild der Stadt ändern kann, wenn man nur die Straßenseite wechselt. Die Grenze zwischen den Stadtteilen verläuft ja eher unsichtbar. Ansonsten sah es aus wie in einer ganz normalen arabischen Stadt. Ich hab mich jedenfalls so sicher gefühlt wie im Westteil der Stadt.

In Westjerusalem stehen vor vielen Läden und vor jeder Bank Sicherheitstypen mit Metalldetektoren rum, sie durchsuchen die Taschen und halten kurz das Gerät an den Körper. Die gibt es hier seit der Al Aqusa-Intifada, die 2000 begann. Heute dienen sie wohl noch als Attrappe, um das Sicherheitsgefühl der Menschen zu erhöhen. Irgendwann gehörte es hier einfach dazu, um „in“ zu sein, habe ich im Reiseführer gelesen. Ob es wirklich was bringt, ist unklar, wahrscheinlich ist es jetzt nur noch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Die letzte Intifada muss jedenfalls viel verändert haben. Erstmals habe er sich hier richtig unsicher gefühlt, erzählt mir ein 21-jähriger Mann aus Jeruslam. Jetzt steht am anderen Ende der Stadt eine Mauer, dreimal so hoch wie die in Berlin vor 17 Jahren. Und wenn ich mich nicht täusche, laufen heute weniger Soldaten mit Gewehren oder Uzis rum als noch vor zehn Jahren.

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