Nicht nur ein schönes Parteilogo
September 15th, 2006
Dazu ein schneller Kommentarversuch hier.
Das folgende stammt aus Business News, 15.09.2006.
Millionen Menschen tun es täglich in Deutschland. Sie kopieren Lieder, laden sich Filme über Tauschbörsen aus dem Internet runter - und das Ganze ohne einen Hauch von schlechtem Gewissen. Geht es nach Auffassung der neuen Piraten Partei, auch zu Recht. Und dass, obwohl das Treiben der Zeitgenossen nicht immer legal ist.
Seit fast einer Woche gibt es die Partei, die sich für das freie Vervielfältigen aller digitalen Daten einsetzt. Ganz legal soll es werden, solange mit den Kopien kein Geld verdient wird. Das ist aber noch nicht alles: Wie schon ihr Vorbild aus Schweden mit dem selben Namen kämpfen die „Piraten“ gegen die Gefahren des neuen digitalen Zeitalters. „Statt gläserner Bürger fordern wir gläserne Verwaltung“, heißt das zweite große Motto der noch jungen Vereinung.
Das derzeitige Urheberrecht ist nach Ansicht der Aktivisten der Piraten Partei ein völlig veraltetes Konzept. Die digitale Revolution erfordere neue Regeln, denn das Kopieren sei nicht mehr aufzuhalten, genau wie der freie Meinungsaustausch der Bürger. Wenn das Kopieren für jeden erlaubt ist, führe dies zu einem Boom in Wissenschaft, Bildung und Kultur, sagt Christof Leng, der am Sonntag auf der Gründungsversammlung zum Vorsitzenden der Partei gewählt wurde.
Der Musik- und Filmindustrie ist das Treiben der „Piraten“ ein Dorn im Auge. Mit Werbeclips in Kinos drohen sie den Kopierern mit Gefängnisstrafen. „Raubkopierer sind Verbrecher“ heißt eine Initiative der Branche. Für deren Geschäftsführer, Jan Oesterlin, ist die Partei durch „Paranoia und Polemik“ geprägt. „Der Komplexität des Themas “Urheberrecht” werden die von der “Piratenpartei” propagierten Inhalte nicht gerecht, eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Thesen scheint mir nicht gegeben“.
Die Piraten belegen ihre Positionen mit konkreten Beispielen. Dass mit kostenlosen Downloads Geld verdient werden kann, zeige die Entwicklung freier Software. Jeder darf diese Programme kopieren und weiterentwickeln. Hinter der Software steht meist eine weltweite Entwicklergemeinde.
Rund um diesen Trend hat sich mittlerweile eine milliardenschwere Industrie gebildet. Die Unternehmen verdienen statt an den Programmen mit Dienstleistungen rund um die Software, wie einem Hilfsservice bei der Installation oder dem Vertrieb über DVDs.
Als weiteres Beispiel nennt Leng das Geschäftsmodell von Google: Der Konzern stellt seine wichtigste Dienstleistung, die Internetsuche, ebenfalls frei zur Verfügung stellen. Das Geschäft laufe um diesen Service herum. „Und das läuft richtig gut“, sagt der Parteichef. Auf ähnliche Geschäftsmodelle hoffen die Piraten in Zukunft auch für Musik, Film und Wissenschaft. Diejenigen die über Tauschbörsen Lieder runterladen gehörten ohnehin zu der größten Gruppe, die die Musik auch kaufe, meint Leng. Auch das Interesse am Erlebnis eines Kinobesuchs habe kaum abgenommen, obwohl die Menschen Filme runterladen und DVDs kauften.
„Die Industrie fürchtet den Verlust ihres Monopols“, sagt der oberste deutsche Pirat. Jan Oesterlin von der Anti-Raubkopierinitiative hält dagegen: „Die “Piratenpartei” stellt sich als provozierend-populistische Vereinigung dar, die vor allem durch das Vermengen von Schlagwörtern auf sich aufmerksam macht.“
Die Resonanz der neuen Partei, die sich keiner politischen Richtung verpflichtet fühlt, ist groß. Erste Kontakte gibt es zu Nichtregierungorganisationen. Anfragen kamen bereits vom Suma, einem Verein zur Förderung der Suchmaschinen-Technologie und des freien Wissenszugangs, und dem Professor, der die mp3-Technologie erfunden hat, Karlheinz Brandenburg. Ein Vorstandmitglied kommt aus dem Chaos Computer Club, der sich seit Jahren für den Schutz der Privatsphäre und den Datenschutz öffentlich einsetzt. Für diese Ziele tritt auch die Piraten Partei ein. So sollten die Entscheidungen der Datenschutzbeauftragten endlich eine effektive Wirkung haben.