Feeling B[erlin]
December 22nd, 2005Dieses typische Gefühl in dieser Stadt: Nachts betrunken und allein aus irgendeinem Klub stolpern und die ganze Welt geht dir so dermaßen auf den Sack. Nicht jeden Tag, sondern nur manchmal, so wie letzten Sonntag. Einen Absacker im White Trash Fast Food und die erste Nase, die man sieht, ist die von Ben Becker. Was dazu führt, dass man hier gleich wieder raus will und auf dem Nachhauseweg nicht nur die ganze Welt sondern auch noch Ben Becker im Kopf rum nervt.
Vermisst, nach einem dreiviertel Jahr London und halben Jahr Köln? Zuerst wohl nicht. Dann aber mit der nächsten Welle schwimmt alles, wirklich alles, wieder ganz woanders hin. Selbst wenn man zwei Tage später im selben Lokal dann nicht nur einen Absacker trinkt. Von schrecklich netten Bloggern umgeben, die einen ermahnen, das Foto bei Flickr auf private zu setzen. Was die Handykamera dermaßen erschrecken lässt, dass gar kein Grund mehr für private mehr besteht.
Nach der Brigadefeier von Schantal Konopaschke schwimmt man wieder oben auf und alles ist wieder so genial in der Stadt. Selbst das White Trash ist auf einmal ganz nett, was aber wohl auch am Wochentag liegt, wie ein erfahrener Torstraßenverkehrer meint. Obenschwimmen aber auch deswegen, weil lange nicht gesehene Bekanntinnen so begeistert sind von dem ganzen Zeugs und es einfach nur wunderbar war.
Dann vermisst man dieses typische Berlingefühl am meisten. Wie im verschlafenen Kreuzberg, wo die Zeit eh stehen geblieben ist. Kreuzt einen Tag später Spoon auf, der im Vorderhaus lebte, als wir noch Hausbesetzer spielten im noch nicht so schicken Mitte. Der vor sich hin sitzt und redet und ab und an vom Hocker zu fallen droht.
Genau wie damals. Kurz bevor die Drogeriehändler von ihrer ersten Million träumten oder von Häusern in Polen oder von der Erleuchtung. Als hier noch ganz andere riesige Wellen durch die Stadt schlugen.
Vier Jahre später wurden die „westdeutschen Kleinstädter“ zu unserem Lieblingsschimpfwort, weil die hier alles zu ihrer Dorfdisko machten. Und wie egal ist das alles heute. Berlin schluckt doch alle und jeden. Sie müssen hier alle Wellenreiten gehen. Wer nicht will muss gehen oder wird zum Berliner.
Nur die Volksbühne gibt vor, nicht Berlin sondern weiter Ost zu bleiben, so im abgewrackten Kleid des Palastes der Republik. Aber der ist mir auch schon dermaßen was von egal. Und sagen Sie jetzt nicht, das läge an dem halben Jahr Köln, was mich so abstumpfen ließ gegen den Palast und die Dorfbewohner. Wer weiß, vielleicht bricht jetzt endlich in den westdeutschen Kiezen der Aufschwung aus. Und ich verpasse die kommenden Hasssubjekte. Aber vielleicht bin ich ja schon selber eins?


December 23rd, 2005 at 5:07 pm
Ha, da kann ich gegenhalten.