Und morgen in der Zeitung: Kanadische Hingabe

October 30th, 2006

Wiedermal für die Zeitung die vergangene Konzertwoche zusammengefasst - aber nur das Gute (Metric in Berlin und Junior Boys in Köln). Über das weniger Gute wird geschwiegen (nur soviel: Über Mignon im White Trash am vergangenen Samstag hätte der Teufel vielleicht nur gegähnt), aber über die musste ich auch nichts schreiben. Ganz im Gegensatz zu dem hier (wer nicht klicken will):

Zwei kanadische Bands kommen nach Deutschland und treffen auf ganz unterschiedliches Publikum. Während Metric mehr und mehr Fans zu ihren Konzerten ziehen, stehen die Junior Boys noch am Anfang, die Fans hierzulande zu erobern. Bei ihrem ersten Auftritt in Deutschland vergangene Woche hatten sie noch mit der Erkältung ihres Sängers zu kämpfen. Die dürfte auf den Konzerten am Donnerstag und Freitag in Regensburg und Berlin vorüber sein.

Emily Haines war mit Metric aus Toronto schon das zweite Mal in diesem Jahr in den Clubs des Landes unterwegs. Schon längst sind sie hier kein Geheimtipp mehr wie vielleicht noch bei ihrer vorherigen Konzerttour im Mai. In Berlin füllte die kanadische Kultband jetzt das Lido schon recht ordentlich. So langsam lieben auch die hiesigen Fans die Band, die in ihrem Heimatland schon längst Kultstatus genießt.

Die Konzertbesucher, die Metric bereits im Frühjahr erlebten, sahen eine unerwartet gewandelte Band. Weniger wild ging es auf der Bühne aber auch im Saal zu. Ganz anders als noch bei ihrem letzten Besuch in der Stadt in der Enge des Magnet Clubs. Dabei bewegte sich Emily Haines weniger Effekt heischend als bei früheren Auftritten – sie beeindruckte eher durch ihre zurückgenommene Strenge. Doch treibend war der Gitarren-Rock allemal. Was man auch dem Gitarristen, James Shaw, und Bassisten, Josh Winstead, ansah. Ingesamt wirkte der Auftritt von Metric intensiver und hingebungsvoller als je zuvor.

Viele Konzertbesucher erwiesen sich recht textsicher bei den Lieder, die größtenteils vom aktuellenAlbum „Live It Out“ kamen. Doch selbst bei älteren Band-Klassikern wie „Combat Baby“ oder „Dead Disco“ schallte es aus dem Saal. Gerade letzteres Lied leitete in das furiose Finale des Konzerts über. Metric gaben an diesem Abend alles – bis zur Erschöpfung.

Ein Publikum wie auf Metric-Konzerten müssen sich die Junior Boy aus Ontario erst noch erspielen. Eher verhalten begann der Tourneeauftakt für die Kanadier. Leider fiel die Ein-Mann-Band The Russian Futurists als Support für das erste Deutschland-Konzert aus. Doch nicht nur die fehlende Vorband ließ die Stimmung im dem zu einem guten Drittel gefüllten Gebäude9 in Köln nur langsam steigen.

Die sphärischen, elektronischen Klänge der Junior Boys waren anscheinend nur wenigen Insidern bekannt. Gleich zu Beginn weihte Sänger Jeremy Greenspan die Konzertbesucher in ein weiteres Handicap ein. Der Herr hatte sich bei einer Tour auf der britischen Insel erkältet. „Es könnte sein, dass ich während des Konzertes sterbe, aber wo sollte man besser streben als in Köln?“, sagte er zur Begrüßung.

Das Publikum brauchte eine Zeit, bis es seine Zurückhaltung verlor. Ausgerechnet nach einem Lied, aufgenommen in Düsseldorf, zeigten die Konzertbesucher doch mehr Enthusiasmus. Der hielt dann auch bis zum Ende des Abends, den die Junior Boys mit einem an Mogwai erinnernden Krachteppich abschlossen.

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